Hauseigentümer will Fotovoltaik-Anlage installieren – Denkmalamt winkt ab

Wenn der Denkmalschutz Solaranlagen behindert

Er würde gerne eine Solaranlage auf seiner Haushälfte (rechts) installieren: Holger Koch wohnt in der Siedlung an der Justizvollzugsanstalt Wehlheiden, wo einst die JVA-Bediensteten lebten.
+
Er würde gerne eine Solaranlage auf seiner Haushälfte (rechts) installieren: Holger Koch wohnt in der Siedlung an der Justizvollzugsanstalt Wehlheiden, wo einst die JVA-Bediensteten lebten.

Holger Koch würde gerne seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Weil der Kasseler plant, das Dachgeschoss seines Hauses auszubauen, möchte er in dem Zuge eine Fotovoltaikanlage installieren lassen. Doch der Denkmalschutz hat Vorbehalte, weil das Haus zu einem denkmalgeschützten Ensemble gehört.

Kassel - Koch kann dies nicht verstehen. In Zeiten des Klimawandels müsse der Denkmalschutz seine Vorgaben überdenken, findet er. Vor fünf Jahre hatte Koch eine Doppelhaushälfte in der Theodor-Fliedner-Straße gekauft. Das 1900 errichtete Gebäude ist Teil der ehemaligen Bedienstetensiedlung, in der einst die Beamten der benachbarten Justizvollzugsanstalt Wehlheiden lebten. Ein Großteil der Gebäude wurde bereits aufwendig und denkmalgerecht saniert. Einige Nachbarn haben die Gebäude bereits um verglaste Gauben und Balkone ergänzt. Insofern steht dem Dachausbau, wo Koch eine separate Wohnung einrichten will, wohl nichts im Wege. Bei seinen Solarplänen ist dies anders.

Denn laut hessischem Denkmalschutzgesetz unterliegen Solaranlagen auf denkmalgeschützten Häusern der Genehmigungspflicht. Bei einer Bauvoranfrage teilte der Kasseler Denkmalschutz dem Bauherrn mit, dass eine Solaranlage „nicht zustimmungsfähig“ sei. Er könne diese alternativ auf der benachbarten Garage errichten.

Weil das Garagendach deutlich kleiner ist und zudem viele Stunden am Tag durch das Nachbargebäude verschattet wird, macht eine Installation für Koch dort keinen Sinn. Außerdem habe er sich durch den ohnehin vorgesehenen Ausbau des Hauptdaches einen Synergieeffekt versprochen.

Für Koch ist die Haltung auch deshalb nicht nachvollziehbar, weil die Dachflächen wegen der geringen Neigung von der Straße kaum wahrnehmbar sind. Lediglich vom gegenüberliegenden Bürgersteig haben Passanten einen Blick darauf. „Ich verstehe, dass der Denkmalschutz den Charakter des Ensembles erhalten will. Aber eine Solaranlage würde dem nicht im Wege stehen. Es gibt heutzutage schwarze Module, die kaum auffallen“, sagt Koch. Zumindest für die gartenseitige Dachseite müsse eine Installation doch möglich sein.

Bei seinen Nachbarn war der Anbau von Balkonen und der Bau verglaster Gauben erlaubt worden, weil diese die Kubatur der Gebäude nicht veränderten und erkennbar sei, dass sie nicht Teil der historischen Substanz sind. Gleiches gelte auch für Solaranlagen, findet Koch. Er verweist auf Planungen der Bundesregierung, nach der es möglicherweise ab 2023 eine Solarpflicht für Neubauen und bei Dachsanierungen geben soll.

Die Denkmalschutzbehörde weist die Vorwürfe zurück. Man habe Koch Alternativen aufgezeigt, die auch durch die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger vorgeschlagen werden. So könne er die Anlage auf der Garage errichten oder sich mit anderen Eigentümern der Siedlung zusammentun, um sich an anderer Stelle an der Finanzierung einer Gemeinschaftsanlage zu beteiligen.

Zudem sei die gewünschte Anlage noch nicht abgelehnt worden, weil noch kein Bauantrag vorliege. Es habe nur eine Vorberatung stattgefunden. „Grundsätzlich befürwortet die Stadt die Installation von PV-Anlagen, sofern sie gestalterisch mit den Belangen des Denkmalschutzes vereinbar sind“, so ein Sprecher. In dem Fall könne eine individuelle PV-Anlage aber das „gleichförmige Erscheinungsbild“ der Siedlung stören. Auch das gartenseitige Dach sei aus einer dahinter liegenden Straße zu sehen. (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.