Kriminaldrama wurde 1951 in der JVA in Wehlheiden gedreht

Kassels fast vergessener Film „Die Schuld des Dr. Homma"

Hat die Geschichte des Films erforscht: Kinoexperte Werner Baus mit einem Plakat von „Die Schuld des Dr. Homma“, der 1951 in der Justizvollzugsanstalt Kassel I in Wehlheiden gedreht wurde. Foto: Ludwig

Die Aufzeichnungen des ehemaligen Gefängnispfarrers der "Justizvollzugsanstalt Kassel I" in Wehlheiden brachten ihn wieder ans Licht: den mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichneten Kinofilm "Die Schuld des Dr. Homma", der 1951 im Kasseler Gefängnis gedreht wurde.

Kassel. Wenn von Kassel als Filmstadt die Rede ist, denken die meisten an „Natürlich diese Autofahrer“ mit Heinz Erhardt oder „Rosen für den Staatsanwalt“ mit Walter Giller (beide aus 1959). Völlig in Vergessenheit geraten ist „Die Schuld des Dr. Homma“ (1951). Für den Film waren viele Szenen im Kasseler Gefängnis, der JVA Kassel I in Wehlheiden, gedreht worden.

Die jetzt herausgegebene Gefängnischronik des früheren Anstaltspfarrers Adolf Dörmer (1895-1970) brachte diese Geschichte wieder zu Tage. Die Kaufunger Historikerin Barbara Orth beschäftigte sich jahrelang mit den Aufzeichnungen des Geistlichen, um diese zu veröffentlichen. Dabei stieß sie auch auf die Notizen zu Dreharbeiten im Gefängnis.

Altes Werbeplakat: Illustration für das Gefängnis- und Gerichtsdrama.

Der deutsche Regisseur Paul Verhoeven (1901-1975) - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen niederländischen Hollywoodregisseur - war für sein Kriminaldrama auf der Suche nach Drehorten gewesen und in Kassel fündig geworden.

Unter Mitwirkung von Kasseler Statisten, die vor allem Gefangene spielten, drehte Verhoeven in den Mauern der Strafanstalt. Sein Film erzählt die Geschichte des Dr. Homma (gespielt von Werner Hinz), der wegen Mordes an seiner Frau zum Tode verurteilt wird, aber seine Unschuld beteuert. Man sieht Hinz in der Zelle des Kasseler Gefängniskrankenhauses, wie er verzweifelt seiner Hinrichtung entgegensieht.

Obwohl der Film später den Deutschen Filmpreis erhielt, war er auch Werner Baus, einem Experten der Kasseler Kinogeschichte, lange Zeit unbekannt gewesen. Erst als sich die Historikerin Orth bei Baus nach dem Film erkundigte, begann dieser 2011 mit der Recherche. Er nahm Kontakt mit der Gefängnisleitung auf und bekam die Erlaubnis, die Drehorte von damals noch einmal zu fotografieren.

Hinter Kasseler Gittern: Schauspieler Werner Hinz in der Rolle des Dr. Homma. Foto: Archiv Baus

Obwohl der Dreh über 60 Jahre zurücklag, konnte Baus ein Großteil der Filmkulissen zuordnen. In seinem Musik-, Radio- und Kinomuseum in Helsa-Eschenstruth stellt er alte Filmbilder und aktuelle Fotografien gegenüber.

Bei seinen Recherchen stellte Baus auch fest, dass Verhoeven - der Schwiegervater von Senta Berger und Mario Adorf war - nicht nur im Gefängnis in Kassel gedreht hatte. So taucht auch ein Geschäft an der Theaterstraße im Film auf. „Den Laden hatten sie als Apotheke umgestaltet“, erzählt Baus.

Ironie der Geschichte ist es, dass Regisseur Verhoeven in seinem Film eine kleine Nebenrolle als Gefängnispfarrer spielt. Damit schlüpfte er in die Profession jenes Mannes, der durch seine Aufzeichnungen 60 Jahre später die Erinnerung an den Film wieder wachgerüttelt hat.

• Leser-Aufruf: Wer erinnert sich noch an die Dreharbeiten 1951 in der JVA Kassel-Wehlheiden oder war möglicherweise selbst als Statist dabei? Wir stellen gern ihre Geschichte vor. Bitte eine E-Mail an: kassel@hna.de

Film in Kürze - die Handlung

Dr. Magnus Homma wird, obwohl er seine Unschuld immer wieder beteuert, wegen Mordes an seiner Frau zum Tode verurteilt. Seine Verteidigerin und sein Sohn versuchen, ihn noch in der Nacht vor der Hinrichtung zu retten und den Prozess neu aufzurollen. Währenddessen grübelt Homma in der Zelle über seine Ehe. Neben Werner Hinz spielen Ilse Steppat, Liane Croon, Albrecht Schoenhals und Lutz Moik. Der Film hat eine Länge von 89 Minuten.

Film und Chronik am 14.12. erleben

Die von Barbara Orth neu herausgegebene Gefängnischronik des früheren Anstaltspfarrers Adolf Dörmer wird am Sonntag, 14. Dezember, 12 Uhr, im Kleinen Bali im Kasseler Hauptbahnhof vorgestellt. Zu dem Anlass wird dort auch der Film "Die Schuld des Dr. Homma" gezeigt.

Von Bastian Ludwig

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