Bundesanstalt will verkaufen

Belgische Siedlung: Stadt will die Häuser nicht

Sie sollen in diesem Jahr noch verkauft werden: Die Bundesanstalt für Immobiliebaufgaben will sich von der Belgischen Siedlung in Wehlheiden trennen. Archivfotos:  nh

Seit Jahren kündigt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) an, die Belgische Siedlung in Wehlheiden mit ihren 76 Häusern verkaufen zu wollen. Interessenten gäbe es.

Seit Jahren bangen die Mieter, dass ein Immobilienhai die Häuser erwerben und die Siedlung zerschlagen könnte. Die Bima halte nach wie vor an dem Plan fest, die Siedlung in diesem Jahr zu verkaufen, erklärte Sprecher Thorsten Grützner diese Woche auf Anfrage der HNA. Man werde zunächst auf die Stadt Kassel zugehen und ihr die Immobilie zum Kauf anbieten. Möglich wäre auch der unmittelbare Erwerb der Liegenschaft durch eine Wohnbaugesellschaft. Diese müsse aber mehrheitlich von der Stadt Kassel oder dem Land Hessen getragen sein. Sollte ein solcher Direktverkauf nicht zustande kommen, werde die Bima die Liegenschaft auf dem offenen Immobilienmarkt anbieten, sagt Grützner.

„Die Stadt Kassel wird die Belgische Siedlung nicht erwerben. Wir werden die sozialverträgliche Veräußerung der Siedlung aber weiterhin moderierend begleiten“, teilte Sprecher Sascha Stiebing mit. Damit fällt auch die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel als Käufer aus.

GWH hat Interesse

Die GWH Wohnungsbaugesellschaft hat indes nach wie vor Interesse, die Belgische Siedlung zu erwerben, sagt Bereichsleiter Christian Wedler. „Wir würden uns sehr über ein konkretes Angebot der Bima freuen, aber es liegt uns keins vor.“ Es sei allen bewusst, dass man nach einem Kauf auch noch viel Geld in die Sanierung der Siedlung investieren müsse, „aber wir können das“, sagt Wedler.

Der Kauf durch die GWH würde auch im Sinn der Mieter liegen, so Dr. Johannes Werner, Vorsitzender des Mietervereins. Der wurde im Jahr 2013 gegründet, um die Interessen der Mieter zu wahren.

Werner hat aber Zweifel, ob die GWH dazu berechtigt wäre, die Siedlung ohne vorherige Ausschreibung zu kaufen. Das Vorkaufsrecht, das die Stadt Kassel hat, würde nur eine Wohnungsbaugesellschaft genießen, die mehrheitlich dem Land Hessen gehört. Die GWH, eine Tochter der Hessischen Landesbank (Helaba), erfülle diese Voraussetzungen nicht. Diese Antwort bekam Werner zumindest im Juni aus dem Bundesfinanzministerium.

Es gibt allerdings auch anderslautende Auffassungen: Da die Helaba wiederum eine Tochter des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringens ist, gehöre sie ebenfalls der öffentlichen Hand.

So lange noch nicht geklärt ist, ob die GWH die Siedlung kaufen kann, bleibt die Furcht bei den Mietern, dass ein privater Investor zuschlägt und viele alte Mieter sich das Wohnen dort nicht mehr leisten könnten. Das ist nicht im Sinn des Ortsbeirats. Es sei wichtig, diesen „preisgünstigen Wohnraum“ in öffentlicher Hand zu halten, sagt Ortsvorsteher Norbert Sprafke.

Laut Mietervereinsvorsitzendem Werner zahlen die Mieter derzeit rund fünf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.

Mehr zum Thema finden Sie im Regiowiki.

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