Kasseler Wissenschaftler warnen vor dauerhafter Knappheit – Mitarbeit an UN-Umweltbericht

Wasser wird kostbare Ressource

In vielen Ländern schon ein Problem: Unser Foto entstand im Februar während der Dürre in der chinesischen Provinz Szechuan. Foto: Picture Alliance

Kassel. Die Wirtschaft Chinas wächst seit Jahrzehnten rasant. Doch Boom und Verstädterung drohen, das Riesenreich in manchen Regionen im Wortsinn auszudörren: Der Norden Chinas leidet unter akutem Wassermangel, Brunnen fallen trocken.

Mit einem gigantischen Kanalprojekt versucht das Land, der Wasserknappheit zu begegnen.

Das ist nur ein Beispiel für die Probleme, die sich nach der Prognose Kasseler Wissenschaftler in vielen Regionen der Welt in den nächsten 35 Jahren noch verschärfen werden, wenn bei der Nutzung von Wasser nicht umgesteuert wird. Schon jetzt lebten zwei Milliarden Menschen in Gebieten mit akutem Wassermangel. Wenn sich nichts ändere, könnte es 2050 fast die Hälfte der zukünftig gut neun Milliarden Weltbürger sein, sagt Dr. Martina Flörke, Leiterin der Arbeitsgruppe am Umwelt-Forschungszentrum CESR (Center for Environmental Systems Research) der Uni Kassel, die sich mit Wasserressourcen und -qualität beschäftigt.

Die Kasseler Wissenschaftler haben an dem jüngst veröffentlichten Umweltbericht GEO5 der Vereinten Nationen mitgearbeitet und Simulationen zur Abschätzung der zukünftigen Wasserverfügbarkeit erstellt.

Martina Flörke

Deutschland kommt bei der Prognose aus Kassel relativ gut weg. Allerdings müssten sich die Landwirte darauf einstellen, dass sie kaum noch Spitzenerträge einfahren können. Denn als Folge des Klimawandels falle Regen häufig dann, wenn er gerade nicht gebraucht werde, sagt Flörke und nennt zu trockene Frühjahre und zu nasse Sommer als Beispiele.

Doch um zu den Brennpunkten des Wassermangels zu gelangen, muss man laut den Kasseler Forschern nicht bis China reisen. Auch im Mittelmeerraum verschärfe sich vermutlich die Lage. Daran sei primär nicht der Tourismus schuld, sondern vor allem fragwürdige Bewässerungsprojekte. Beispielsweise werde derzeit eine Subventionierung des Baumwollanbaus, der viel Wasser benötigt, in trockenen Gegenden diskutiert. Auch Kraftwerksbetreiber gingen häufig verschwenderisch mit Flusswasser um, um ihre Meiler zu kühlen.

Anderer Umgang gefordert

Martina Flörke plädiert dafür, Gesamtkonzepte zur Senkung des Wasserverbrauchs auf regionaler Ebene zu entwickeln, die Landwirtschaft, Industrie und Haushalte mit einbeziehen. „Der Mensch muss sich ändern, in seiner Art, wie er mit Wasser umgeht“, sagt die Wissenschaftlerin. Der Klimawandel sei nicht die Ursache der Probleme, sondern verschärfe sie nur. Wichtig sei beispielsweise, Wasser mehrfach zu nutzen und Abwässer, die Trinkwasser oft verunreinigen, besser aufzubereiten.

Effiziente und wassersparende Technologien, die in Deutschland häufig schon zum Standard gehörten, könnten dabei einen entscheidenden Beitrag leisten, sagt die Wissenschaftlerin. Großprojekte wie in China lösten die Probleme nicht, sondern verlagerten sie nur.

Von Peter Dilling

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