Wegen weiträumiger Polizei-Absperrung

Wegen Kagida-Aufmärschen: Händler kämpfen mit Einbußen

Polizei sichert die Demonstrationen jeden Montag mit hunderten Beamten ab: Das große Polizeiaufgebot und die stundenlangen Absperrungen sind zum Nachteil der ansässigen Händler. Fotos: Zgoll

Kassel. Montag für Montag gibt es wegen der Kagida-Aufmärsche weiträumige Polizei-Absperrungen. Für die Händler wird das zum Problem: Die Kunden bleiben weg.

Als sich der Kagida-Demonstrationszug am Montagabend an der Pizzeria „Da Gino“ an der Friedrich-Ebert-Straße vorbeischiebt, ist dort nur ein Tisch besetzt. Dabei ist es 19 Uhr und eine gute Zeit zum Abendessen. Doch um die Sicherheit zu gewährleisten, hat die Polizei ab 17 Uhr Straßensperren errichtet. Der gesamte Bereich zwischen Scheidemann- und Ständeplatz sowie Alter Hauptpost ist abgeriegelt. Passanten werden von den Beamten gefragt, wo sie hinwollen. Viele Händler, die im Umfeld der Demonstrationen ihre Geschäfte betreiben, leiden unter den Sperrungen, die jeweils etwa von 17 bis 21 Uhr dauern.

„Für uns ist das eine Belastung. Die Kunden kommen nicht zu uns“, sagt Stefania Covello von der Pizzeria „Da Gino“. Ärgerlich sei es vor allem deshalb, weil man nun schon seit Wochen von den Sperrungen betroffen sei.

Der Irish Pub, 100 Meter weiter, hatte daher vergangenen Montag seine Gäste über Facebook informiert, dass die Kneipe trotz Demos geöffnet habe. Die Gäste sollten den Polizisten einfach sagen, dass sie zum Irish Pub wollten, dann würden sie durchgelassen, war dort zu lesen.

Roland Käst, Mitarbeiter des Schreibwarenhändlers Büroboss am Ständeplatz, kennt die Probleme auch. Ab 17 Uhr kämen montags kaum Kunden. „Es kommt keiner mehr mit dem Auto zu uns“, sagt Käst. Problematisch sei, dass zuletzt Lieferwagen nicht durchkamen. Daher hätten Bestellungen erst später ausgeliefert werden können.

Leerer Ständeplatz: Wegen der Kagida-Demo und der Gegendemo riegelt die Polizei den Bereich Montagabends ab. Foto: Zgoll

Auch Abdul Waheed schimpft. Er betreibt am Ständeplatz sein Baguette-Geschäft „French Connection“. „Drei Stunden lang kam kein Kunde in den Laden.“

Es gibt aber auch Profiteure der allwöchentlichen Demos. Bei der Bäckerei Thiele am Ständeplatz sowie beim Coffeeshop am Scheidemannplatz hat man jetzt montags viel zu tun. „Viele Polizisten kommen zu uns und holen sich was zu essen oder trinken.“, sagt Thiele-Verkäuferin Denise Schröder.

In anderen Geschäften sieht man die Demonstrationen gelassen. Dazu zählen etwa der Handy-Laden „Jiayu“ und die Buchhandlung Siering an der Friedrich-Ebert-Straße. Da sie ohnehin um 18 Uhr schließen würden, seien die Sperrungen verkraftbar.

Ob es einen Besucherrückgang im Kino Gloria am Ständeplatz gebe, habe man noch nicht analysiert, sagt Frank Thöner. „Aber eine Einschränkung ist es auf jeden Fall.“

Polizeisprecher Torsten Werner hat Verständnis für den Ärger der Geschäftsleute. „Aber wir haben keinen Einfluss auf die Zeit und den Ort der Versammlungen. Zur Gewährleistung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit sind diese unter Umständen beeinträchtigenden Maßnahmen notwendig“, sagt er.

Von Bastian Ludwig

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