Ärger in der Christian-Reul-Straße

Anwohner in Wehlheiden kämpfen gegen Schimmel

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In der Wohnung von Robert Mikolajewski zeigt ein Messgerät über 25 Prozent Feuchtigkeit an  – laut Geräteskala kritisch.

Kassel. Seine Tochter will Robert Mikolajewski nicht mehr in seine Wohnung lassen, seine Kisten sind gepackt. „Ich will nur noch raus!"

Das sagt der 41-Jährige, der in seiner Erdgeschosswohnung an der Christian-Reul-Straße gegen Schimmel kämpft - und zwar jedes Jahr, seitdem er im Oktober 2012 eingezogen ist.

Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer: Überall habe er den Pilz schon an den Wänden gehabt. Betroffen seien die Außenwände der Mietwohnung, die aus seiner Sicht schlecht gedämmt sind. Der gelernte Baustoffkaufmann hält ein Messgerät an die Schlafzimmerwand: Im Sockelbereich misst das Gerät 25 Prozent Feuchtigkeit, einen Meter weiter oben zwölf Prozent. Der Sockel ist damit laut Skala des Gerätes sehr feucht - maximal 17 Prozent gelten laut Geräteskala als unkritisch. „Im Winter habe ich dort Temperaturunterschiede von bis zu 15 Grad“, sagt Mikolajewski.

Regelmäßig lüften und heizen, die Wände nicht zustellen - die Regeln habe er befolgt. Der Vermieter, die Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH), habe den Schimmel zunächst mit Chemikalien bekämpft. Als der Schimmel zurückkehrte, habe man die Wohnung neu gedämmt - aus Sicht von Mikolajewski aber nur notdürftig. „Das war viel zu wenig“, meint der gelernte Baustoffkaufmann. Als letzte Maßnahme hatte die GWH einen Gutachter geschickt. Der habe ihm aber „das Wort im Mund umgedreht“, meint Mikolajewski.

In diesem Jahr wurde dann auch noch dreckiges Abwasser aus der Kanalisation in sein Bad hochgedrückt, das aus Mikolajewskis Sicht ebenfalls nur notdürftig beseitigt wurde. Der Klempner empfahl eine intensive Rohrreinigung. Diese Empfehlung leitete Mikolajewski an die GWH weiter - passiert sei seit Juni nichts.

Inzwischen hat der 41-Jährige Rötungen an Knien und Handflächen, er vermutet den Schimmel als Grund. Geschlafen hat er vor dem Auszug nur noch im Wohnzimmer oder bei seiner Familie. „Meine Gesundheit ist mir zu wichtig.“ Gleiches gilt für seine neunjährige Tochter, die jetzt öfter bei der Mutter ist, von der Mikolajewski getrennt lebt.

Mikolajewski hat nicht als einziger in den GWH-Wohnungen Probleme: Ein weiterer Mieter in der Christian-Reul-Straße, der anonym bleiben möchte, klagt ebenfalls über Schimmel in seiner Wohnung. Allgemein sei die GWH zwar bemüht, sagt der Bewohner, aber die Häuser aus den neunziger Jahren haben auch aus seiner Sicht Mängel. Er habe regelmäßig Husten, wenn er sich in seiner Wohnung aufhalte: „Das ist schon komisch.“

Mikolajewski hat inzwischen einen Teil der Miete einbehalten, seine letzte Monatsrate will er nicht zahlen. „Die kriegen von mir nichts mehr.“ Gekündigt hat er unter dem Vorbehalt, dass er die Renovierung nicht zahlen muss.

Das sagt die GWH:

Die Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) beruft sich auf das Gutachten und weist die Anschuldigungen zurück. „Mit den Häusern ist alles in Ordnung“, sagt Christian Wedler (Foto), Geschäftsstellenleiter der GWH in Kassel. Der Experte sehe keine Probleme bei der Gebäudedämmung. Den Schimmel in den Wohnungen sieht Wedler als Einzelfälle: „Das hat man in Mietwohnungen immer mal.“ 7500 Wohnungen vermietet die GWH in Kassel, an der Christian-Reul-Straße sind es rund 60. „Die Wohnungen sind gut gedämmt und müssen eben ordentlich beheizt und belüftet werden“, sagt er. Im konkreten Fall sei man Robert Mikolajewski in der Vergangenheit sogar entgegen gekommen und habe die Wände zusätzlich gedämmt. Auf die Überschwemmungen habe man sofort reagiert und die Leitungen repariert. Das Mietverhältnis endet zum 31. Juli, sofern Einigung über die ausstehenden Zahlungen herrsche.

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