Unmut im Ortsbeirat

Protest gegen Lidl-Erweiterung in Wehlheiden: Discounter soll Wohnungen bauen

Lidl will wachsen: Der Discount-Markt wird abgerissen und auf den jetzigen Parkplätzen rechts vorn) neu errichtet. Lidl hat für seine Erweiterungspläne ein Hausgrundstück hinzugekauft (rechts im HIntergund, hinter den Bäumen. Dadurch sollen unter anderem Radfahrer und Fußgänger zusätzlich von der Straße „Am Heimbach“ aus den Markt erreichen können. Foto: Peter Dilling
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Lidl will wachsen: Der Discount-Markt wird abgerissen und auf den jetzigen Parkplätzen (rechts vorn) neu errichtet. Lidl hat für seine Erweiterungspläne ein Hausgrundstück hinzugekauft (rechts im Hintergrund, hinter den Bäumen).

Lidl will seinen Markt in der Kasseler Kohlenstraße abreißen. Gegenüber soll ein neues Gebäude entstehen, das fast doppelt so viel Verkaufsfläche haben wird. Dagegen gibt es nun Protest.

Außerdem hat Lidl angrenzend ein Hausgrundstück im Bereich der Straße „Am Heimbach“ dazu gekauft, auf dem Mitarbeiterparkplätze gebaut werden sollen. Das vorhandene Wohnhaus wird dafür abgerissen.

Gegen diese Pläne, die Martin Eger vom Kasseler Planungsbüro pwf vorstellte, gab es während der Sitzung des Ortsbeirats Wehlheiden heftigen Protest. Das Vorhaben sei überdimensioniert, hieß es. Das Gremium forderte die Stadt auf, wenigstens dafür zu sorgen, dass der Discounter dort auch Wohnungen baut als Ersatz für das dem Projekt zum Opfer fallende Wohnhaus.

Der Lidl-Markt hat momentan eine Verkaufsfläche von gut 800 Quadratmetern. Das neue, lang gezogene Gebäude mit einem schwach geneigten und begrünten Pultdach soll 1510 Quadratmeter Platz bieten. Im März sollen die Stadtverordneten den Bebauungsplan beschließen. Dann wird er öffentlich ausgelegt. Im September könnte dann Baurecht geschaffen werden.

Der Discounter werde sein Sortiment nicht erweitern, sondern plane, seinen Kunden durch niedrigere Regale und breitere Gänge mehr Komfort zu bieten und sein Sortiment in größerer Menge vorzuhalten, berichtete Eger. Auch die Sozialräume für die Mitarbeiter sollen großzügiger ausfallen. Neu geplant sei eine Backstation.

„Das ist eine Katastrophe für uns. Ich bin erschüttert“, sagte Heike Schaumann, Leiterin der Hausgemeinschaften für demenziell erkrankte ältere Menschen am Heimbach. Künftig würden die Bewohner vom Garten aus auf die hohe Wand des Discount-Markts schauen. Außerdem fürchte sie eine Lärmbelästigung durch anliefernde Lastwagen.

„Das ist eine explosionsartige Vergrößerung an dieser Stelle“, kritisierte Jan Hörmann (CDU). Dringend benötigter Wohnraum gehe verloren, der übrige Einzelhandel in Wehlheiden werde leiden, weil es schon genug Einkaufsläden im Stadtteil gebe. Anke Bergmann (SPD) und weitere Ortsbeiratsmitglieder argumentierten ähnlich.

Volker Mohr, Leiter des Stadtplanungsamts, verteidigte die Planung. Man könne Lidl nicht verwehren, sich dem Trend zur Modernisierung anzupassen. Erhebliche Nachteile für die Nahversorgung seien nicht zu erwarten. Mohr war aber beeindruckt vom Argument der Wohnraumvernichtung. Er werde mit dem Discounter sprechen, ob dieser auf seinem Areal zusätzlich ein Wohngebäude errichten könne.

Einmütig beschloss der Ortsbeirat zudem, dass die Stadt Pläne für eine Querungshilfe in Höhe des Kindergartens sowie für Poller zum Schutz von Fußgängern auf beiden Seiten des Kleinen Holzwegs erarbeiten soll.

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