Langjährige Leiterin

Mit Humor und Empathie: Claudia Zahn von der Evangelischen Familienbildungsstätte geht in der Ruhestand

Claudia Zahn, langjährige Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Kassel, im Flur des Katharina-von-Bora-Hauses.
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Eine Institution für Familien in Kassel: Claudia Zahn, langjährige Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Kassel, im Flur des Katharina-von-Bora-Hauses.

An der Evangelischen Familienbildungsstätte in Kassel endet eine Ära: Die langjährige Leiterin Claudia Zahn ist in den Ruhestand gegangen. Ein Abschiedsporträt.

Kassel – Ein Glück, dass Claudia Zahn robuste Knie hat. Einen großen Teil ihres Arbeitslebens hat sie auf dem Boden verbracht. Das bleibt nicht aus, wenn man mit Familien arbeitet. Wer einen Mehrlingstreff mit Krabbelkindern leitet, kann eben nicht auf dem Stuhl sitzen. Mehr als 30 Jahre lang hat Claudia Zahn sich in der Evangelischen Familienbildungsstätte in Wehlheiden auf die Lebenslagen, Fragen und Probleme von Eltern mit Kindern eingestellt – im Wortsinn auf Augenhöhe.

Mit dem 30. Juni endet die Dienstzeit der langjährigen Leiterin.

Dass sie bis zum Schluss auch Kurse gab, ist für die 63-Jährige eine Selbstverständlichkeit. Wer ein paar Jahre nur am Schreibtisch sitzt, der habe ruckzuck den Anschluss verloren, was Eltern mit Kindern bewegt, weiß Zahn.

Die gebürtige Münsteranerin kam für ihr Studium an die damalige Gesamthochschule. Schon ihr Praktikum machte sie Anfang der 1980er-Jahre bei der Familienbildungsstätte, damals noch in der Pestalozzistraße. Dass sie nahezu ihr ganzes Berufsleben dort verbringen sollte, ahnte Claudia Zahn nicht. Aber sie merkte schnell, dass ihr die Arbeit mit Familien liegt: die Vielfalt der Themenfelder und die Begegnung mit Menschen verloren über die Jahre nie ihren Reiz.

„Den Alltag zu gestalten und die Freude und Liebe wachzuhalten am Miteinander, ist für Familien eine Überlebensaufgabe“, sagt die Sozialarbeiterin, die zwei erwachsene Söhne hat. Ob Mutter-Vater-Kind oder alleinerziehend, Akademiker oder Hartz-IV, Regenbogen oder Patchwork: Familien und ihren Lebensentwürfen vorurteilsfrei zu begegnen, war ihr wichtig. Dabei gebe es eine Konstante, die sich bei allem Wandel der Erziehungsideale und der Alltagsgestaltung, durch die Jahrzehnte ziehe: „Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind“, sagt Zahn. Dabei bewege sich jeder und jede im Rahmen seiner Möglichkeiten. Pauschale Rezepte gebe es deshalb selten, sagt Claudia Zahn. „Kinder haben und erziehen, ist nicht wie ein Kochbuch.“

Ob Sauberkeitserziehung, Probleme mit pubertierenden Kindern oder der Dauerbrenner Grenzen setzen: Auch wenn sie schon hunderte Male über diese Themen gesprochen hatte, ließ sie sich jedes Mal neu mit großer Aufmerksamkeit auf ihr Gegenüber ein. Mit Empathie und an passender Stelle auch Humor zu schauen, was die schwangere junge Frau, die überforderte Mutter oder das Paar in der Krise braucht, das war Zahns Talent, das in ungezählten Beratungsgesprächen zum Tragen kann.

Dabei fühlte sie sich „getragen durch Gottes Liebe“, sagt die 63-Jährige, die sich ehrenamtlich unter anderem auch als Synodale im Kasseler Kirchenparlament engagierte. Für sie war es kein Widerspruch, unabhängig von Konfessionen zu arbeiten, aber zugleich für trauernde oder leidende Menschen, die nicht gläubig sind, zu beten.

Nach vielen Jahren, in denen sie für andere da war, freut sie sich nun, zuhause in Edermünde Zeit mit ihrem „Ollen“, wie sie mit westfälischer Schnauze ihren Mann nennt, und fürs „Wühlen“ im Garten zu haben. Fünf Katzen und eine Schildkröte gehören noch zum Haushalt der passionierten Tierschützerin. Auch in der eigenen Familie wird die dreifache Oma noch gebraucht – wobei der Ruheständlerin wichtig ist, zu betonen: „Nur, wenn man es wünscht.“ Das tut man. Ihre Schwiegertochter jedenfalls jubiliert schon, sie sei froh, sich nie einen Erziehungsratgeber kaufen zu müssen. (Von Katja Rudolph)

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