Erenumab von Novartis

Spritze gegen Migräne in Kassel: DRK-Kliniken erproben neuen Wirkstoff

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Migräne als Volkskrankheit: Inzwischen gibt es eine Spitze gegen die Beschwerden. 

Der Wirkstoff Erenumab seit Ende 2018 auf dem Markt. In der Klinik für Schmerzmedizin, Manuelle Therapie und Naturheilverfahren an den DRK-Kliniken Nordhessen, wird er seither erprobt.

Und zwar unter der Leitung von Chefarzt Dr. Andreas Böger. Migräne ist eine häufige Krankheit: Zehn bis zwölf Prozent der Menschen in Deutschland leiden an den sehr starken Kopfschmerzattacken, rund ein bis zwei Prozent sogar an chronischer Migräne.

Ein neues Mittel verspricht Linderung. Der Wirkstoff Erenumab des Pharmaunternehmens Novartis ist seit November 2018 auf dem Markt. Im hessenweit größten Kopfschmerzzentrum der Klinik für Schmerzmedizin, Manuelle Therapie und Naturheilverfahren an den DRK-Kliniken Nordhessen, wird er seither in der Praxis unter der Leitung von Chefarzt Dr. Andreas Böger erprobt. Fragen und Antworten in der Übersicht.

Was ist Erenumab?

Bei dem Wirkstoff Erenumab handelt es sich um einen Antikörper. Dieser fängt das sogenannte Molekül CGRP ab, das Migräne verursacht, und unterdrückt sie so. Patienten spritzen sich diesen Wirkstoff nach einer Einweisung vorbeugend einmal im Monat selbst. „Einer Impfung entspricht das jedoch nicht“, sagt Böger. Eine Impfung habe das Ziel, vor einer Krankheit zu schützen. „Die Spritze mit dem Wirkstoff Erenumab schaltet eine Migräne jedoch leider nicht aus.“

Für wen eignet sich die Spritze gegen Migräne?

Vor allem für Patienten, die stark und oft an Migräne leiden. Der Wirkstoff wurde an 50 Patienten jedes Alters mit chronischer Migräne im Kopfschmerzzentrum Nordhessen angewendet. „40 von ihnen haben deutlich profitiert“, sagt Böger. Die Zahl der Tage mit Migräne habe sich halbiert. Vor allem habe das Erenumab eine gute Wirkung bei Patienten gezeigt, bei denen Botox-Injektionen nicht geholfen haben. 

Das Video stammt nicht von der HNA, sondern von der unabhängigen Video-Plattform Glomex.

Weil eine Spritze wegen der komplizierten Herstellung des Wirkstoffs mit einem Preis von 688 Euro sehr teuer ist, müssen Patienten aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit Krankenkassen die Behandlung auch bezahlen. Hauptsächlich werde das Medikament in Schmerzzentren verschrieben, sagt Böger.

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Wie lang dauert die Behandlung mit Erenumab von Novartis?

Zunächst sechs Monate, dann könne man pausieren und abwarten, wie sich die Migräne-Frequenz entwickelt, sagt Böger. Sollten sich die Migräneattacken wieder häufen, steige man wieder mit dem Wirkstoff ein. Voraussetzung für diese Migräne-Prophylaxe sei eine Medikamentenpause von Schmerzmitteln, sagt Böger.

Welche Nebenwirkungen hat die Spritze gegen Migräne?

„Einige Patienten klagten über Verstopfung“, sagt Böger. Ansonsten habe es bisher keine Nebenwirkungen gegeben, nicht einmal in Kombination mit anderen Medikamenten.

Was können Betroffene tun, die nur gelegentlich an Migräne leiden?

Dr. Böger rät dazu, etwa durch Ausdauersport, progressive Muskelentspannung oder Ernährung Migräne vorzubeugen. Dies schaffe eine Besserung von rund 50 Prozent, sagt er.

Kontakt für Patienten: schmerzzentrum@drk-nh.de - Infos gibt es auf der Homepage der DRK-Klinik in Kassel

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