Veranstalter reagieren auf Beschwerden aus der Unterneustadt

Wegen Beschwerden: Kulturzelt bekommt Schalldämmung für weniger Lärm

Schallschutz unter dem Zeltdach: Bernd Birkelbach (links) und Kevin McAllister von der Kaufunger Firma Bode Holzbau bringen an der Sparrenkonstruktion die Platten an, die später mit Akustik-Schaumstoff beklebt werden. Fotos:  Malmus (2), Fischer

Kassel. Vier Wochen früher als üblich hat das Kasseler Kulturzelt auf dem Platz an der Drahtbrücke Position bezogen. Obwohl die populäre Konzertreihe erst am 10. Juli beginnt, werkeln Arbeiter bereits seit den Tagen vor Pfingsten in dem temporären Hallenbau.

Der Grund: Unter dem Zeltdach wird eine feste Akustikdecke eingebaut, damit bei den Auftritten und vor allem bei den vorausgehenden stundenlangen Soundchecks Lärm-Grenzwerte eingehalten werden.

Unter der 800 Quadratmeter großen Zeltdachfläche haben Mitarbeiter der Kaufunger Holzbaufirma Bode ein Sparrengerüst eingezogen. Darauf bringen sie leichte „Sandwichplatten“ an, die später mit lärmdämpfenden Akustik-Schaumstoffplatten beklebt werden. Weil die Konstruktion am Ende mit dünnem Stoff verkleidet wird, „werden die Besucher gar nichts von der neuen Decke sehen“, erläuterte Kulturzelt-Organisatorin Angelika Umbach gegenüber der HNA.

Angelika Umbach

In den Vorjahren hatten sich Anwohner sowie der Ortsbeirat Unterneustadt über eine wachsende Lärmbelästigung während der sommerlichen Veranstaltungssaison beklagt. Bei allerlei Sport- und Publikumsereignissen hallt stundenlanges Lautsprechergeplärr über den Fluss. „Nach dem Hessentag hatten die Leute dann wirklich genug“, sagte Angelika Umbach. Anders aber als einmalige Veranstalter sei der Kulturzeltverein durch die Debatte in die Pflicht gekommen, viel Geld in Schallschutzmaßnahmen zu stecken. Summen nannte Umbach nicht – nur, dass der Verein durch die Aktion seine „letzten Reserven verbraucht“ habe.

Die Veranstalter der beliebten Konzertreihe mit Biergartenbetrieb hätten aber keine Wahl gehabt: Messungen, die seit dem Vorjahr in Absprache mit der Stadt vorgenommen würden, hätten ergeben, dass gesetzliche Lärm-Grenzwerte hin und wieder überschritten worden seien. Umbach: „Da brauchte nur ein einziger Anwohner eine einstweilige Verfügung zu erwirken, und wir müssten sofort aufhören.“ Das könnten die Kulturzelt-Macher nicht riskieren.

Frühstart am Auedamm: Das Kulturzelt wurde wegen der neuen Decke dieses Jahr schon ab der Woche vor Pfingsten aufgebaut.

Mit der Zeltdach-Dämmung, die von einem Fachbüro für Akustikplanung berechnet wurde, hoffen die Veranstalter, nun auf der sicheren Seite zu sein. Ohne treue Förderer wäre die Aktion finanziell gar nicht zu machen gewesen, sagte Angelika Umbach. Hauptsponsor Wintershall habe über seine Konzernmutter BASF gratis den benötigten Akustikschaumstoff beigesteuert. Am Arbeitslohn für Planer und Monteure habe sich die Kasseler Sparkasse beteiligt, und auch die Stadt und die Gerhard-Fieseler-Stiftung hätten einen Obolus gegeben.

Regelmäßige Geräuschmessungen am Kulturzelt wird es nach Angaben von Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp auch in dieser Saison geben, „da Lautstärken subjektiv unterschiedlich wahrgenommen werden“. Die Konzertreihe am Fluss gehöre alljährlich „zu den kulturellen Höhepunkten“ in Kassel, die Stadt habe aber auch die Interessen von Anwohnern im Blick.

www.kulturzelt-kassel.de

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