Wau-Mau-Insel platzt aus allen Nähten

Kassel. Es ist jedes Jahr die gleiche Situation: In den Sommerferien platzt das Tierheim Wau-Mau-Insel fast aus den Nähten. „Alle wollen Tiere los werden und keiner nimmt uns welche ab“, sagt Karsten Plücker, Leiter des Tierheims. Besonders in der Abteilung mit den Katzen ist kaum noch Platz.

„Vor vier Wochen hatten wir 40 Katzen, mittlerweile sind es 80“, sagt Plücker.

Noch häufiger werden Kleintiere wie Hamster, Ratten und Meerschweinchen abgegeben. Je günstiger die Tiere im Zoogeschäft seien, desto schneller würden sie von ihren Besitzern ins Tierheim abgeschoben, sagt Plücker. „Wer einen Hamster für fünf Euro kauft, ist nicht bereit, im Urlaub die Kosten für eine Tierpension zu übernehmen.“

Nicht alle Menschen seien bei der Abgabe ehrlich. Nur einige gäben unverblümt zu, dass sie am kommenden Tag für sechs Wochen wegführen und sich deshalb von ihren Kleintieren trennen wollten. Viele behaupteten auch, dass sie zufällig eine Kiste mit mehreren Ratten auf der Straße oder gleich mehrere herrenlose Meerschweinchen in ihrem Garten gefunden hätten, sagt Karsten Plücker.

Die Hundeabteilung sei mit 100 Tieren derzeit auch voll. Das liege nicht unbedingt daran, dass so viele Hunde abgegeben würden. Sondern, dass in den Ferien weniger Tiere vermittelt würden, sagt Plücker. Einige der Vierbeiner, die noch in der Wau-Mau-Insel leben, haben zwar bereits ein neues Herrchen oder Frauchen, würden aber erst nach deren Urlaub abgeholt.

Der Tierheim-Chef und seine Kollegen beobachten zudem ein neues Phänomen: Im Tierheim würden immer mehr Hunde von suchtkranken oder psychisch kranken Menschen untergebracht. Die Tiere werden vom Ordnungsamt abgegeben, dürften aber nicht vermittelt werden, da die Besitzer sie später gegebenenfalls zurückhaben möchten. „Die Hunde blockieren aber unsere Zwinger“, sagt Plücker. Immer wieder würden auch Tiere nach Zwangsräumungen in die Wau-Mau-Insel gebracht.

Vergangene Woche hätten zwei Hunde, sechs Katzen und mehrere Kaninchen, die in einer Hütte in einem Schrebergarten in Oberzwehren gehalten worden seien, im Tierheim ein vorübergehendes Zuhause gefunden. (use)

Rubriklistenbild: © Pflüger-Scherb

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