Untergrund nach Blindgängern durchleuchtet

Bombensuche in eisiger Kälte: Georg-Stock-Platz in Kassel unter Strom

Auf der Suche nach Blindgängern im Erdreich: Geophysikerin Grit Jahn (links) war mit ihren Kollegen gestern mehrere Stunden auf dem Georg-Stock-Platz unterwegs. Fotos:  Malmus

Kassel. Auf dem Georg-Stock-Platz in Wehlheiden wurde am Dienstag der Untergrund nach Blindgängern durchleuchtet - trotz der eisigen Kälte.

Die Apparatur erinnert ein wenig an Daniel Düsentrieb. Geophysikerin Grit Jahn trägt am Dienstagvormittag ein Messgerät auf dem Rücken und zusammen mit ihren beiden Kollegen eine Konstruktion aus Glasfaserrohren. Damit läuft das Trio bei eisiger Kälte immer wieder über den Georg-Stock-Platz in Wehlheiden. Mindestens 30 Mal hin und her. Die Geophysikerin und ihre Kollegen arbeiten für SeaTerra, eine Spezialfirma für Kampfmittel-Dienstleistungen, die ihren Hauptsitz in Wandlitz (Brandenburg) hat.

Mit einem elektromagnetischen Verfahren sondieren die drei den seit vier Jahren gesperrten Georg-Stock-Platz. Es gibt Vermutungen, dass dort im Erdreich Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Bei einer ersten Untersuchung auf Bomben waren im Jahr 2014 mehr als 30 Verdachtspunkte festgestellt worden, sagt Uwe Böhm, Abteilungsleiter im Liegenschaftsamt der Stadt.

Eine weitere Untersuchung des Platzes sei erforderlich gewesen, weil es Vorschrift sei, bis zu fünf Meter in der Tiefe nach Blindgängern zu forschen. Und das könne SeaTerra mit einem Verfahren, bei dem sogenannte Großschleifen-Detektoren eingesetzt werden. „Unsere Geräte sehen immer zusammengestückelt aus“, sagt Grit Jahn. „Das liegt daran, dass sie transportierbar und leicht sein müssen.“ Die Konstruktion aus Glasfaserrohren, die sie und ihre Kollegen über den Platz tragen, wiege um die zehn Kilogramm. Daran befindet sich eine Sendespule, „die Strom in den Untergrund pulst“, erklärt die Geophysikerin. Treffe dieser auf metallische Körper, würden Magnetfelder erzeugt, die wiederum von den Empfangsspulen aufgezeichnet würden.

Nach zwei Stunden stand am Dienstag fest, dass sich viele Anomalien in den Tiefen des Areals befinden. „Das ist eine schwierige Fläche, weil der Untergrund stark belastet ist. Besonders im hinteren Bereich sind große Störungen, wie unsere Aufzeichnungen zeigen“, sagt Grit Jahn.

Jetzt dauere es etwa zwei Wochen, bis diese ausgewertet seien und der Stadt Kassel zur Verfügung gestellt werden. Die Stellen, an denen Verdachtspunkte festgestellt werden, müssen dann aufgegraben werden. Ob dort dann tatsächlich gefährliche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg oder nur harmlose Badewannen und verrostete Fahrräder liegen, kann bislang freilich noch niemand prophezeien.

Schauten bei den Arbeiten auf den Stock-Platz zu: (von links) Achim Tripsel (Bürgerräume Wehlheiden) und Klaus Hansmann, Mitglied des Ortsbeirats.

Klaus Hansmann, Mitglied des Ortsbeirats Wehlheiden, ist sich hingegen sicher, dass im Erdreich keine Sprengbomben schlummern. Das wisse er, weil er die Luftbilder aus dem Krieg sehr genau ausgewertet habe. Nachdem Hansmann von der Sondierung am Morgen aus dem Radio erfahren hatte, begab er sich zum Georg-Stock-Platz. Für ihn sei es unerklärlich, dass es solange gedauert habe, bis die Fläche jetzt zum zweiten Mal untersucht werden konnte. Für Wehlheiden sei der Platz sehr wichtig. Schließlich hätten hier immer der Flohmarkt und die Kirmes stattgefunden. Zudem könnte seit der Sperrung des Platzes die Müllanlage im Erdreich nicht mehr genutzt werden.

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