Generationenwechsel zum Jahreswechsel

Christiane Raatz und Evamarie Köster übergeben ihre Praxis in Kassel an Kollegin Mariam Sobat

Zeit für Veränderungen: Die Ergotherapeutinnen Christiane Raatz (links) und Evamarie Köster (rechts) vertrauen ihre Praxis im Gesundheitszentrum Wilhelmshöher Allee nach 35 Jahren Mariam Sobat an.
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Zeit für Veränderungen: Die Ergotherapeutinnen Christiane Raatz (links) und Evamarie Köster (rechts) vertrauen ihre Praxis im Gesundheitszentrum Wilhelmshöher Allee nach 35 Jahren Mariam Sobat an.

Generationenwechsel zum Jahreswechsel: Die beiden Ergotherapeutinnen Christiane Raatz und Evamarie Köster haben ihre Praxis an ihre Teamkollegin Mariam Sobat übergeben.

Kassel – Ein Unfall oder ein Schlaganfall beeinträchtigen Betroffene noch lange Zeit danach. In der Ergotherapie lernen sie, wieder im Alltag zurechtzukommen. Um Patienten wie diese kümmert sich seit 35 Jahren die Praxis für Ergotherapie im Gesundheitszentrum Wilhelmshöher Allee. Christiane Raatz (63) hat sie 1986 gegründet. Zwölf Jahre war ihre ehemalige Mitarbeiterin Evamarie Köster (61) als Partnerin mit im Boot.

Christiane Raatz freut sich auf den Ruhestand – auf Zeit mit der Familie oder ihre Aufgabe als Organistin. Sie blickt gerne auf 35 Jahre in ihrem Traumberuf zurück: 1986 sei die Ergotherapie noch unbekannt gewesen, vor allem für Erwachsene. Ihre Praxis, damals noch am Wilhelmshöher Bahnhof, war die erste in Kassel, die sich auch der Erwachsenentherapie widmete. Gestartet sei sie alleine – „mit einer Behandlung pro Woche.“ Heute gehören 17 Therapeuten zum Team.

Die Initialzündung zur Gründung erhielt Raatz während ihrer Zeit in einer geriatrischen Klinik. Sie stellte immer wieder fest, dass die dort erzielten Fortschritte ohne weitere ambulante Egotherapie zum Stillstand kamen. Es sei maßgebend für den nachhaltigen Erfolg, auch danach therapeutisch zu arbeiten –maßgeschneidert: „Was ist Patienten wichtig und was möchten sie für ihren Alltag erreichen“, formuliert Raatz die grundlegenden Fragen, um individuelle Therapieziele festzulegen.

Die intensive Arbeit mit den Patienten schätzt auch Evamarie Köster. Ihr Credo: „Gemeinsam schauen, wie der Alltag für sie verbessert und wie Zufriedenheit erreicht werden kann.“ Für den Erfolg spielen ihrer Ansicht nach einige Aspekte eine Rolle – etwa die Ressourcen der Patienten zu nutzen. Und da ihr Alltag im Fokus stehe, sei auch die Therapie zu Hause wichtiges Element. Ebenso die Einbindung der Familien. Das Tandem aus Patienten und Angehörigen, Eltern und Kind etwa, sei wichtig.

Kösters Abschied ist noch keiner für immer, denn als Therapeutin bleibt sie der Praxis treu. Das Mehr an freier Zeit wird sie der Familie und ihrer Geige widmen. Ihren Beruf betrachtet sie nach wie vor als Erfüllung, der viel Einsatz und Kreativität brauche – um motorische, kognitive, psychische oder soziale Fähigkeiten von Patienten, etwa mit Demenz oder Parkinson, zu fördern. Bewegung oder Konzentrationsübungen gehörten genauso dazu, wie Gespräche und Gestalten, Backen und Basteln.

Alles mit einem Ziel: „Menschen größtmögliche Selbstständigkeit geben. Ganz gleich, ob sie körperlich oder psychisch beeinträchtigt sind“, sagt Mariam Sobat. Die 27-jährige Ergotherapeutin hat ihre Ausbildung an den Dr. Rohrbach Schulen in Kassel gemacht. Neben ihrer Arbeit bei Christiane Raatz und Evamarie Köster hat sie 2019 auch eine eigene Praxis an der Wilhelmshöher Allee 13 eröffnet, die künftig eine Zweigstelle sein wird. Aufgeben möchte Sobat die Räume nicht: „Es steckt viel Herzblut drin.“ Und gerade in Zeiten von Corona böten zusätzliche Räume die Möglichkeit einer Entzerrung.

Mariam Sobat freut sich auf die Zusammenarbeit im großen Team, das durch Spezialisierungen ein breites Therapieangebot mache. Wie wichtig das ist, zeigt das Spektrum der Patienten in der Praxis: Kinder mit Entwicklungsverzögerungen gehören ebenso dazu, wie Patienten, die nach einer Amputation mit einer Prothese leben lernen oder Menschen, die ihren Alltag mit Autismus meistern. Sobat erzählt, dass sie viel und gerne mit Kindern arbeite. Dafür hat sie sich fortgebildet. Und sie steht kurz vor dem Abschluss zur Heilpraktikerin für Psychotherapie. (Helga Kristina Kothe)

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