34-Jähriger aus Kassel verurteilt

Eineinhalb Jahre Haft für Tankstellenräuber

Kassel. Im Prozess um den Überfall auf eine Tankstellenangestellte im November in Wehlheiden hat das Kasseler Amtsgericht am Dienstag einen 34-jährigen Kasseler wegen Raubes zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass es sich bei dem vermummten Täter, der der Frau damals eine Tasche mit Tageseinnahmen von rund 2500 Euro von der Schulter gerissen hatte, um den Angeklagten handelte.

Als dieses Urteil am Dienstag verkündet wurde, war es schon Abend. Kurz nach 19.30 Uhr. Bereits vor den Plädoyers hatten der Schöffe und die Schöffin auf Beobachter erschöpft gewirkt. Sie hatten seit dem Nachmittag stundenlang ohne Pause verhandelt. Der Richter war seit dem Morgen im Einsatz.

Die Plädoyers zu der Materie, über die sie entscheiden mussten, hatten recht weit auseinandergelegen: Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, den vielfach vorbestraften Angeklagten zu drei Jahren und neun Monaten Haft zu verurteilen.

Diese Dauer sei nötig, um auf einen Mann einzuwirken, der selbst unter Führungsaufsicht stehend noch einen Raub begangen habe. Der Verteidiger hingegen hatte gefordert, den 34-Jährigen freizusprechen - weil man schlicht nicht wisse, wer der Täter war.

Die Geschädigte und etliche Zeugen hatten einen sportlichen, großen Mann in dunkler Kleidung wegrennen sehen. Sein Gesicht hatte niemand erkennen können. Ein Ehepaar berichtete, der Mann habe eine „Sturmhaube“ getragen. Die beiden konnten auch beobachten, in welches Auto er auf der Beifahrerseite stieg.

So war die Polizei dann auf einen Mann gekommen, der gestern die Aussage verweigern durfte, um sich nicht selbst belasten zu müssen. Ein Ermittler berichtete, wie dieser Mann erst andere Geschichten erzählt und schließlich auf den Angeklagten verwiesen habe. In seinem Auto fanden die Polizisten ein Bekleidungsstück, das in den Akten teils „Sturmhaube“, teils „Strumpfmaske“, teils „Schlauchschal“ genannt wird. Ein DNA-Experte des Landeskriminalamtes beschrieb es als Stück einer langen Unterhose, der Verteidiger sprach von „Strumpfgedöns“.

Was auch immer es war und wie es auf den Rücksitz gelangte - der Experte hatte darin DNA gefunden, die „sehr wahrscheinlich“ vom Angeklagten stamme. In dessen Wohnung fand sich auch eine Jacke mit auffälligen Ellenbogen-Flicken, wie sie mehrere Zeugen beschrieben hatten. Der Angeklagte selbst hatte gestern zu den Vorwürfen geschwiegen.

Von Katja Schmidt

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