Gastronom hatte finanzielle Probleme

Club-Sterben geht weiter - Warum muss das Fiasko schließen?

+
Will vielleicht am Freitag ein letztes Mal öffnen: Oliver Kurzweil musste das Fiasko nach 33 Jahren am Sonntag überraschend schließen. Wie es mit ihm beruflich weitergeht, weiß er noch nicht.
  •  Das Club-Sterben in Kassel nimmt kein Ende
  •  In Kassel ist weitere Kult-Kneipe betroffen
  •  Das sind die Gründe für das Ende des Clubs Fiasko

Kassel - Seine Umsätze sanken von Jahr zu Jahr. Doch als vergangene Woche eine hohe Gebührenrechnung der Gema ins Haus flatterte, zog Oliver Kurzweil endgültig die Reißleine. Drei Jahrzehnte lang war der Grund sympathische Kasseler das Gesicht des Ladens Fiasko. Nun sitzt er niedergeschlagen über einem 35-seitigen Insolvenzantrag. Denn das Fiasko schließt überraschend. 

1987 hatte Oliver Kurzweils Vater Peter das Fiasko eröffnet. Zuvor waren in dem Gebäude mit dem markanten Schornstein die legendäre Kneipe „Hacienda“ und kurze Zeit auch das italienische Restaurant „Al Camino“ zu Hause. Das ursprünglich als Biker-Treffpunkt konzipierte Fiasko ging schnell in die Hände des Sohnes über. 

Kassel: Club-Sterben war 1990 noch nicht abzusehen 

1990 übernahm Oliver Kurzweil mit Mitte 20 die Geschäftsführung. Er sei danach seinem Abitur und einem abgebrochenen Germanistik- und Sportstudium „irgendwie reingerutscht“, sagte er später gegenüber unserer Zeitung.

Kurzweil hatte viele Jahre Erfolg und blieb dennoch stets bescheiden und zurückhaltend. Er lockte das Publikum mit regional und überregional bekannten Rockbands in die rustikal eingerichteten Kellerräume in Kassel.

Regelmäßige Gäste: Die Band Sweety Glitter hier bei einem Fiasko-Auftritt im Jahr 2008.

Formationen wie „Sweety Glitter“ und „Rockmachine“ waren dort regelmäßig zu hören. Weit über 1000 Konzerte sollten es über die Jahre werden. 

Club-Sterben liegt auch am vorherrschenden Musikgeschmack

Es gab Zeiten, da war auch der Biergarten im Sommer brechend voll. „Aber die Konkurrenz wurde immer größer und die Leute gehen einfach weniger auf Konzerte als früher“, erklärt sich Kurzweil die sinkenden Umsätze. Rock und Heavy Metal seien wohl auch nicht mehr so angesagt.

Auf die Motorradfahrer habe er schon lange nicht mehr gesetzt. „Davon gibt es ja immer weniger.“  Vor allem Studenten und Stammgäste hätten den Laden in Kassel zuletzt lange am Leben gehalten und zehn Mitarbeitern ein Einkommen gesichert. Wer ins Fiasko kam, der schätzte die entspannte Atmosphäre.

2002 war die Welt noch in Ordnung: Oliver Kurzweil (li.) und Michael Franzkowiak vom Fiasko-Team vor der Kneipe an der Schönfelder Straße.

Einen Dresscode gab es dort noch nie und während Kicker- und Billardtische aus vielen anderen Kneipen verschwunden sind, gab es sie dort bis das Club-Sterben eintrat.

Das Club-Sterben in Kassel bereitet dem ehemaligen Kneipenwart Sorgen 

Doch gestern hatte Oliver Kurzweil wenig Lust, über die guten alten Zeiten nachzudenken. Der Vater einer Tochter macht sich Sorgen um seine Zukunft. Das Club-Sterben in Kassel stellt ihn vor unverhoffte Entscheidungen. „Ich habe meine Altersvorsorge in den Laden gesteckt. Was ich künftig mache, weiß ich noch nicht.“

Er wolle nun erst mal die Finanzen regeln, um wieder klarer zu sehen. Dankbar ist er für die „riesige Anteilnahme“, die viele Stammgäste auf seiner Facebook-Seite gezeigt hätten. Das hilft ihm über die schweren Tage und den Berg von Formularen im Juristendeutsch für das anstehende Insolvenzverfahren.

Kassel: Evtl. wird das Fiasko für einen Abend wiederbelebt 

Um sich bei seinen treuen Gästen zu bedanken, überlegt Kurzweil, am kommenden Freitag das Fiasko für einen Abschlussabend noch einmal zu öffnen. „Ich habe noch etliche Getränke“, sagt Kurzweil. 

Am Sonntag wurde unerwartet auf Facebook das Aus für das Fiasko verkündet, nun will Fiasko-Chef Kurzweil dort kurzfristig informieren, ob der Abschlussabend stattfindet. Alle weiteren Konzerte für Februar sind abgesagt. 

Am 15.02.2020 läuft der Pachtvertrag, für die Räume in Kassel, dann aus. Es gebe bereits Interessenten, die die Räumlichkeiten mit anderem gastronomischen Konzept weiterführen wollen. Der Vermieter und die Brauereien seien für solche Vorhaben grundsätzlich offen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.