49 neue Fensterelemente

Licht im alten Hochbunker in Wehlheiden: Im August ziehen erste Bewohner ein

Lichtdurchflutet: Hier entstehen Wohnungen über zwei Etagen. Architekt Peter Grund (links) freut sich, dass er bald mit seinen Kollegen in einer dieser Wohnungen das Büro eröffnen wird. Daneben steht Bauleiter Matthias Fronius. Fotos:  Koch

Wehlheiden. Im August ziehen die ersten Bewohner in den ehemaligen Tarnbunker an der Gräfestraße ein. 

Dass es hier mal dunkel gewesen ist, kann man sich kaum noch vorstellen. Licht durchflutet die zwölf Wohnungen, die in dem früheren Tarnbunker an der Gräfestraße (Wehlheiden) entstanden sind. Etwa fünf Meter hoch sind die Fensterelemente, die in die Wohnungen eingebaut worden sind, die über das Erdgeschoss und den ersten Stock gehen.

„Wir haben fast 2000 Tonnen Stahlbeton aus den Außenwänden gesägt“, sagt Bauleiter Matthias Fronius. „2000 Blöcke, die jeweils eine Tonne wiegen.“ Die groben, aber dennoch sehr feinen und präzisen Arbeiten an den früher hermetisch geschlossenen Außenwänden, die 1,30 Meter dick sind, sind damit abgeschlossen, sagt Architekt Peter Grund von der Architektengemeinschaft „Groger Grund Schmidt“ aus Wehlheiden. 49 Fensterelemente aus Eichenholz sind in die Ausschnitte eingesetzt worden. Innen sind die Fenster geölt, außen mit Aluschienen versehen. „Wir arbeiten mit viel Liebe zum Detail“, sagt Grund.

Einige der ausgeschnittenen Betonblöcke liegen noch auf dem Grundstück. „Die sind nicht vergessen worden“, sagt Grund. Damit wird nach Ostern der Vorbau für den Eingangsbereich auf der Nordseite gebaut.

Der Kasseler Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle hat den Bunker als Privatmann mit zwei Partnern im Jahr 2015 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft. Die drei Eigentümer wollen fünf Wohnungen für sich und ihre Familien behalten, die restlichen sieben sind alle an neue Eigentümer verkauft worden. Was der Umbau beziehungsweise die Eigentumswohnungen kosten, darüber schweigen die Bauherren.

Fest steht indes, dass der Bunker als einer der wenigen Tarnbunker in ganz Deutschland gebaut wurde. Von außen sollte das Gebäude so aussehen, als ob es sich um ein normales Wohnhaus handelt. Dass dort jetzt tatsächlich Menschen einziehen, die ersten Bewohner kommen im August, werde an den angebauten Balkonen deutlich. „Die sind ein eindeutiges Zeichen für eine zivile und kriegsferne Nutzung“, sagt der Architekt. Nichtsdestoweniger sollen verschiedene Elemente erhalten bleiben, um an die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes zu erinnern. Je nach Wunsch der Eigentümer bleibt der Sichtbeton an den Wänden und wird nur gesandstrahlt. 84 Zentimeter breite Fensterbänke, auf denen man sogar schlafen kann, erinnern an die dicken Außenwände. Diese Stabilität hat natürlich auch ihre Nachteile. „Hier können sie nirgends einen Nagel in die Wand schlagen“, sagt Bauleiter Fronius. „Um Bilder aufzuhängen, brauchen sie schon eine Bohrmaschine.“ Alle Versorgungsleitungen wurden neben der Fußbodenheizung daher auch in den Boden gelegt.

Auf die vier vorhandenen Geschosse (plus Keller) wurden zwei weitere Stockwerke und ein Walmdach draufgesetzt. Das Dach sei ein „homogener Deckel aus Zinkblech geworden, der die Fassaden nach oben – gegen den Himmel – gebührend abschließe“, sagt Grund. Die Wohnungen oben haben mehrere Dachterrassen, auf denen noch der Bombenschutz zu sehen ist. Darauf können künftig Blumenkübel abgestellt werden.

Licht durchflutet alten Bunker in Wehlheiden

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