Heimleiterin kritisiert Pläne 

Lidl-Neubau an der Kohlenstraße: Keine Rücksicht auf Demenzkranke?

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Kritisiert die Neubau-Pläne von Lidl: Renate Stumpf Huneck, Vorsitzende des Fördervereins der Hausgemeinschaft für demenziell erkrankte ältere Menschen am Heimbach, zeigt auf die Stelle, an der künftig die Lkw-Anlieferung stattfinden soll.

Lidl will an der Kohlenstraße in Kassel neu bauen - direkt neben einer Einrichtung für Menschen mit Demenz. Für die Bewohner sei das eine Belastung, kritisiert die Leiterin der Hausgemeinschaften.

Heike Schaumann, Leiterin der Hausgemeinschaften für demenziell erkrankte ältere Menschen am Heimbach Stadtteil Wehlheiden, fühlt sich und die 39 Bewohner ihrer Einrichtung im Stich gelassen. Von der Stadtverordnetenversammlung und vom Ortsbeirat Wehlheiden. Niemand habe sich für die Belange der Bewohner stark gemacht, nachdem das Unternehmen Lidl jetzt neu auf dem Grundstück an der Kohlenstraße bauen will – direkt an der Grenze zu der Einrichtung für Menschen mit Demenz.

„Sechs Meter soll es aufragen, direkt vor unseren Fenstern ist die Lkw-Entladung geplant“, sagt Schaumann. Es habe nur die lapidare Mitteilung des Planungsamtes gegeben, dass ab morgens um 6 Uhr die Lkw anfahren dürften. „Die Belastung für unsere Bewohner wird steigen.“

Der Ortsbeirat bedauere ausschließlich den Abriss des Doppelhauses Am Heimbach, das nun einem Mitarbeiterparkplatz weichen wird, sagt Schaumann. „Mit der Vernichtung von Wohnraum ist wohl eher Politik zu machen als mit den Bedürfnissen alter und kranker Menschen“, sagt die Leiterin.

„Ich frage mich, warum es niemanden zu stören scheint, dass auf die Menschen im Umfeld keine Rücksicht genommen wird?“ Vor gut anderthalb Jahren habe die Stadtverordnetenversammlung den Lidl-Neubau einfach durchgewinkt. Gegenstimmen habe es nur von den Linken gegeben.

Alle anderen Fraktionen hätten sich nicht mal die Mühe gemacht, nachzufragen, warum schon nach 13 Jahren ein Neubau auf dem Areal notwendig ist.

Ortsvorsteher Norbert Sprafke weist Kritik zurück

Ortsvorsteher Norbert Sprafke weist die Kritik der Heimleiterin zurück. Das Stadtteilgremium habe sich sehr wohl für die Belange der Bewohner mit Demenz eingesetzt und dazu einen Beschluss gefasst. Darin wird gefordert, dass die Bedürfnisse des Altenpflegeheims in Bezug auf Lärm, Geruchsbelästigung und Lichtimmissionen berücksichtigt werden. Der Anlieferverkehr für den Markt müsse den Lebensgewohnheiten der Heimbewohner angepasst werden.

Nach Angaben von Claas Michaelis, Sprecher der Stadt Kassel, nehme die Stadt die im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplanes von der Wohngruppe vorgebrachten Anregungen sehr ernst.

Um mögliche Missverständnisse auszuräumen, habe jetzt auch ein Gespräch mit Leiterin Schaumann und einem weiteren Vertreter des Seniorenheims sowie Vertretern der Stadt Kassel stattgefunden. Dabei hätten die Vertreter des Heims unter anderem folgende Anliegen vorgebracht:

  • Die Anlieferungszeiten sollen angepasst werden. Heckenpflanzungen entlang des Mitarbeiterparkplatzes sollen so belassen beziehungsweise mindestens in gleichwertiger Höhe nachgepflanzt werden, ebenso die Heckenpflanzung entlang der Einhausung.
  • Die Einhausung der Lkw-Anlieferung müsste stärker begrünt werden.

Das Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz halte die Anregungen der Einrichtung für umsetzbar und werde diese dem Investor vortragen, so Michaelis. Falls gewünscht, organisiere man auch einen gemeinsamen Termin.

VON ULRIKE PFLÜGER-SCHERB

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