100 Millionen Euro teuer

JVA Kassel I: So laufen die Bauarbeiten am Gefängnis ab

+
Sanierung der JVA Kassel I: Ende 2018 soll zunächst ein begrünter Schutzwall entlang der Windmühlenstraße gebaut werden. Von dort soll es auch eine Baustellenzufahrt geben. Anfang 2020 wird dann mit der Sanierung des Flügels B begonnen.

Kassel. Das Kasseler Gefängnis wird für 100 Millionen Euro saniert. Die Justizvollzugsanstalt bei laufendem Betrieb zu sanieren, stellt die Planer vor Herausforderungen.

„Bevor die Baustelle eingerichtet wird, müssen viele Dinge gut betrachtet werden“, sagt Justizministerin Eva Kühne-Hörmann. Wie kommen der Baustellenverkehr und die Handwerker auf das Gelände? Wie wird gewährleistet, dass Gefangene nicht auf Mitgefangene treffen, die sie nicht sehen dürfen? Wie wird das Anstaltsleben von der Baustelle abgeschottet? Wie werden die Anwohner vor Lärm geschützt?

Begrünter Schutzwall für Anwohner

Um die Nachbarn des Gefängnisses vor dem Baustellenlärm zu schützen, soll entlang der JVA-Grundstücksgrenze an der Windmühlenstraße ein über 50 Meter langer und fünf bis zehn Meter hoher Schutzwall errichtet werden. Aus optischen Gründen soll diese Mauer begrünt werden. Mit dem Bau des Walls soll im vierten Quartal 2018 begonnen werden. Der Baustellenverkehr soll entweder über die Kohlenstraße oder über die Ludwig-Mond-Straße zu dem Gefängnis gelangen.

Schleuse als Baustellenzufahrt

Hinter dem Schutzwall wird die Baustellenzufahrt mit einer Sicherheitsschleuse eingerichtet, in der jeder Handwerker und jedes Fahrzeug, das auf die JVA-Baustelle fährt, kontrolliert werden. Dieser Zugang ist nur für Bauarbeiter gedacht. Bedienstete und Besucher werden nach wie vor den Eingang an der Theodor-Fliedner-Straße nutzen.

Bauabschnitte: Vier Flügel etappenweise sanieren

Die vier Flügel der JVA Kassel I, in denen sich die Zellen befinden, sollen etappenweise saniert werden. Begonnen wird im Jahr 2020 mit dem Haupthafthaus B, dann folgen die Flügel C, A und D. Während der Flügel B saniert wird (natürlich ist er während dieser Zeit nicht belegt), wird das Haus mit weiteren mobilen Mauern vom Rest des Gefängnisses abgeschottet. Die Häftlinge sollen keine Gelegenheit bekommen, auf die Baustelle zu gelangen beziehungsweise Kontakt mit Bauarbeitern aufzunehmen. Die nachträglichen Anbauten der Flügel B und C werden abgerissen.

Schauen auf die Baupläne: (von links) Dr. Daniel Kämmerer (stellvertretender Abteilungsleiter Strafvollzug im Justizministerium), Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und Anstaltsleiter Jörg-Uwe Meister. 

Energiekosten sparen

Anforderungen an den Brandschutz und höhere Standards bei Sicherheitsfragen machen die Grundsanierung der JVA ebenso erforderlich wie die maroden Leitungen und Fenster. Das Land verspricht sich durch die Sanierung auch eine massive Einsparung bei den Gebäudewirtschaftskosten, die derzeit über eine Mio. Euro im Jahr betragen. In richtig kalten Monaten wird derzeit in dem Gefängnis Fernwärme für 150.000 Euro verbraucht, für Strom werden 25.000 Euro im Monat ausgegeben. Für die nötigsten Reparaturen (zum Beispiel Rohrbrüche) fallen derzeit in der veralteten Anstalt rund 380.000 Euro pro Jahr an.

Die Gefängniszellen

Die Größe der Zellen (acht bis zehn Quadratmeter) wird sich nach der Sanierung nicht ändern. Allerdings werden die Fenster in jeder Zelle so weit nach unten vergrößert, dass die Inhaftierten auch im Sitzen nach draußen gucken können, sagt Anstaltsleiter Jörg-Uwe Meister. Zudem sollen die Toiletten und Waschbecken, die sich in den Hafträumen befinden, künftig durch einen Sichtschutz abgegrenzt werden. Alle Zellen erhalten natürlich auch neue Möbel.

Blick in einen Haftraum: Die Fenster der Zellen sollen bei der Sanierung nach unten vergrößert werden. Die Inhaftierten sollen die Möglichkeit haben, auch im Sitzen nach draußen zu schauen.

Von 508 auf 400 Haftplätze

Derzeit gibt es 508 Haftplätze in der JVA Kassel I, nach der Sanierung sollen es nur noch 400 sein. Dafür bekommt jede Station ihre eigenen Duschen, und es werden auch Büroräume für die Mitarbeiter der JVA auf den Stationen eingerichtet, was ihre Arbeit entlasten soll. Ebenso Teeküchen für die Gefangenen. Man wolle in der JVA Kassel I mehr Gemeinschaftsräume für die Inhaftierten schaffen, um die Resozialisierung der Inhaftierten zu fördern, so Kühne-Hörmann. „Resozialisierung ist der beste Opferschutz. Denn wenn Leute aus dem Strafvollzug entlassen werden und keine neuen Straftaten begehen, werden auch keine neuen Opfer produziert.“

JVA Kassel I steht unter Denkmalschutz

Die JVA Kassel I steht unter Denkmalschutz. Entsprechend ist die Denkmalschutzbehörde in die Planungen eingebunden worden. Äußerlich sollen nach der Sanierung keine großen Veränderungen zu sehen sein. Alle Leitungen, die nach 1882 nachträglich in der Anstalt verlegt worden sind, sollen unter Putz verschwinden. Zudem wird es einige Veränderungen aus Brandschutzgründen geben. So dürfen zum Beispiel die historischen Treppenstufen in der Zentrale der Anstalt keine Öffnungen mehr haben.

Zeitrahmen des Sanierung: 2020 bis 2030

Mit den eigentlichen Sanierungsarbeiten in der JVA wird erst 2020 begonnen. Das liegt auch daran, dass alle Aufträge nach den Vergaberichtlinien europaweit ausgeschrieben werden müssen. Das dauere etwa ein Jahr. Derzeit ist geplant, dass die Sanierung 2030 abgeschlossen ist. Im Jahr 2032 wird das Gefängnis 150 Jahre alt.

Hintergrund: Geschichte der JVA Kassel I

Die Justizvollzugsanstalt Wehlheiden wurde von 1873 bis 1882 erbaut. Im Laufe der Jahrzehnte schlossen sich verschiedene Anbauten an. 1938 wurde das sogenannte Bezirkskrankenhaus errichtet. Als Zentralkrankenhaus ist es heute nach wie vor das zentrale Krankenhaus für den gesamten hessischen Justizvollzug. Seit Januar 2010 gehören die Abteilung des offenen Vollzuges in Baunatal (74 Plätze) und die Abteilung in Kaufungen für den geschlossenen Vollzug für Frauen und weibliche Jugendliche (33 Plätze) der JVA Kassel I an. Derzeit gibt es in Kassel 508 Haftplätze.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.