Ortsbeiratsmitglied Hörmann: War Stadt lange bekannt

Bombenverdachtsfälle auf Georg-Stock-Platz: „Schlimmes Versäumnis“

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Debatte auf dem Georg-Stock-Platz: Ortsbeiratsmitglied Jan Hörmann (CDU) sprach gestern mit Gabriele Wendt und Peter Schenk über mögliche Blindgänger im Erdreich.

Wehlheiden. Gabriele Schenk aus Wehlheiden hat auch weiterhin keine Angst, mit ihrem Hund über den Georg-Stock-Platz zu gehen. Allerdings war die Frau schon sehr erstaunt, als sie erfuhr, dass der Platz ab sofort gesperrt ist. Aus Sicherheitsgründen: Im Erdreich könnten nämlich nicht detonierte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg liegen.

Deshalb hat die Stadt auch entschieden, dass der Platz jetzt auf Blindgänger untersucht wird und die Wehlheider Kirmes deshalb in diesem Jahr nicht darauf gefeiert werden darf.

Nach Ansicht von Ortsbeiratsmitglied Jan Hörmann (CDU) hätte der Platz bereits viel früher auf Blindgänger untersucht werden müssen. Er wirft den Verantwortlichen im Rathaus „ein schlimmes Versäumnis“ vor. Denn dort müsse schon lange bekannt gewesen sein, dass dort gefährliche Blindgänger zwischen Trümmern von zerstörten Häusern schlummern könnten.

Hörmann berichtet, dass der Ortsbeirat im Herbst 2013 in einer Sitzung darüber gesprochen habe, eine Treppe vom Stock-Platz zur Kohlenstraße anzulegen. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamts habe daraufhin mitgeteilt, dies sei nicht möglich, weil Erdarbeiten in diesem Bereich zu gefährlich seien. Der Platz sei nämlich noch nie auf Blindgänger untersucht worden. Nach dieser Auskunft habe der Ortsbeirat umgehend beschlossen, dass der Magistrat sich dieses Problems annehmen soll, sagt Hörmann.

Bomben auf Wehlheiden: So sah es nach einem Angriff im Jahr 1943 unweit des Georg-Stock-Platzes an der Schönfelder Straße 17/ Einmündung Ziegelstraße aus.

Anfang dieses Jahres habe man dann von der Stadt die Auskunft bekommen, dass es auf dem Stock-Platz keine Probleme mit Bombenverdachtsfällen gebe, sagt Hörmann. Schließlich seien überall in der Stadt Bomben abgeworfen worden. Diese „verantwortungslose Antwort“ habe das Stadtteilgremium nicht hingenommen. Man habe erneut beantragt, dass der Platz untersucht werden soll.

Hörmann wundert sich, dass die Stadt erst jetzt, ein dreiviertel Jahr nach der ersten Debatte über die Blindgänger, reagiert habe. „Das hätte schon längst alles durch sein können.“ Allerdings ist der Christdemokrat froh, dass der Platz nun überhaupt untersucht werden soll. Schließlich könne jederzeit ein Blindgänger hochgehen. Auch ohne Erschütterung.

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Das bestätigt Gerhard Gossens vom Kampfmittelräumdienst, der beim Regierungspräsidium Darmstadt angesiedelt ist. „Es gibt Bombenblindgänger, die von allein explodieren.“ Da es auf dem Stock-Platz einen Verdacht auf diese gebe, sei die Untersuchung sinnvoll. Allerdings sei noch nicht sicher, ob dafür der Boden aufgemacht werden müsse, sagt Gossens. Es gebe verschiedene geophysikalische Detektionsmethoden, bei denen eine Öffnung nicht erforderlich sei.

Wehlheidens Ortsvorsteher Norbert Sprafke ist am wichtigsten, dass der Georg-Stock-Platz auch nach Abschluss der Bombensuche von der Öffentlichkeit genutzt werden kann. In Wehlheiden besteht seit Jahren nämlich die Angst, dass die Stadt dieses Filetstück verkaufen könnte.

Das sagt die Stadt: 150.000 Euro Kosten

Bei der Stadt geht man derzeit davon aus, dass bei der Kampfmittelsondierung Schicht für Schicht des 3000 Quadratmeter großen Platzes abgetragen werden muss. Bis zu den Kellern der ehemaligen Häuser und noch einmal vier Meter tiefer, sagt Sprecher Ingo Happel-Emrich.

Diese Untersuchung werde die Stadt voraussichtlich 150.000 Euro kosten. Da mit dieser Summe der Schwellenwert für eine Ausschreibung überschritten werde, müsse der Auftrag ausgeschrieben werden. Bis zu einer Vergabe würden Monate vergehen, sagt Happel-Emrich.

Der Georg-Stock-Platz war vor dem Zweiten Weltkrieg bebaut. Luftbilder zeigen, dass die dortigen Häuser bei Bombenangriffen getroffen worden waren. Nach dem Krieg wurden die Häuser abgerissen und der Platz mit Trümmerschutt aufgefüllt. (use)

In der gedruckten Ausgabe am Freitag lesen Sie außerdem: "Luftkriegexperte: Zeitzünder funktionieren noch".

Radio HNA: Ingo Happel-Emrich, Pressesprecher der Stadt, zum Georg-Stock-Platz

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