Nachfolgerin wird seine langjährige Referentin

Kassel: Wolfgang Decker (SPD) legt überraschend sein Mandat im Landtag nieder

Wolfgang Decker
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Seit 13 Jahren im Landtag: Wolfgang Decker.

Überraschend hat der langjährige Kasseler SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Decker angekündigt, zum 30. Juni sein Landtagsmandat niederlegen zu wollen. 

Kassel – Wolfgang Decker sagt, er habe zwei Fehler: Er könne nicht nein sagen, und er könne nur Volldampf. Das Problem ist: Sein Körper hat ihm nun signalisiert, dass er diese beiden Fehler nicht mehr lange tolerieren werde. „Ich will nicht, dass aus Warnschüssen ein Treffer wird“, sagt der 65-Jährige, der somit die Konsequenz zog: Im Sommer ist Schluss mit der Landespolitik, Sozialdemokrat Decker legt sein Mandat als Landtagsabgeordneter nieder – nach 13 Jahren.

Decker schaffte es in der Zeit, so etwas wie das Gesicht der Kasseler SPD in Wiesbaden zu werden; seit 2009 ist er als Vorsitzender des Haushaltsausschusses tätig. Dabei kam er erst mit Verspätung in den Landtag. 2003, beim ersten Versuch als Direktkandidat für den Kasseler Osten, scheiterte der Mann aus Wolfsanger noch – damals höchst überraschend an Christoph Holler von der CDU. 2008 eroberte Decker dann das Direktmandat.

Zweimal wurde er wiedergewählt, zuletzt vor drei Jahren. Damals holte er 26,6 Prozent der Erststimmen und landete damit vor Karin Müller von den Grünen, die auf 20,5 Prozent kam. Das Resultat war ein weiterer Hinweis darauf, dass die Bewerber der Grünen in Kassel mehr und mehr zur Konkurrenz werden für die SPD-Kandidaten. „Da kann man keinen Wahlkampf im Schlafwagen machen“, sagt Decker – und unterstreicht damit seine Entscheidung für ein baldiges Ende als Landtagsabgeordneter.

Ab Sommer im Landtag: Esther Kalveram.

Er begründet diese Entscheidung mit der eigenen Vernunft, zumal er damit einer Weggefährtin eine Chance eröffnet. Seine Nachfolgerin in Wiesbaden wird nämlich mit Esther Kalveram seine langjährige Referentin. Seit Deckers Wahl 2008 ist sie in dieser Funktion tätig. Ab dem 1. Juli wird sie als gewählte Ersatzbewerberin für Decker aus dem Hintergrund in den Vordergrund treten.

Die Sozialdemokratin aus dem Stadtteil Forstfeld spricht von einer großen Herausforderung, auch wenn sie mit der Landespolitik vertraut ist. „Sie ist mein täglich Brot“, sagt sie. Aber: „Die Fußstapfen sind groß.“ Decker hat sich in seiner Heimat einen Namen gemacht, ist hier sehr präsent. Zwischenzeitlich war er Vorsitzender der Kasseler SPD.

Zwei Jahre bleiben Kalveram dann, bevor Hessen wieder wählt. Die 54-Jährige, die in der kommenden Woche Geburtstag hat, könnte dann als Landtagsabgeordnete wieder kandidieren. Erst kürzlich verzeichnete Kalveram trotz der Verluste ihrer Partei persönlich einen gewissen Wahlerfolg. Bei der Kommunalwahl machte sie sechs Plätze auf der SPD-Liste gut und gehört zu den gewählten Stadtverordneten.

In der vergangenen Wahlperiode gehörte sie dem ehrenamtlichen Magistrat an, nun will sie sich als Stadtverordnete in der Fraktion engagieren. Die neueste Entwicklung wird daran nichts ändern. Esther Kalveram gibt es dann also im Landtag und in der Stadtverordnetenversammlung.

Dort wird sie auf einen alten Bekannten treffen: Wolfgang Decker. Er verabschiedet sich schließlich nicht ganz von der politischen Bühne. Auch er fuhr bei der Kommunalwahl persönlich ein beachtliches Ergebnis ein. Und er hat festgestellt: „Es wird nicht ganz ohne Politik gehen.“ (Florian Hagemann)

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