Branche in Not

Wegen Corona: Reisebusbetrieben droht Pleite - Experte fordert schnelle Hilfe

Die Busse der Reisebusbetriebe stehen in Coronazeiten still. Unternehmen wie die Firma Hecker Reisen aus Liebenau melden die Fahrzeuge ab, um zumindest die Kfz-Steuer zu sparen.
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Die Busse der Reisebusbetriebe stehen in Coronazeiten still. Unternehmen wie die Firma Hecker Reisen aus Liebenau melden die Fahrzeuge ab, um zumindest die Kfz-Steuer zu sparen.

Wegen Corona gilt auch ein komplettes Verbot von Busreisen - das bringt die Branche in Bedrängnis. Ein Experte fordert nun schnelle Hilfe für Reisebusbetriebe.

Kassel – Seit dem 17. März gilt als eine Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus ein komplettes Verbot von Busreisen. Seither stehen auch die Fahrzeuge der Reisebusbetriebe in der Region still. „Wir stehen vor einem irreparablen Kollaps“, warnt Mathias Hörning, Geschäftsführer des Fachverbandes Omnibusverkehr Hessen mit Sitz in Kassel.

Er habe sehr gehofft, dass die Reisebusbranche bei den jüngsten Lockerungen bedacht werden würde, sagt Hörning. „Aber es ist wieder nichts passiert. Das ist die reinste Katastrophe. Wir brauchen eine Perspektive, so wie sie andere Branchen wie Hotellerie und Gastronomie jetzt auch haben. Das Busreiseverbot muss aufgehoben werden.“

Nicht zuletzt auch, weil sich die Situation für die Reisebusbetriebe durch die Lockerungen im Hotel-Bereich noch verschärft habe. „Unsere Betriebe müssen ihren Kunden das Geld zurückzahlen. Aber die Hotels zahlen unseren Betrieben ihre Anzahlungen nicht mehr zurück, weil sie ja wieder öffnen und ihre Leistung anbieten können“, erläutert der Diplom-Ökonom. Die Branche brauche finanzielle Soforthilfe.

Mathias Hörning, Fachverband Omnibusverkehr.

Überdies fordert Hörning ein Konjunkturprogramm, um das Geschäft nach der Aufhebung des Verbots wieder anzukurbeln. „Die Bundesregierung hat die Mehrwertsteuer für die Bahn auf sieben Prozent gesenkt. Für Busse, die gemäß offizieller Zahlen des Umweltbundesamtes das klimafreundlichste Verkehrsmittel sind, ist es aber bei 19 Prozent geblieben.“ Busse leisteten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende. Das werde übersehen. Außerdem hätten viele Unternehmen in umweltfreundliche Fahrzeuge investiert. „So ein Bus kostet etwa eine halbe Million Euro“, so Hörning. Die Kredite müssten oftmals noch abbezahlt werden.

Ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken könnten die Betriebe nicht, weil sie eine Flut an Stornierungen zu bearbeiten hätten. „Immer, wenn das Reiseverbot wieder weiter verlängert wird, kommt ein neuer Schwung“, so Hörning. Gerade im März, als die Coronakrise einsetzte, habe die Reisesaison begonnen. Die Betriebe hätten intensiv geworben und massenhaft Buchungen gehabt.

Lediglich die Kfz-Steuer könnten sie derzeit einsparen, wenn sie ihre Fahrzeuge abmelden. „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Hörning. Die Branche finde scheinbar kein politisches Gehör, beklagt er. „Dabei sind wir systemrelevant. Wir sorgen für Mobilität im ländlichen Raum, wir bringen die Schüler zur Schule.“ Hörning versteht nicht, warum der öffentliche Nahverkehr und Taxifahrten erlaubt sind, die Reisebusbetriebe aber nicht fahren dürfen. „Wir haben der Bundesregierung ein umfassendes Hygienekonzept vorgelegt. Denn auch für uns hat die Gesundheit der Menschen oberste Priorität“, betont er. Trotzdem gebe es kein grünes Licht.

„Wenn es so weiter geht, dann ist die Branche bald am Boden“, warnt Hörning. Noch gebe es unter den etwa 100 Betrieben in Nord- und Mittelhessen, die er vertritt, keine Insolvenzen. Aber wenn die Politik nicht aktiv werde, werde es sie in sehr naher Zukunft massenhaft geben. „Es ist schon fünf nach zwölf“, mahnt Hörning.

Um auf die prekäre Situation der Reisebusbetriebe aufmerksam zu machen, hat sich der Fachverband jetzt in einem offenen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier gewandt und plant für den 19. Mai einen Buskorso nach Wiesbaden. Hörning hofft, so erreichen zu können, dass die Betriebe bald wieder fahren dürfen. „Auch wenn sie dann nur mit reduzierter Personenzahl im Inland unterwegs sein dürfen, machen sie zwar Verlust, können aber zumindest ihre Fixkosten wieder decken.“

Von Nicole Schippers

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