Gefahren für die Ohren beim Schwimmen

Ohrenstäbchen sind gefährlich: Warum wir gerade jetzt darauf verzichten sollten

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Ohrenschmerzen nach dem Schwimmen: Wenn Wasser die Gehörgangshaut aufweicht, können sich Bakterien im Gehörgang einnisten. Begünstigt wird das durch Ohrenstäbchen.

Kassel. Im Sommer suchen viele Menschen die Nähe zum Wasser. Doch der Badespaß kann schmerzhafte Folgen haben.

Der Kasseler Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO), Dr. Ulf Kuhlemann, erklärt, wie gefährlich Schwimmen für unsere Ohren sein kann. Oberstes Gebot: Niemals Ohrenstäbchen benutzen.

Welche Gefahr besteht für unsere Ohren beim Schwimmen?

Dr. Ulf Kuhlemann: Das Wasser kann die Gehörgangshaut aufweichen. Dadurch ist das Risiko erhöht, dass sich Bakterien, Viren oder Pilze in den Gehörgang einnisten. In diesem Milieu – zwischen Ohrenschmalz und Trommelfell – können Infektionen geradezu explodieren.

Wo ist die Gefahr am höchsten: im Schwimmbad, im Badesee oder im Meer?

Kuhlemann: In überfüllten Pools, selbst wenn sie gechlort sind. Gerade in der heißen Jahreszeit finden sich dort ideale Bedingungen für Bakterien und Keime, um sich zu vermehren.

Sind bestimmte Personengruppen wie Kinder besonders gefährdet?

Kuhlemann: Grundsätzlich gibt es anfälligere Personenkreise. Das hat dann aber mehr mit Grunderkrankungen zu tun. Diabetiker etwa sind gefährdeter, eine Badeotitis – so nennt man die Infektion des äußeren Gehörgangs – zu bekommen. Aber auch Menschen, die ein Hörgerät tragen oder die häufig Ohrenstäbchen benutzen, sind eher gefährdet.

Wattestäbchen im Ohr: Warum das gefährlich ist

Was haben Hörgeräte und Ohrenstäbchen damit zu tun?

Kuhlemann: Ist das Ohr nicht richtig trocken, kann sich unter dem Hörgerät Wasser ablagern. Stellen Sie sich das wie eine Art Feuchtekammer vor. Das gleiche kann passieren, wenn man zum Trocknen des Gehörgangs Stäbchen benutzt. Die Stäbchen drücken das Ohrenschmalz in Richtung Trommelfell. Zwischen Ohrenschmalzpfropf und Trommelfell lagert sich das Wasser ab. Dort explodieren die Bakterien dann regelrecht.

Wie kann man sich vor einer Badeotitis schützen?

Kuhlemann: Die Prophylaxe ist entscheidend. Wichtig ist: dauerhaft keine Ohrenstäbchen nutzen, das Ohr reinigt sich von selbst. Träger von Hörgeräten sollten darauf achten, ihre Ohren regelmäßig reinigen zu lassen. Auch wer zu einer starken Ohrenschmalzbildung neigt, sollte vor einem Badeurlaub eine professionelle Ohrenreinigung beim HNO-Arzt machen lassen.

Was sollte man nach dem Schwimmen beachten?

Kuhlemann: Nach dem Schwimmen muss das Wasser aus den Ohren raus. Zum Trocknen empfehle ich, die Handtuchspitze zu benutzen oder das Ohr sanft trocken zu föhnen. Anschließend sollte man Zugluft meiden.

Ähnlich einer Mittelohrentzündung: Die Gehörgangsentzündung

Welche Symptome treten bei einer Gehörgangs-Infektion auf?

Kuhlemann: Juckreiz ist häufig das erste Symptom. Außerdem kann es zu einer Schwellung, zu Rötungen und Nässen des Gehörgangs kommen, bis hin zu stärksten Schmerzen und Hörminderung.

Gibt es Hausmittel zur Behandlung einer Badeotitis?

Kuhlemann: Man kann das Ohr kühlen und trocken halten. Wenn die Beschwerden nach einer Nacht nicht nachlassen, ist es ratsam, einen HNO-Arzt aufzusuchen.

Welche gesundheitlichen Langzeitfolgen kann eine Badeotitis haben?

Kuhlemann: Theoretisch kann eine Badeotitis vom Gehörgang in Richtung Trommelfell weiter wandern und den Anschein einer Mittelohrentzündung erwecken. Die Symptome sind sehr ähnlich, allerdings steigt eine Mittelohrentzündung vom Nasen-Rachentrakt auf. Die Unterscheidung ist bei der Untersuchung von erheblicher Bedeutung, weil eine Gehörgangsentzündung und eine tatsächliche Mittelohrentzündung mit unterschiedlichen Medikamenten behandelt werden. Im schlimmsten Fall kann eine Badeotitis zu einem stationären Aufenthalt und einer längeren Behandlung mit Antibiotika führen.

Zur Person

Dr. Ulf Kuhlemann (52) wurde in Hagen (Westfalen) geboren. Seit 1999 ist er in Kassel mit einer HNO-Praxis an der Friedrich-Ebert-Straße niedergelassen und Belegarzt am Roten Kreuz Krankenhaus. Er studierte Medizin in Köln, arbeitete als Assistenzarzt in Gladbeck und Trier und machte dort seinen Facharzt für HNO-Heilkunde. Außerdem trägt er die Zusatzbezeichnung „plastische Operationen“, nimmt also auch ästhetische Eingriffe an Nase und Ohr vor. Kuhlemann ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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