Tischbeinstraße in Wehlheiden

Blindenhund Ike fraß Rattengift: Köder auf Spielplatz ausgelegt?

Ike hat sich von der Vergiftung erholt: Friederike Heß ist glücklich, dass ihr Blindenhund alles so gut überstanden hat. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. Blindenhund Ike ist vergangene Woche beinahe an Rattengift gestorben. "Die Tierärzte sagen, Ike hat großes Glück gehabt, weil er noch so jung und gesund ist", sagt Friederike Heß, die über die Vergiftung sehr verzweifelt ist. Sie ist im Alltag auf die Hilfe ihres Labradors angewiesen.

Seit sieben Jahren leidet Friederike Heß an einer Makuladegeneration. Bei dieser Sehbehinderung ist die Netzhaut beschädigt. Die 67-Jährige Frau kann immer schlechter sehen. Es ist durchaus möglich, dass sie aufgrund ihrer Krankheit völlig erblindet. Im September hat sie sich deshalb den ausgebildeten Blindenhund angeschafft.

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Wenn Friederike Heß mit dem Labrador rausgeht, dann führt sie ihn immer kurz an der Leine. Vergangene Woche Montag war sie mit Ike auf dem Spielplatz hinter ihrem Haus an der Gräfestraße/Tischbeinstraße in Wehlheiden. Plötzlich habe sie bemerkt, dass Ike etwas im Mund hat. Das Frauchen nahm dem Hund den Gegenstand aus den Mund und wunderte sich. "Das war eine Apfelscheibe, wie man sie für Weihnachtsdekoration verwendet. Allerdings war der Apfel nicht braun, sondern weiß", sagt Heß, die Farben noch erkennen kann. Die Frau warf die Apfelscheibe in den Müll.

Typische Zeichen für Vergiftung

Drei Tage später wurde Ike krank. Sein Frauchen berichtet von Blut in den Exkrementen und dem Erbrochenen. Sie verständigte sofort Tierärztin Liana Klein, die den Hund in die Tierklinik nach Harleshausen überwies. Dort bekam er Infusionen und wurde geröntgt.

Dort habe sich bei einer Blutuntersuchung auch ihr Verdacht bestätigt, dass Ike Rattengift gefressen hat, sagt Liana Klein. Blutiger Durchfall und Erbrochenes sowie Untertemperatur seien typische Zeichen für diese Vergiftung.

Friederike Heß, die bei der Polizei Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet hat, glaubt nicht, dass jemand gezielt ihren Hund vergiften wollte. Sie habe gehört, dass die Stadt Köder mit Rattengift in Wehlheiden auslege, um die Waschbären zu bekämpfen.

Das weist Ingo Happel-Emrich, Sprecher der Stadt, zurück. Das Ordnungsamt lege kein Rattengift aus, um Waschbären zu bekämpfen. Waschbären seien wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen und die im rechtlichen Sinn keine Schädlinge seien. Die Stadt rufe seit mehr als 30 Jahren allerdings in jedem Frühjahr Hausbesitzer dazu auf, Ratten auf ihren Grundstücken zu bekämpfen.

Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch habe man das Umfeld nach GIftködern abgesucht und nichts gefunden. Die Tierklinik habe der Polizei mitgeteilt, dass man eine Vergiftung nicht ausschließen könne. Da der Hund aber wieder so schnell fit gewesen sei, könne er auch einen schweren Magen-Darm-Infekt gehabt haben.

Friederike Heß ist indes froh, dass sich ihr Hund erholt hat. Ansonsten wäre das Weihnachtsfest für die 67-jährige Frau aus Wehlheiden sehr traurig geworden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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