Zahlen zeigen positive Entwicklung

Wechselhafte Impfbereitschaft: Kinder öfter vor Masern geschützt

Kassel. Die Eltern in der Region sind offenbar öfter bereit, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor.

Demnach haben in der Stadt Kassel 76,9 Prozent der Kinder des Jahrgangs 2013 in den ersten beiden Lebensjahren zwei Impfungen erhalten, die für einen Schutz gegen die Krankheit notwendig sind. Vor sechs Jahren lag der Anteil laut RKI noch bei 64,7 Prozent.

Im Landkreis Kassel sieht die Entwicklung ähnlich aus: Dort waren 67,5 Prozent der Kinder im Jahrgang 2008 doppelt gegen Masern geimpft – beim Jahrgang 2013 liegt die Quote sogar bei 77,3 Prozent.

Die Masern sind eine hoch ansteckende Krankheit, die tödlich sein kann. Der einzige Schutz ist eine erfolgreiche Immunisierung im Vorfeld, sei es durch eine Impfung oder indem die Krankheit einmal durchlitten wurde.

Warum sind die Masern so gefährlich?

Der Begriff Kinderkrankheit klingt harmlos, tatsächlich geht selbst eine normale Maserninfektion mit hohem Fieber, Hautausschlag, Husten und Schnupfen einher. Durch die Schwächung des Immunsystems kann es zu Komplikationen kommen, etwa einer Lungenentzündung. Das Virus kann aber auch auf das Gehirn übergreifen und dort eine Entzündung verursachen, an der jeder fünfte Patient stirbt.

Warum ist eine Impfung so wichtig?

Die Masern gehören zu den ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Fast jeder Mensch, der mit dem Virus Kontakt hat und nicht immun ist, erkrankt auch, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller. Wer geimpft ist, wird nicht nur nicht krank, sondern kann die Masern auch nicht übertragen. Je mehr Menschen geimpft sind, desto größer ist dieser so genannte Herdenschutz. Er ist für alle Kinder wichtig, die (noch) nicht geimpft werden können. Auch diejenigen, die sich bewusst gegen eine Impfung entscheiden, profitieren davon.

Warum lassen Eltern ihre Kinder nicht impfen?

Die Impfgegner haben viele Argumente, „es gibt aber auf alle Fragen und Einwände vernünftige Antworten“, sagt Müller. Die Furcht vor Impfschäden hält sie für unverhältnismäßig: „Die Risiken einer Impfung wiegen den Nutzen für das Kind überhaupt nicht auf, vor den schweren Folgen der Masern geschützt zu sein.“ Ein anderes Argument: Der Körper müsse die Krankheit selbst durchmachen, um lebenslang geschützt zu sein. Auch das weist Müller zurück: „Die Impfung stärkt das Immunsystem genauso, wie wenn das Kind krank wird.“

Wo ist die Impfquote in der Region besonders niedrig?

Während die Impfquote im Kreis Kassel fast überall über 90 Prozent liegt, gibt es in der Stadt Kassel deutliche Unterschiede. Bei der Schuleingangsuntersuchung überprüft das Gesundheitsamt den Impfschutz aller fünf- bis sechsjährigen Kinder – soweit ihr Impfpass vorliegt.

Die Daten zeigen, dass in Stadtteilen mit einem vermeintlich höheren Bildungsgrad der Einwohner die Impfbereitschaft sinkt. Offenbar ist dort die Skepsis gegen Impfungen weiter verbreitet. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Jahre ist die Impfquote in Bad Wilhelmshöhe mit 76,1 Prozent am niedrigsten. Das heißt, dass eines von vier Kindern nicht geimpft ist. „Für den Herdenschutz ist das katastrophal“, sagt Müller. Sie glaubt, dass die Impfbereitschaft früher größer war, weil die schweren Folgen von Masern, Kinderlähmung und Co. in der Gesellschaft sichtbarer waren. Aber: „Die Tendenz wird besser – Gott sei Dank!“

Wie läuft die Impfung genau ab?

In der Regel werden Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln gemeinsam geimpft. Die erste Spritze steht zwischen dem elften und 14. Lebensmonat an. Für einen vollständigen Schutz ist eine zweite Immunisierung zwischen 15 und 23 Monaten notwendig. Diese haben viele Erwachsene in den 70er-Jahren nicht erhalten. Für sie wird eine Auffrischimpfung empfohlen.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: dpa

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