Spenden ermöglichten Rekonstruktion des historischen Instruments

Die Wasserorgel im Bergpark Wilhelmshöhe wird wieder spielen 

+
Original und Rekonstruktion: An der historischen Wasserorgel demonstriert Andreas Hahn die Funktion. Links ist der Nachbau zu sehen, der demnächst in der Vexierwassergrotte zu hören sein wird.

Die Wasserorgel im Bergpark Wilhelmshöhe ist Teil der Wasserspiele. Bisher war sie allerdings stumm. Spenden ermöglichten jetzt die Rekonstruktion des historischen Instruments. 

„Dieses Instrument ist eine Sensation“, sagt der erfahrene Orgelbauer Andreas Hahn. Der 54-Jährige von der Dresdener Firma Jehmlich war maßgeblich daran beteiligt, dass die historische Wasserorgel aus dem Bergpark Wilhelmshöhe restauriert wurde. Und nicht nur das. Auch für den Nachbau, der demnächst bei den Wasserspielen zu hören sein soll, ist er mitverantwortlich. Gestern wurden das Original und die Rekonstruktion im Florasaal von Schloss Wilhelmshöhe erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Außer der Kasseler Wasserorgel gibt es nach Angaben des Experten weltweit nur noch zwei vergleichbare historische Instrumente in Salzburg und Rom. Das restaurierte Kasseler Original wird zum Museumsstück. Der Nachbau soll die ständige Feuchtigkeit in der Vexierwassergrotte oberhalb der Kaskaden viele Jahre unbeschadet überstehen. Dafür wurde die Konstruktion aus Eiche, Pappel, Ahorn und Weißbuche entsprechend präpariert.

Blick in die Vexierwassergrotte: Hinter der Figur des Pan (links) soll die Wasserorgel stehen.

Diese Orgel soll wieder hinter der Figur des Pan in der Vexierwassergrotte stehen. So wie vor 60 Jahren, als die Musik zuletzt erklang. Die war ab dem 18. Jahrhundert Teil eines fürstlichen Spaßes. Die Orgel sollte die Besucher anlocken. In der Grotte wurden sie dann mit Wasser aus über 100 kleinen Düsen nass gespritzt.

Bei dem Instrument handelt es sich um eine Drehorgel, die über ein mit Wasser angetriebenes Schaufelrad in Gang gesetzt wird. Auch die Technik hierfür muss restauriert werden.

Das wird noch eine Weile dauern. „Unser Ziel ist es, dass die Orgel so bald wie möglich wieder zu hören sein wird“, sagt Prof. Bernd Küster, der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Wichtige Voraussetzungen dafür habe man bereits geschafft.

Küster lobte ausdrücklich die große Unterstützung aus der Kasseler Bürgerschaft. Bei der Rekonstruktion haben sich neben Einzelspendern der Rotary Club Kassel-Wilhelmshöhe, die Gerhard-Fieseler-Stiftung, die Kasseler Sparkasse und die Kasseler Bank engagiert. Die Hälfte der Kosten hat der Museumsverein aufgebracht. „Das ist ein Geschenk an die Stadt zum 300. Herkulesgeburtstag“, sagt Susanne von Baumbach, die Vorsitzende des Museumsvereins.

Susanne von Baumbach bei der Vorstellung der Wasserorgel im vergangenen Jahr. 

In den nächsten Wochen haben die Besucher von Schloss Wilhelmshöhe die Gelegenheit, sowohl die historische Wasserorgel als auch die Replik im Florasaal zu besichtigen. Am Pfingstsamstag, 3. Juni, wird der Nachbau anlässlich des Herkules-Geburtstagsfestes bei drei Führungen um 14, 17.30 und 18.30 Uhr präsentiert.

Klang erinnert an Drehorgel

Der Klang erinnert an eine Drehorgel, die Musikstücke sind eine Mischung aus Kirchenmusik und Jahrmarktsweisen. Welche Melodien das Instrument aus dem 18. Jahrhundert genau spielt, ist noch nicht erforscht. Bisher sind die Stücke ein Rätsel für die Musikwissenschaft. Die Walze lässt sich so verstellen, dass je nach Auswahl sechs Melodien erklingen. Die erste schriftliche Erwähnung der Kasseler Orgel stammt aus dem Jahr 1705. Angetrieben wurde sie durch ein Wasserrad, das über Zahnräder eine Kurbel antrieb. Bei dem Nachbau wird das genauso funktionieren. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.