Flohmarktsammlung mitten in Wehlheiden

Ampeln, Puppen und ein Ortsschild: Bei Jochen Lasch in Kassel gibt es Kuriositäten

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Zwischen Stühlen, Schallplatten und Schaufensterpuppen: Jochen Lasch in seinen Räumen an der Wittrockstraße in Wehlheiden.

In Jochen Laschs Fundgrube in Wehlheiden gibt es zahlreiche Kuriositäten. Unter anderem ein Ortsschild von Berlin, Särge und kaputte Ampeln.

Was alles in seinem Hinterhof steht, das weiß Jochen Lasch schon lange nicht mehr. Warum auch? Denn irgendwie, findet er, ist seine Sammlung ein Gesamtkunstwerk. Das allerdings in allen Facetten zu erfassen, ist nahezu unmöglich.

Wer über den Hinterhof der Wittrockstraße 16 geht, der bahnt sich in der Halle des früheren Dachdeckerbetriebs einen Weg durch Lampen, Bilderrahmen, Kisten voller Schallplatten und alten Stühlen. Der erschrickt vor einer Schaufensterpuppe ohne Arme oder bleibt irritiert vor einer Ampel stehen. Auch ein Ortsschild von Berlin findet sich zwischen all den Kuriositäten. Man weiß gar nicht, wo man hinschauen soll. 

Eine mehr oder weniger wahllose Zusammenstellung von Dingen, die an der einen oder anderen Ecke einen leicht morbiden Charme hat. Denn seine Raritäten aufarbeiten, das macht der 60-Jährige nicht. Da muss der Kunde selbst Hand anlegen.

Früher waren es vor allem Bilderrahmen

Eine ganze Menge hat sich da in mehr als zehn Jahren mitten in Wehlheiden angesammelt. Wer dort nur vorbeifährt, ahnt nicht, was sich im Innenhof verbirgt. Angefangen hat Laschs Leidenschaft für Antikes und Flohmärkte eigentlich damit, dass er sein eigenes Spielzeug vor mehr als 45 Jahren dort verkauft hat. Seitdem kommt er nicht mehr davon los. 

Früher waren es vor allem Bilderrahmen, mit denen er auf zahlreichen Märkten nicht nur in der Region unterwegs war. Heute hat er dann seinen eigenen Flohmarkt im Hinterhof seines Hauses. Einige seiner Fundstücke hätten es sogar in Museen geschafft, erzählt er stolz.

Morbider Charme: Auch Särge sind im Fundus von Jochen Lasch vertreten.

Ein besonderes Stück, das ihm in Erinnerung geblieben ist – da fällt Lasch nicht recht was ein. Mittlerweile sei es einfach zu viel. Er habe mal die Stühle aus dem Gleis 1 erworben, als dies geschlossen hätte. Der neue Betreiber habe sie dann von ihm zurückgekauft. Auch das frühere Banner des Kulturbahnhofs ist in seinem Besitz. Die ersten vier Buchstaben „Kult“ sind besonders hervorgehoben. Passend: Denn Lasch und sein Flohmarkt sind ja irgendwie auch so etwas wie Kult. 

Projekt Kulturgutrecycling ins Leben gerufen

Dem einen oder anderen wird der 60-Jährige noch aus der Zeit der documenta 13 in Erinnerung sein. 2012 hatte er an der Wittrockstraße das Projekt Kulturgutrecycling ins Leben gerufen, eine Art Kreativwerkstatt. Kunst und Kreativität auf der einen Seite, der Recycling-Gedanke auf der anderen Seite, das ist ihm wichtig. „Ich glaube, für alles findet sich irgendwann jemand, der die Dinge noch gebrauchen kann“, sagt Lasch.

Wenn jemand behauptet, dass er Schrott sammele, dann hat der möglicherweise nicht ganz unrecht. Aber Lasch geht es vor allem darum, dass nicht Dinge weggeworfen werden, die noch gebrauchsfähig seien. Der Verkauf steht für ihn nicht an erster Stelle. Lasch will aber auch keine Konkurrenz für die Stadtreiniger sein. Einfach so abgeben kann man bei ihm daher nichts. Sein Kulturgut sammelt er auf dem Sperrmüll oder bekommt es von Händlern.

Zahlreiche Schaufensterpuppen in den Regalen.

Mittlerweile ist Laschs Fundgrube als Geheimtipp bekannt. So kam das Drehteam der Serie „Pfarrer Braun“ während der Aufnahmen für eine Folge in Kassel bei ihm vorbei, um nach Requisiten zu suchen. Auch bei der vergangenen documenta war Laschs Sammlung eine große Hilfe. 200 Kisten mit Büchern hatte er auf seinem Hof stehen, die von den Mitarbeitern nach verbotenen Büchern für das Parthenon durchsucht wurden. „Mindestens zwei der Säulen des Büchertempels sind aus meinem Fundus“, sagt Lasch stolz. 

Jetzt hat Lasch allerdings Auflagen von der Stadt bekommen, weil er für sein Mietshaus Parkplätze ausweisen muss. Ohnehin hat er vor, sich zu verkleinern. Er will sich mehr auf seine zweite Leidenschaft konzentrieren den Buddhismus.

Meistens öffnet Jochen Lasch seinen Flohmarkt an der Wittrockstraße freitags- uns samstagnachmittags. Die genauen Öffnungszeiten finden sich auf der Homepage.

daswahreschoenegute.de

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