Von wegen altes Eisen

Auszeichnung für zwei regionale Unternehmen, die auf Arbeitnehmer über 50 setzen

Kassel / Baunatal. Älter als 50 und schon länger raus aus dem Arbeitsleben: Genau solchen Menschen soll das bundesweite Programm „Perspektive 50 plus“ helfen. Zwei Unternehmen aus der Region Kassel setzen so erfolgreich auf Ältere, dass sie nun ausgezeichnet werden.

Auf der Couch sitzen und die Rente abwarten? „Um Gottes willen“, sagt Anselmo Caruso. Das wäre nichts für den gebürtigen Italiener Jahrgang 1953, der in Kassel wohnt. Umso schöner findet er es, dass er als Älterer nach zwischenzeitlicher Arbeitslosigkeit einen Job als Fahrer gefunden hat. Geholfen hat das Projekt „Perspektive 50 plus“.

Hier die wichtigsten Stichworte dazu:

DIE VORURTEILE 

Es gebe leider immer noch Vorurteile gegenüber Jobsuchenden über 50, sagt Carsten Höhre von der Wirtschaftsförderung Region Kassel. Dagegen müsse man angehen und auf ihre Stärken verweisen, etwa Erfahrung und Besonnenheit. 800 Unternehmen überzeuge man pro Jahr von diesen Vorzügen. „Die können sich ja nicht alle irren“, betont Höhre, der Projektleiter für „Perspektive 50 plus – Beschäftigungspakt Nordhessen“ ist.

DIE CHANCE 

Eines der Unternehmen, für die ältere Mitarbeiter längst nicht zum alten Eisen gehören, ist die Zeitarbeitsfirma CiP City Personalbüro GmbH in Kassel. Sechs Mitarbeiter steuern intern die zeitweilige – so der Fachjargon – Überlassung externer Beschäftigter an Firmen in dergesamten Region, vor allem aus dem Bereich Lager und Logistik. Das Besondere: 15 bis 25 Prozent der Vermittelten sind älter als 50. Diese suche man teilweise gezielt, erklärt Geschäftsführer Thomas Koch und lobt die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter. Die Vermittelten machen ganz unterschiedliche Jobs, von der Essensausgabe in Kasseler Kindertagesstätten bis hin zum Facharbeiter. Ältere erlebe er größtenteils als flexibel und teamfähig, sagt Koch. Anselmo Caruso hat er gleich selbst als Fahrer für Mitarbeitertransporte eingestellt. Dieser hatte seinen Job verloren, als der Kurierdienst, für den er arbeitete, in die Insolvenz ging. Nun freut sich Caruso über seine neue Chance.

DIE PHILOSOPHIE 

Stefan Koch lebt die Philosophie „50 plus“ schon länger, als es das gleichnamige Programm gibt. Er führt den Familienbetrieb Albert Koch Maschinen- und Vorrichtungsbau GmbH aus Baunatal. Kunden des Familienunternehmens sind unter anderem Daimler-Chrysler und Airbus. 50 Mitarbeiter hat der Betrieb, „eine gute Altersmischung in allen Abteilungen“, sagt Koch. Die Zusammenarbeit der Generationen vergleicht er mit einem Marathonlauf: „Die Älteren kommen vielleicht nicht als Erste an, aber sie kennen den Weg genau.“ Er behält Mitarbeiter gerne über Jahrzehnte, und er stellt auch immer wieder Menschen über 50 neu ein.

Es komme ihm dabei auch auf die gesellschaftliche Verantwortung, auf Menschlichkeit an, erzählt Koch. Darum freue er sich nun über die Ehrung, wichtiger sei ihm aber, auch andere Betriebe anzuregen, auf Ältere zu setzen: „Wir zeigen einfach, dass es geht.“

Hintergrund: Bundesweites Programm

„Perspektive 50 plus – Beschäftigungspakt Nordhessen“ ist ein regionaler Ableger des Bundesprogramms „Perspektive 50 plus – Beschäftigungspakt der Regionen“. Gestartet wurde es Ende 2005. Großer Wert wird dabei auf Fort- und Weiterbildung gelegt. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.50plus-nordhessen.de sowie unter Tel. 0561 / 450 66 84.

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