Geld kam durch Spenden zusammen

Glockenturm im Kasseler Stadtteil Wehlheiden geplant: Nachbarn fürchten Lärm

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Sie freuen sich auf den Glockenturm: Pfarrerin Jutta Richter-Schröder (rechts) mit den Kirchenvorstandsmitgliedern Hartmut Peschel und Brigitta Steinbrecher. Das präsentierte Modell wurde noch etwas verändert.

Kassel. Angst vor Lärmbelästigung: Ein geplanter Glockenturm für die evangelische Kirchengemeinde im Kasseler Stadtteil Wehlheiden sorgt in der Nachbarschaft für Misstöne.

Während sich die Mitglieder auf das Glockengeläut freuen, das vor acht Jahren verstummt war, sorgt sich mancher Anwohner vor einer Lärmbelästigung. Die Gemeinde lässt nun eine Prognose über die zu erwartenden Dezibel erstellen und verspricht Klöppel in den Glocken zu installieren, die die Lautstärke reduzieren.

Die Geschichte des Wehlheider Glockenturms begann bereits im Jahr 1958. Damals wurde neben der neu gebauten Kirche an der Hupfeldstraße ein 13 Meter hoher Glockenturm errichtet. Vier große Glocken wurden installiert.

Für etliche Anwohner war deren Geläut unerträglich. „Weil der Glockenturm niedriger als die umliegenden Häuser war, verfing sich der Schall. Wir mussten unser Küchenfenster schließen, wenn wir uns unterhalten wollten“, erzählt ein Nachbar. Besonders schlimm sei es bei Beerdigungen gewesen. „Da haben die Glocken eine halbe Stunde lang Lärm gemacht.“

So soll der Glockenturm auf dem Grundstück wirken: Die Trägerkonstruktion wurde vom Architekt noch mal angepasst.

Umso erleichterter waren die betroffenen Anwohner, als der baufällig gewordene Glockenturm 2010 abgebaut und dessen Glocken in der Adventskirche installiert wurden. Für den Turm auf dem Gelände an der Hupfeldstraße waren die bis zu über eine Tonne schweren Glocken ohnehin überdimensioniert.

Bauantrag wurde bei der Stadt eingereicht

Acht Jahre vergingen und der Wunsch nach einem neuen Glockenturm wuchs in der Gemeinde. Die nötigen 50.000 bis 60.000 Euro kamen durch Spenden zusammen. Der Kasseler Architekt Prof. Heinrich Klose und der Statiker Kai Bunje erklärten sich bereit, unentgeltlich die Planungen für den Neubau zu übernehmen. Im Ergebnis ist nun ein knapp sieben Meter hoher Turm geplant mit drei bronzenen Glocken, die in den Tönen A, E und G gestimmt sind. Ein Bauantrag wurde bei der Stadt eingereicht.

Die neuen Glocken seien deutlich kleiner als die ursprünglichen, sagt Pfarrerin Jutta Richter-Schröder. Zudem sei nicht mehr geplant, zu Beerdigungen auf dem Friedhof in Wehlheiden die Glocken läuten zu lassen. „Wir wollen sie nur zu den Gottesdiensten und den Tageszeiten acht, zwölf und 18 Uhr einschalten“, sagt die Pfarrerin.

Hier soll der Glockenturm stehen: Auf der Wiese vor dem Katharina-von-Bora-Haus soll er seinen Platz finden.

Für die Kirchengemeinde sind die Glocken ein Herzensanliegen. Denn die Kirche führe hinter dem Katharina-von-Bora-Haus – das sich auch auf dem Gelände befindet – ein Schattendasein. Der Glockenturm soll ein sichtbares Zeichen für das Gotteshaus sein.

Sowohl die Pfarrerin wie der Kirchenvorstand sind sich sicher, dass die Mehrheit der Menschen hinter den Plänen stehen, die nächstes Jahr umgesetzt werden sollen. Mit den Kritikern wolle man weiter das Gespräch suchen. Ein Anwohner überlegt, bei der Stadt Widerspruch gegen die Pläne einzulegen. 

Dieses Video ist ein Inhalt der unabhängigen Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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