Er wurde erst vor wenigen Wochen angelegt

Weg für Fußgänger an Wilhelmshöher Allee in Kassel muss wieder weg

Praktisch, aber nicht mehr erlaubt: Noch immer nutzen viele Fußgänger den bereits von der KVG zurückgebauten und von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigten Weg über die Gleise der Wilhelmshöher Allee in Höhe der Ulmenstraße. 

Kassel. Den erst vor einigen Wochen angelegten Weg für Fußgänger über die Gleise der Wilhelmshöher Allee muss die KVG wieder entfernen. Die Aufsichtsbehörde verweigerte die Genehmigung.

Fußgänger schlagen meist den kürzesten Weg ein – auch über Straßen und Schienen hinweg. Bei Straßenbahngleisen ist das nicht nur gefährlich, sondern auch verboten. Deshalb hat die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) Fußgängern auf der Wilhelmshöher Allee einen Überweg in Höhe der Ulmenstraße geschaffen. An jener Stelle, an denen ohnehin bereits viele Menschen die Straße und die Schienen überquerten. Doch was nicht den behördlichen Vorgaben entspricht, darf auch nicht sein. Deshalb muss dieser Weg wieder weg.

Entscheidung bedauert

„Die KVG bedauert die Entscheidung, hat aber keinen Handlungsspielraum“, erklärt Unternehmenssprecherin Heidi Hamdad zum angeordneten Rückbau der für Fußgänger gestalteten Fläche. An Stelle des Weges werde die Hainbuchenhecke entlang des neuen Rasengleises verlängert.

Grund für den Rückbau gibt eine Aufforderung der für Straßenbahnanlagen zuständigen Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) beim Regierungspräsidium Darmstadt. Nach längerer Diskussion und einem Ortstermin habe die Behörde den Weg über die Gleise nicht genehmigt. Die Fläche zwischen Gleis und Fahrbahn sei demnach zu schmal. Sie sei nur 1,70 Meter und nicht – wie amtlich gefordert – 2,50 Meter groß.

Heidi Hamdad

Die KVG hatte erst vor einigen Wochen bei der Umgestaltung der Wilhelmshöher Allee den etwa 8,50 Meter langen und vier Meter breiten asphaltierten Streifen geschaffen. Es handele sich dabei um eine zwar illegale, faktisch jedoch seit vielen Jahren funktionierende und vielfach genutzte Querung der Wilhelmshöher Allee, meint Hamdad.Betreten strikt verboten“

Die TAB vom RP Darmstadt sah das anders. „Die Aufsichtsbehörde hat von der KVG verlangt, das Überqueren des Überweges unverzüglich zu verhindern“, sagt Heidi Hamdad. Noch einmal stellt die KVG-Sprecherin in diesem Zusammenhang klar: „Das Betreten der Schienentrasse ist strikt verboten.“

Wer also in diesem Bereich die Wilhelmshöher Allee überqueren möchte, muss künftig längere Wege in Kauf nehmen. Der nächstgelegene Fußgängerüberweg ist in Höhe der Marienstraße – und damit etwa 70 Meter entfernt.

Das sagen Passanten

Wir waren vor Ort, haben uns an der Wilhelmshöher Allee umgeschaut und mit Passanten gesprochen. „Die Gleise sind sehr übersichtlich“, sagte eine Anwohnerin, die sich einen Weg über die Schienen durch die Hecken bahnte. Sie überquere die Bahngleise mindestens zweimal am Tag, wenn sie zur Arbeit gehe. Angst vor kommenden Straßenbahnen habe sie nicht. „Die sehe ich ja.“

Auch den Überweg in Höhe der Ulmenstraße benutze sie, wenn sie ihr Altpapier zu den Müllcontainern bringt. Die Fußgängerüberquerung 70 Meter weiter – in Höhe der Marienstraße – nutzt die Anwohnerin kaum. „So ist es kürzer.“

Ein weiterer Passant nutzt den Überweg der KGV ebenfalls regelmäßig, wie er auf HNA-Anfrage sagte: „Der Weg ist gut. Ich finde den Abstand zwischen Gleis und Straße nicht zu eng.“ Er könne sich außerdem vorstellen, dass Fußgänger weiterhin über die Gleise laufen, auch wenn der Überweg abgeschafft werde.

„Habe großen Respekt“

Anders sehen das Mandy Fröbe und Lars Reichert. „Ich habe großen Respekt vor der Straßenbahn“, sagte Fröbe. Den Überweg meide sie ebenfalls. „Ich weiß nicht einmal, ob er legal ist.“ Lars Reichert sagte: „Das ist mir zu gefährlich. Ich nehme immer die Fußgängerüberquerung mit Zebrastreifen.

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