Neue Technik blickt bis in fünf Meter Bodentiefe

Georg-Stock-Platz in Kassel wird erneut auf Bomben untersucht

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Seit vier Jahren sicherheitshalber gesperrt: Gitterzäune grenzen den Georg-Stock-Platz in Wehlheiden ein, weil auf der Fläche noch Weltkriegs-Blindgänger vermutet werden.

Kassel. Nach vier Jahren Sperrung auf dem Georg-Stock-Platz in Wehlheiden soll die Fläche erneut auf Weltkriegs-Blindgänger im Boden untersucht werden. 

Voraussichtlich am Dienstag und Mittwoch wird eine Fachfirma nach Angaben der Stadt ein neues Sondierungsverfahren testen. Davon erhofft man sich, gefährliche Munition bis zu fünf Meter tief im Boden orten zu können, ohne den gesamten Platz kostspielig aufgraben zu müssen.

Eine Bomben-Sondierung bis in diese Tiefe ist laut Vorgabe des hessischen Kampfmittelräumdiensts beim Regierungspräsidium Darmstadt erforderlich, damit der Stockplatz für ungefährlich erklärt werden kann. Eine erste Untersuchung im Jahr 2014 hatte nur die obersten Bodenschichten umfasst, aber einige Anhafltspunkte ergeben, dass im Erdreich des 2500 Quadratmeter großen Geländes noch Blindgänger liegen. Es ergaben sich insgesamt 38 Hinweise auf verdächtige Gegenstände, die in größerer Tiefe liegen.

Seither ist der Stockplatz vorsorglich gesperrt, worunter vor allem die Organisatoren der Wehlheider Kirmes leiden. Bereits vier Mal in Folge konnte das Traditionsfest nicht wie gewohnt die Freifläche nutzen, weil Fahrgeschäfte und anderes schweres Gerät zu riskanten Erschütterungen im Boden führen würden.

Kurz nach dem Krieg: Der Fotograf stand damals auf dem Kirchweg mit Blickrichtung auf Kohlenstraße und Schönfelder Straße. Das Gasthaus Spohr in der Bildmitte gibt es noch. Links im Bild beginnt heute der Georg-Stock-Platz.

Weil die Stadt bisher davon ausgegangen war, für eine gründliche Bombensuche den gesamten Platz aufgraben und wiederherstellen zu müssen, war die Bombensuche für längere Zeit aus Kostengründen nicht vorangegangen. Parallel wurden Ideen für eine teilweise Wohnbebauung des Geländes entwickelt – teils, um die erwarteten Kosten der Kampfmittelsanierung zu decken, aber auch wegen der generellen Knappheit an bezahlbarem Wohnraum in Kassel.

Nach Angaben von Rathaussprecher Michael Schwab ist die Sondierung des Platzes besonders schwierig, weil ein Großteil des Untergrundes aus aufgefülltem Trümmerschutt besteht und weil der nordöstliche Platzbereich dicht mit Bäumen bewachsen ist. Mit üblichen elektromagnetischen Systemen komme man hier nicht weiter. Als einziges Unternehmen am Markt biete die nun beauftragte Firma SeaTerra den Einsatz sogenannter Großschleifen-Detektoren an. Diese erzeugten ein besonders starkes Magnetfeld, das die erforderliche Einsatztiefe bis auf fünf Meter gewährleiste.

Mit dem auf zwei Tage angelegten Einsatz dieser Technik soll laut Schwab getestet werden, ob sich das Verfahren für die Bombensuche auf dem Stockplatz bewährt. Wenn ja, würden die so ermittelten Verdachtsstellen im Untergrund anschließend durch gezieltes, punktuelles Aufgraben untersucht und eventuell gefundene Kriegsmunition durch Fachleute unschädlich gemacht.

Sofern das alles klappt, hofft die Wehlheider Kirmesgemeinschaft, dass ihr 70. Traditionsfest im Sommer wieder auf dem Georg-Stock-Platz stattfinden kann.

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