Bundesanstalt für Immobilienaufgaben schaltet sich ein

Belgische Siedlung in Kassel: Gehb macht Leerstand zur Chefsache

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Wird jetzt zur Chefsache gemacht: Dr. Jürgen Gehb, Vorstandssprecher der Bima, will sich jetzt um den Verkauf der Belgischen Siedlung kümmern.    

Kassel. Der frühere Bundestagsabgeordnete und Kassels ehemaliger Bürgermeister Dr. Jürgen Gehb (CDU) ist dafür bekannt, dass er oft Klartext spricht.

Der Vorstandssprecher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) kann aber auch Kritik einstecken. Nachdem die HNA darüber berichtet hatte, dass in der Belgischen Siedlung in Wehlheiden, die der Bima gehört, zwölf der 76 Einfamilienhäuser leer stehen, und die Bima immer noch nicht weiß, was mit dem Areal geschehen soll, hat sich Gehb zu Wort gemeldet. Er halte es selbst „für skandalös und schändlich“, dass es so lange dauere, eine Entscheidung über die Siedlung zu treffen.

Lexikonwissen:
 

Die Belgische Siedlung im Regiowiki

Auch wenn er bei der Bima nicht für den Verkauf zuständig sei, so werde er die Siedlung jetzt „zur Chefsache“ machen und alles daran setzen, dass es bald eine Ausschreibung gibt. „Wir überlegen noch, ob wir sie im Ensemble verkaufen oder ob wir einzelne Häuser auch den Mietern anbieten“, sagt Gehb. Auch wenn die Bima die 76 Häuser verkaufe, bedeute das nicht, dass die Mieter um ihr Zuhause fürchten müssten. „Kauf bricht Miete nicht“, sagt Gehb. Er habe auch schon mit einem Interessenten Kontakt gehabt.

Dabei handelt es sich um den Kasseler Investor Gotthard Fels, Geschäftsführer der GFI Immobilien GmbH. Fels hat schon zahlreiche Projekte in Kassel entwickelt wie das Karlshospital und das Untersuchungsgefängnis Elwe. Er macht keinen Hehl daraus, dass er die Belgische Siedlung kaufen möchte. Und das schon seit Jahren. Vor fünf Jahren habe er deshalb bei der Bima ein Angebot für die Siedlung abgegeben. Damals habe die Bima noch nicht verkaufen wollen.

Zweieinhalb Jahre später habe er das Angebot wiederholt. Damals sei das aus politischen Gründen der falsche Zeitpunkt gewesen, weil die Bima nur an die gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften GWG oder GWH verkaufen wollte. Auch dieses Geschäft ist aber nicht zustande gekommen. Fels versteht die Angst vieler Mieter, dass sie nach einem Verkauf die Miete nicht mehr zahlen können. Wenn ein Investor zehn Millionen Euro in die Siedlung investieren würde, könne es natürlich geschehen, dass die Mieten plötzlich von 450 auf 850 Euro steigen.

Um das zu verhindern, müsste die Bima gemeinsam mit der Stadt die Rahmenbedingungen für den Verkauf entsprechend gestalten und Regeln aufstellen, wie der künftige Eigentümer mit den Mietern umgeht, sagt Fels.

Wenn er die Siedlung erwerben könnte, hätte er auch nichts dagegen, wenn einzelne Mieter ihre Häuser kaufen würden. Im Vorfeld müsste nur über die Strukturierungskosten gesprochen werden. Denn ein Problem bei der Siedlung sei, dass alle Versorgungsleitungen durch ein Grundstück laufen. Es gebe für die Häuser auch keine einzelnen Grundbuchblätter, und die Belgische Straße gehöre zu den Grundstücken dazu. Da müsse einiges geregelt werden.

Er wisse, dass „heute und morgen kein Geld mit der Siedlung zu verdienen“ sei, sagt Fels. Er sehe sie aber als sehr interessantes langfristiges Investment mitten in der Stadt.

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