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Land fordert mehr Solaranlagen auf Denkmälern: Für Kasseler kommt neue Richtline zu spät

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Von: Bastian Ludwig

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Für ihn kommt die Richtlinie zu spät: Holger Koch wollte 2021 auf seinem denkmalgeschützten Haus (rechts) an der Theodor-Fliedner-Straße eine Solaranlage errichten. Der Denkmalschutz äußerte sich ablehnend. Archivfoto: Bastian Ludwig
Für ihn kommt die Richtlinie zu spät: Holger Koch wollte 2021 auf seinem denkmalgeschützten Haus (rechts) an der Theodor-Fliedner-Straße eine Solaranlage errichten. Der Denkmalschutz äußerte sich ablehnend. Archivfoto: Bastian Ludwig © Archivfoto: Bastian Ludwig

Holger Koch freut und ärgert sich zugleich über eine neue Richtlinie vom Land Hessen. Der Kasseler freut sich, weil das Ministerium für Wissenschaft und Kunst klargestellt hat, dass Solaranlagen auch auf denkmalgeschützten Häusern ab sofort „in der Regel“ von den Denkmalbehörden zu genehmigen sind. Koch ärgert sich aber auch, weil die Klarstellung aus Wiesbaden in seinem Fall zu spät kommt.

Wehlheiden - Koch hatte noch vor einem Jahr versucht, eine PV-Anlage auf seiner Doppelhaushälfte in der Theodor-Fliedner-Straße zu errichten. Doch das gut 120 Jahre alte Gebäude, das Teil der ehemaligen Bedienstetensiedlung der Justizvollzugsanstalt Wehlheiden ist, steht unter Ensembleschutz. Eine entsprechende Anfrage für die Installation einer PV-Anlage hatte die Untere Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Kassel negativ beantwortet. Eine Solaranlage sei „nicht zustimmungsfähig“. Koch konnte dies nicht nachvollziehen. In Zeiten des Klimawandels müsse der Denkmalschutz seine Vorgaben überdenken – zumal schwarze Solarmodule das Erscheinungsbild des Gebäudes marginal beeinflussten.

Der Vorschlag aus dem Rathaus, er könne alternativ auf der benachbarten Garage eine PV-Anlage errichten, die deutlich kleiner ist und zudem oft im Schatten liegt, kam für ihn nicht infrage.

Mit der neuen Richtlinie aus Wiesbaden hätte Koch nun vermutlich bessere Chancen für sein Projekt. Doch das will er nun nicht mehr umsetzen. „Weil sich das Genehmigungsverfahren so in die Länge gezogen hat, sind wir genau in die Materialknappheit und Kostenexplosion hineingerutscht“, so der Eigentümer. Deshalb scheut er vorerst die Investition in die Immobilie.

Die Untere Denkmalbehörde verweist darauf, dass Koch vor einem Jahr nur eine informelle Anfrage gestellt habe. Diese war zwar negativ entschieden worden, aber es habe keinen offiziellen Antrag gegeben. Bei einem Antrag werde nun auf Basis der neuen Richtlinie des Landes entschieden, so eine Sprecherin.

Insgesamt befürworte die Kasseler Denkmalschutzbehörde die Richtlinie. „Die Belange des Klima- und Ressourcenschutzes werden durch die neue Richtlinie deutlich gestärkt, sodass sie in der Abwägung besonders berücksichtigt werden. Das wird es der Unteren Denkmalschutzbehörde erlauben, insgesamt mehr Genehmigungen zu erteilen“, so die Sprecherin. Dennoch werde weiterhin im Einzelfall geprüft. Es könne somit auch Fälle geben, in denen die Installation auch weiterhin untersagt wird.

Dass eine Ablehnung auch bisher nicht die Regel ist, macht die Denkmalbehörde an Zahlen deutlich: 2021 und 2022 seien insgesamt 29 Anträge zur Installation von Solaranlagen auf denkmalgeschützten Häusern eingegangen. „Davon wurden 20 genehmigt, vier versagt und fünf befinden sich in Bearbeitung“, so die Sprecherin. (Bastian Ludwig)

Termin: Gesprächsrunde „Denkmalschutz und Solarenergie“ am 9. November, 17-20 Uhr, in der Neuen Denkerei, Friedrichsstr. 28

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