Vor der JVA Wehlheiden

„Stolperschwelle“ erinnert an Gestapo-Morde 1945 in Kassel

Eva Kühne-Hörmann, Uwe Meister und Gunter Demnig (von links) beim Verlegen der Stolperschwelle in Kassel.
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Eva Kühne-Hörmann, Uwe Meister und Gunter Demnig (von links) beim Verlegen der Stolperschwelle.

Am Dienstag, 30. Juni, wurde in Anwesenheit von Justizministerin Eva Kühne-Hörmann vor der JVA Wehlheiden durch Künstler Gunter Demnig die erste „Stolperschwelle“ in Kassel verlegt.

Es war eine ganz besondere Gedenksteinverlegung, zu der am Dienstag der Künstler Gunter Demnig nach Kassel angereist war. Und das nicht nur, weil Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und der Leiter der Kasseler JVA Wehlheiden Uwe Meister anwesend waren und vor einer großen Zahl an interessierten Gästen Reden hielten.

Es war auch die erste sogenannte „Stolperschwelle“, Kassels, die in namentlicher Anlehung an Demnigs Stolperstein-Aktion in Kassel verlegt wurde. Und zwar in der Theodor-Fliedner-Straße 12, direkt vor den Stufen zur Justizvollzugsanstalt I.

Mit den im Boden verlegten Stolpersteinen soll an das Schicksal von Menschen erinnert werden, die aus politischen, rassistischen und religiösen Gründen von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert, vertrieben, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Zu diesen Menschen gehörten in Kassel auch zwölf Häftlinge unterschiedlicher Nationalitäten des Zuchthauses Kassel-Wehlheiden, die am Karfreitag 1945, nur Tage bevor die Amerikaner in Kassel einmarschierten und der Krieg beendet war, von der Gestapo ohne Urteil auf dem Friedhof Wehlheiden erschossen und in einem Massengrab vergraben wurden. Acht Männer sind namentlich bekannt. Mit der Schwelle soll an sie alle, auch an die Namenlosen, erinnert werden.

Autor Michael Jäger

Uwe Meister, der seit 15 Jahren an den Gedenkveranstaltungen auf dem Friedhof Wehlheiden, zu denen traditionell der Ortsbeirat Wehlheiden einlädt, teilnimmt, sagte, er habe sich immer einen solchen Gedenkort im Umfeld der JVA gewünscht. Schließlich war es bis zur Stolperschwelle eine große gemeinschaftliche Leistung, an der viele, neben dem Ortsbeirat auch der Verein Stolpersteine in Kassel beteiligt waren. Einen hob Uwe Meister hervor; den Autor der Publikation „Gestapo-Morde in Kassel-Wehlheiden Karfreitag 1945“ aus dem Jahr 1987, Michael Jäger.

Jäger studierte seinerzeit an der Gesamthochschule Kassel bei dem inzwischen verstorbenen Politikwissenschaftler Jörg Kammler und legte mit den „ersten Forschungen zu diesem Thema“ seine Examensarbeit vor. Sein Verleger, der Kasseler Historiker Ulrich Schneider, hatte einige Recherchen unternommen, um Jäger in Wiesbaden ausfindig zu machen und zur Veranstaltung einzuladen. Jäger habe den Grundstein dafür gelegt, dass an die Ermordeten heute erinnert werden könne, so Meister. Ihm sei wichtig, dass sich der Justizvollzug mit einer Mahnung für die Gegenwart positioniere: gegen Unrecht und Willkür.

Auch Eva Kühne-Hörmann betonte, wie bedeutend die Verlegung für sie als Justizministerin sei: „Die Schwelle vor der Justizvollzugsanstalt soll ein Ort der Erinnerung und des Nachdenkens sein. Der Rechtsstaat, wie er sich nach dem Krieg mit dem Grundgesetz geformt hat, war keine Selbstverständlichkeit und ist es auch heute noch nicht.“ Nur durch „lebendige Erinnerung“ könne verhindert werden, dass sich Gräuel wie die der NS-Zeit wiederholen können. (Christina Hein)

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