Instrument wurde für 50.000 Euro restauriert

Wasserorgel spielt flotte Töne: Beim Bergparkfest gibt es Vorführungen

Kassel. Sie stand nie direkt im Wasser, hat aber reichlich Feuchtigkeit abbekommen. Deshalb sah die historische Wasserorgel aus dem Kasseler Bergpark auch ziemlich mitgenommen aus, als die Restauratoren in Dresden mit ihrer Arbeit begannen.

Im Schloss Wilhelmshöhe präsentierte Orgelbauer Ralf Jehlich gestern das Ergebnis der monatelangen Bemühungen. Vor zahlreichen Journalisten und Mitarbeitern der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) entlockte der Experte dem außergewöhnlichen Instrument Töne, wie sie schon die Landgrafen und Kurfürsten gehört haben.

Der Klang erinnert an eine große Drehorgel, die Musikstücke sind eine Mischung aus Kirchenmusik und flotten Jahrmarktsweisen. „Ich bezeichne das mal wertfrei als interessant“, sagt MHK-Direktor Prof. Bernd Küster. Er ist stolz darauf, dass das Instrument nach vielen Jahren endlich wieder funktioniert. Das war wahrscheinlich in den Nachkriegsjahren zuletzt der Fall. So genau weiß das niemand mehr. Fest steht nach Angaben des Gartenhistorikers Siegfried Hoß lediglich, dass die Orgel zunächst auf einem Dachboden und dann in einem Depot ausgelagert war. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1705. Ende des 18. Jahrhunderts war die Wasserorgel mit Sicherheit im Einsatz. Das belegen Dokumente aus dieser Zeit. Angetrieben wurde sie durch ein Wasserrad, das über mehrere Zahnräder eine Kurbel antrieb. Die Orgel war für die Besucher der Wasserspiele nicht zu sehen. Sie stand hinter der Figur des Pan in der Vexierwassergrotte. Die wird bis zum Jahr 2016 saniert. Wenn es gelingt, über Sponsoren einen wetterfesten Nachbau zu finanzieren, dann könnte dort wieder Orgelmusik erklingen. Nach Angaben des Orgelbauers Ralf Jehmlich würde das etwa 50 000 Euro und damit in etwa so viel wie die Sanierung der alten Orgel kosten

Welche Melodien das Instrument aus dem 18. Jahrhundert genau spielt, ist übrigens noch nicht erforscht. „Das ist ein Rätsel für die Musikwissenschaft“, sagt Orgelbauer Jehmlich. Über einen Riegel lässt sich die Walze so verstellen, dass sechs verschiedene Melodien erklingen. Auch die Höhe für die 27 Töne lässt sich verstellen. Der Feuchtigkeit in der Grotte soll die Original-Wasserorgel nicht mehr ausgesetzt werden. In welchem Museum sie zu sehen sein wird, ist noch offen. Am kommenden Sonntag, 1. Juni, wird die historische Orgel beim Bergparkfest in Schloss Wilhelmshöhe zu hören sein.

Bilder von der Wasserorgel

Bergpark: Wasserorgel aus dem 18. Jahrhundert restauriert

Von Thomas Siemon

Rubriklistenbild: © L. Koch

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