Agrarwissenschaftler untersuchen die Bedeutung neuer Technologien für Kleinbauern

Wege gegen den Hunger

Kleinbauern in Indien: Seit Jahren beschäftigt sich eine Arbeitgruppe der Universität Göttingen mit den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen, die der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen für Kleinbauern hat. In Indien profitiert die ländliche Bevölkerung von Baumwolle, die gegen Schadinsekten resistent ist. Foto: nh

Göttingen. Weltweit wird eine Milliarde Menschen nicht satt. Besonders groß ist die Not auf dem Land. „Die Hälfte der Menschen, die hungern, sind Kleinbauern, weitere 20 Prozent arme Landarbeiterfamilien“, sagt Dr. Matin Qaim, Professor für Welternährungswirtschaft und Rurale Entwicklung an der Uni Göttingen.

Um Hunger und Armut zu bekämpfen, setzt der Agrarwissenschaftler auf Ertragssteigerung der Landwirtschaft. Die Ansicht, Hunger sei nur ein Verteilungsproblem, sei falsch, sagt Prof. Qaim. Zwar werden heute weltweit ausreichend Lebensmittel produziert, um rein rechnerisch alle Menschen zu ernähren. Aber angesichts der wachsenden Weltbevölkerung, sich ändernder Ernährungsgewohnheiten und Klimawandel werde dies in Zukunft anders sein.

Viele Kleinbauern in Entwicklungsländern seien arm, weil sie eine wenig effiziente Landwirtschaft betreiben, sagt Prof. Qaim, der in verschiedenen Ländern Asiens und Afrikas Forschungsprojekte betreibt. Um diese ländliche Armut zu überwinden, sei es wichtig, lokal angepasste Technologien zu entwickeln. Dazu sollten alle wissenschaftlichen Erkenntnisse genutzt werden – auch die in Europa mit viel Skepsis betrachtete Gentechnik. Prof. Qaim: „Die Risiken der Gentechnik werden überschätzt, während das Nutzungspotenzial deutlich unterschätzt wird.“

Mehr Einkommen

Vorteile hat gentechnisch veränderte Baumwolle, die gegen Schadinsekten resistent ist, aus Sicht der Wissenschaftler für Kleinbauern in Indien. Seit der Einführung der sogenannten Bt-Baumwolle im Jahr 2002 erhöhten sich die Erträge um mehr als ein Drittel, gleichzeitig sank der Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln (-41%) deutlich, stellte die Göttinger Arbeitsgruppe, die sich in Indien seit zehn Jahren mit dem Thema beschäftigt, fest.

Nach den Untersuchungen der Forscher profitieren sogar die Tagelöhner, weil sie durch größere Ernten mehr Arbeit haben. Die Haushalte verfügen über mehr Geld und geben dieses auch aus. Auf diese Weise generiere jeder Dollar Gewinn aus der Baumwolle einen weiteren Dollar in einem anderen lokalen Wirtschaftssektor, sagt Prof. Qaim. „Ein Einkommensschub für die ganze Dorfgemeinschaft.“

Um höhere Erträge zu erzielen sei auch mehr Forschung und Wissen zum Beispiel über Bodenfruchtbarkeit und Fruchtfolgen wichtig. „Die Gentechnik ist keine Wunderwaffe“, so der Agrarwissenschaftler, für den Ökolandbau und Gentechnik keine unvereinbaren Gegensätze sind. „Aber mit einer grundlegend ablehnenden Haltung der Technik gegenüber werden wir die Aufgaben der Zukunft nicht meistern können.“

Von Kornelia Schmidt-Hagemeyer

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