Karsten Diehls und Carsten Diels betreiben Praxisgemeinschaft

Diehls & Diels: Der doppelte Doktor am Wehlheider Platz

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Auch privat gut befreundet: Die Mediziner Carsten Diels (64, links) und Karsten Diehls (48) betreiben eine Praxisgemeinschaft am Wehlheider Platz.

Wer vor dem Ärztehaus am Wehlheider Platz steht, reibt sich die Augen. Dort betreiben zwei Ärzte mit fast identischen Namen eine Praxisgemeinschaft: Carsten Diels (64) und Karsten Diehls (48).

„Ich bin der Diehls mit h, der Hübschere, ganz einfach zu merken“, erklärt Karsten Diehls grinsend. Bevor die beiden Mediziner 2007 gemeinsam in die Räume am Wehlheider Platz gezogen sind, hatten die beiden Familienväter getrennte Praxen in räumlicher Nähe.

„Ich hatte lange Jahre meine Praxis an der Germaniastraße und Karsten übernahm dann irgendwann die Praxis seines Vaters an der Wilhelmshöher Allee / Ecke Schönfelder Straße“, erklärt der ältere der beiden Mediziner, dessen Großvater einst den Nobelpreis für Chemie erhielt. Man habe sich aufgrund der nachbarschaftlichen Nähe gekannt oder eben, weil mal wieder ein Patient in der falschen Praxis gelandet sei.

„Persönlich kennengelernt haben wir uns dann aufgrund eines etwas unglücklichen Zufalls“, sagt Diehls. Ein Arztbrief mit seinen persönlichen Befunden sei versehentlich dem Kollegen zugestellt worden. Der habe sich dann bei ihm gemeldet mit den Worten: „Das sieht aber eher nicht so gut aus.“ Das war der Beginn einer sehr guten Freundschaft mit gemeinsamen Unternehmungen und auch Fortbildungen. Aber auch da sei es zu Verwechslungen gekommen: So sei einmal nur ein Einzelzimmer für beide gebucht worden, weil man dachte, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt.

Als dann die Praxisräume am Wehlheider Platz frei wurden, fiel die Entscheidung für die Praxisgemeinschaft. „Wir haben gedacht, dass ist vielleicht die beste Möglichkeit, mit den Missverständnissen aufzuräumen“, sagt Diehls. Aber das habe nur bedingt funktioniert, noch immer merkten einige Patienten erst im Sprechzimmer, dass sie beim falschen Die(h)ls sitzen.

In manchen Dingen sind sich die beiden Mediziner sehr ähnlich. Beispielsweise lachen sie über die gleichen Witze. Aber es gibt einen gravierenden Unterschied: Der ältere Diels raucht, wofür ihn der Jüngere täglich kritisiert. „Ich sage ihm immer, wie ungesund das doch ist“, sagt Diehls.

In den Praxisräumen gibt es alles doppelt: Zwei Anmeldungen, zwei Labore, nur das Wartezimmer wird gemeinsam genutzt. Auch die Sprechzimmer weisen deutliche Unterschiede auf. Bei Carsten Diels fühlt man sich ein wenig beobachtet. Zahlreiche Elefanten blicken den Patienten entgegen. Eine asiatische Kollegin habe ihm einen Elefanten aus Glas als Glücksbringer geschenkt, der auf seinem Schreibtisch steht. Seitdem würden ihm seine Patienten Elefanten mitbringen. Weil es mittlerweile so viele seien, habe es zwischenzeitlich ein Elefantenverbot gegeben. Da dann aber alle so traurig waren, sei das wieder aufgehoben worden.

„Ich bekomme immer nur essbare Geschenke“, sagt der jüngere Diehls lachend. Er habe vor Jahren zur Adventszeit mal einen Backwettbewerb ausgerufen und seitdem gibt es gerade zu Weihnachten immer jede Menge Plätzchen. Von denen darf dann auch der Diels mal naschen.

Hintergrund: Der Tweet hinter der Geschichte

Ursprung dieser Geschichte war ein Tweet: Eine Kollegin berichtete, zwei Ärzte mit gleichem Namen würden am Wehlheider Platz eine gemeinsame Praxis betreiben. Klang kurios, also warf HNA-Redakteurin Kathrin Meyer selbst einen Blick auf das Praxisschild. Daraufhin stellte sie das Bild beim sozialen Netzwerk Twitter ein und schrieb dazu: „Kannste dir nicht ausdenken: In Kassel betreiben Carsten Diels und Karsten Diehls eine Praxisgemeinschaft.“

Mittlerweile ist der Tweet über 450 Mal favorisiert, das heißt, mit „Gefällt mir“ markiert, und fast 250 Mal weitergeteilt worden. Spekulationen schlossen sich an: Vielleicht haben sich die beiden während des Studiums kennengelernt und sind immer beide aufgesprungen, wenn der Professor den Namen aufgerufen hat. Ob sie sich wohl per Kontaktanzeige gefunden haben? „Namensvetter für Praxisgemeinschaft gesucht!“ Mehrere Medien haben aufgrund des Tweets schon nach einem Termin in der Praxis gefragt, um über die Geschichte der Die(h)ls zu berichten. (kme)

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