Angeklagter schrie im Gericht

Wegen Messerattacke: Kasseler muss zehn Jahre ins Gefängnis

Kassel. Im dritten Anlauf ist ein 53-Jähriger aus Kassel zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er zwei Frauen auf der Straße mit einem Messer schwer verletzt hat.

Am 7. Oktober 2015 hat er zwei Frauen auf dem Heimweg vom Elternabend in Niederzwehren mit dem Messer angegriffen und eine von ihnen fast tödlich verletzt. Jetzt bleibt der 53-Jährige aus Kassel auf unbestimmte Zeit in Haft. Die 5. Strafkammer des Landgerichts erkannte am Donnerstag nicht auf einen minder schweren Fall von versuchtem Totschlag und bestätigte das vom Bundesgerichtshof aufgehobene Urteil der 1. Strafkammer aus dem Vorjahr: zehn Jahre Haft und Sicherungsverwahrung.

Auf der Anklagebank saß ein eher schmaler Mann mit knastblassem Gesicht, der dem Verfahren weitgehend wort- und regungslos folgte. Erst beim Plädoyer von Nebenkläger-Anwalt Bernd Pfläging sprang er auf und schrie: „Du Arschloch, pass auf Du...“

Verurteilter hat mehrere Vorstrafen

Zwischen 1987 und 2010 hat der gebürtige Kasseler – unterbrochen nur durch eine Flucht – praktisch durchgehend in der JVA Kassel gesessen, unter anderem wegen Vergewaltigung, Körperverletzung, Betrug und Diebstahl.

Am Tatabend war ihm das Bier ausgegangen, mit dem Leergut und einem Küchenmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge ging er Nachschub holen. An der Frankfurter Straße/Ecke Silberbornstraße standen zwei Mütter, die sich noch über den gerade beendeten Elternabend in der nahen Realschule unterhielten. Der Angeklagte meinte gehört zu haben, wie sie abfällig über ihn redeten und griff wortlos an.

Der Stich zum Bauch der damals 49-Jährigen blieb in der Handtasche und Geldbörse stecken. Der zweite Stich traf die 34-jährige Melanie Benesch so schwer im Bauch, dass der Darm heraustrat. Die Frau stürzte zu Boden, der Angeklagte warf sich auf sie, durchtrennte mit dem Messer Bein- und Armmuskeln und versuchte, sein Opfer in den Hals zu stechen. Zufällig kam der deutsch-türkische Ringer und Kampfsportler Yasar Atasoy aus Fuldabrück im Auto vorbei. Mit Faust- und Ellenbogenschlägen streckte er den Messerstecher zu Boden und leistete der Frau Erste Hilfe.

Überlebende leidet bis heute unter den Folgen der Tat

„Mein Lebensretter“, sagte Melanie Benesch am Donnerstag über den 23-Jährigen, mit dem sie bis heute befreundet ist. Bis heute aber leidet sie unter den Folgen: die durchtrennten Muskeln sind dauerhaft geschädigt, rennen, radfahren, stehen, arbeiten – alles ist nur noch eingeschränkt möglich. Hinzu kommt die Angst, die nicht weichen will und ihr Leben und das ihrer Familie und Freunde prägt.

In drei Verhandungen wurde die grausame Tat immer wieder ins Bewusstsein gerückt. Melanie Benesch: „Ich habe ja auch noch ein normales Leben, das ich führen will.“ Dem Angeklagten wünsche sie inzwischen nicht einmal mehr, dass es ihm im Knast schlecht geht. Sie hat nur einen Wunsch: „Er muss für immer weggesperrt bleiben.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Uwe Zucchi

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