Platzierungen sind teils umstritten

Ludwig-Mond-Straße in Kassel ist voll mit Wahlplakaten

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Sie sind einfach nicht zu übersehen: Dutzende Wahlplakate hängen in der Ludwig-Mond-Straße, viele davon zeigen beispielsweise die Gesichter der Kandidaten für die kommende Bundestagswahl.

Kassel. Bald ist Bundestagswahl. In der verbleibenden Zeit versuchen alle Parteien, Wähler für sich zu gewinnen. Besonders deutlich wird das in der Ludwig-Mond-Straße in Kassel.

Hier hängen allein an den Bäumen und Laternen auf dem Grünstreifen in der Mitte der Straße 151 Wahlplakate. 

Autofahrer, die die 1,2 Kilometer entlangfahren, sehen Slogans, Fotos von den Spitzenkandidaten und teilweise auch mit Graffiti besprühte oder beschädigte Plakate. 

Ob Wahlplakate die Meinung von Wählern beeinflussen, ist laut Professor Andreas Mann von der Universität Kassel schlecht messbar. Mann ist Professor für Dialog Marketing Competence Center im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. 

Dass 151 Wahlplakate an nur 43 Bäumen, Laternen und Pfählen Platz finden, hängt damit zusammen, dass immer zwei oder drei Plakate von einer Partei um eine Säule gebunden oder im Dreieck um sie herum aufgebaut sind. So können sie von jeder Fahrbahn aus gesehen werden. Oft kommt es auch vor, dass mehrere Plakate unterschiedlicher Parteien übereinander hängen. 

Das größte Plakat an den 1,2 Kilometern Straße ist ein Aufsteller, der auf beiden Seiten ein Porträt von Angela Merkel zeigt. 

Keine Wahlplakate an Beuys-Bäumen

Dass überhaupt Wahlplakate um die Bäume platziert werden, hat bei den vergangenen Wahlkämpfen immer wieder für Diskussionen gesorgt. Der Grund: Ein Großteil der Bäume auf dem Mittelstreifen sind Teil des documenta-Kunstwerks 7000 Eichen von Joseph Beuys. Die Bäume wurden zwischen den beiden documenta-Ausstellungen 7 (1982) und 8 (1987) gepflanzt. Zu erkennen sind sie an den Basaltsteinen, die vor jedem Baum stehen. Es ist untersagt, Wahlplakate direkt an einem Beuys-Baum anzubringen. Erlaubt ist es aber, sie um die Bäume herumzustellen, was an der Ludwig-Mond-Straße häufig zu sehen ist. 

Die Stiftung 7000 Eichen hingegen möchte, dass die Bäume komplett von Plakaten freigehalten werden. In der Vergangenheit hatten sich auch die FDP und die SPD für eine parteiübergreifende Regelung ausgesprochen, die das Plakatieren verbietet. Die CDU war jedoch dagegen.

Wahlplakate beschädigen ist strafbar

Einige der vielen Wahlplakate sind bereits halb abgefallen oder zerknickt, doch auch durchgestrichene Slogans oder Graffiti auf dem Gesicht des Bundestagskandidaten Timon Gremmels sind auf einigen Plakaten auf dem Mittelstreifen der Ludwig-Mond-Straße zu sehen. Solche Zerstörungen gelten als Sachbeschädigung, das Strafmaß liegt hier bei einer Haftstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe. 

Laut Torsten Werner von der Kasseler Polizei seien bisher vor allem Plakate zur Bundestagswahl 2017 von linken oder rechten Parteien betroffen gewesen, im derzeitigen Wahlkampf gebe es aber keine Auffälligkeiten. Insgesamt seien in Nordhessen rund ein Dutzend Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung von Wahlplakaten eingegangen, vier davon im Stadtgebiet Kassel. 

Die letzte Strafanzeige richtet sich Werner zufolge gegen einen 62 Jahre alten Mann aus Kassel, der am Dienstag zwei Plakate im Bereich der Friedrich-Ebert-Straße herunterriss. Solche Fälle werden aber seltener, sagt Werner. Die Zahl der Sachbeschädigungen sei im Gegensatz zu bisherigen Wahlen gesunken.

Plakate mit drei Wörtern bleiben besser in Erinnerung 

Wähler, die sich schon entschieden haben, wo sie am 24. September ihre Kreuze zur Bundestagswahl 2017 setzen, werden sich durch Plakate nicht umstimmen lassen, sagt Andreas Mann, Professor für Marketing an der Universität Kassel. Unentschlossene Menschen hingegen könnten beeinflusst werden, was am sogenannten Mere-Exposure-Effekt liege. „Durch die häufige Darstellung der Inhalte speichern die Menschen diese ab und erinnern sich auch später daran“, so Andreas Mann. Dadurch könnten auch Sympathien für Kandidaten entstehen. Selbst Autofahrer, die die Plakate nur sehr kurz im Vorbeifahren sehen, speichern die Informationen ab – und das auch verstärkt, je öfter sie sie wahrnehmen. 

151 Plakate alleine auf einem Grünstreifen seien dann aber doch zu viel: „Dann nimmt der Effekt ab, da man überlastet ist“, erklärt der Professor. Trotzdem gilt: Wer zuerst auffällt, bleibt am besten in Erinnerung. 

Besonders gut wirken laut Mann Bilder in Kombination mit maximal drei Wörtern. Der Slogan „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ der CDU sei damit viel zu lang. Bilder hingegen würden sehr schnell wahrgenommen werden, wobei es wichtig sei, dass die abgebildete Person gut erkennbar ist und authentisch wirkt.

Von Elisa Brinkhoff und Ann-Cathrin Bernhardt

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