Die wohl bekanntesten Mörder Deutschlands beantragen Entlassung

Mörder Gäfgen und Meiwes wollen raus aus dem Wehlheider Gefängnis

+
Beide beantragen ihre Entlassung: Der als "Kannibale von Rotenburg" bekannte Armin Meiwes (links) und der Kindsmörder Magnus Gäfgen.

Kassel. Magnus Gäfgen und Armin Meiwes sitzen in der Sozialtherapeutischen Anstalt in Wehlheiden lebenslange Freiheitsstrafen ab. Beide haben eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung beantragt.

Sie haben beide einen Menschen ermordet, wurden beide Ende 2002 festgenommen, ihre Taten wurden mehrfach verfilmt und beide verbüßen ihre lebenslangen Freiheitsstrafen im selben Gefängnis in Kassel, in der Sozialtherapeutischen Anstalt (Sotha) in Wehlheiden.

Aus der wollen die wohl bekanntesten Mörder Deutschlands jetzt auch vorzeitig entlassen werden: Sowohl der Kindsmörder Magnus Gäfgen (42) als auch Armin Meiwes (55), der weltweit als „Kannibale von Rotenburg“ bekannt wurde, haben einen Antrag auf vorzeitige Entlassung gestellt, über die die Strafvollstreckungskammer des Kasseler Landgerichts demnächst entscheiden muss. Aber in beiden Fällen ist es derzeit noch völlig offen, ob einer der beiden Insassen das Gefängnis an der Windmühlenstraße in den nächsten Jahren als freier Mann verlassen darf.

Magnus Gäfgen wurde 2003 wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. 

Im Fall Gäfgen sollte es eigentlich bereits Ende September einen Anhörungstermin vor der Strafvollstreckungskammer des Kasseler Landgerichts geben, sagt Nadja Niesen, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Dieser sei aber aufgehoben worden. Gründe dafür nennt Niesen nicht. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Die Ermittlungsbehörde in Frankfurt ist für Gäfgen zuständig, weil er dort auch für die Entführung und Ermordung des elfjährigen Bankierssohn Jakob von Metzler verurteilt worden war.

Auch Meiwes wurde in zweiter Instanz vor dem Landgericht Frankfurt wegen Mordes und Störung der Totenruhe verurteilt. Laut Niesen hat die Strafvollstreckungskammer ein Gutachten beauftragt. Wann es in diesem Fall zu einer Entscheidung kommt, das könne dauern.

Der als "Kannibale von Rotenburg" bekannt gewordene Armin Meiwes. 

In der Sotha gibt es 140 Haftplätze. Je zehn Gefangene leben in einer von 14 Wohngruppen. Ob Gäfgen und Meiwes etwa in ein- und derselben Gruppe leben, darüber gibt die Anstaltsleiterin keine Auskunft. 

An der Freiheit nur geschnuppert

Seit 15 Jahren sitzen die beiden Mörder Magnus Gäfgen (42) und Armin Meiwes (55) hinter Gitter. Die vergangenen Jahre verbrachten beide in der Justizvollzugsanstalt Kassel II in Wehlheiden. Ein Blick auf ihre Fälle soll zeigen, wie hoch ihre Chancen auf eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung sind.

Neuer Name für Gäfgen

Der 42-jährige Magnus Gäfgen hat sich vor gut drei Jahren in Thomas David Lukas O. umbenannt. Damit er sich besser resozialisieren kann, wenn er irgendwann aus dem Gefängnis entlassen wird.

Im Jahr 2003 war Gäfgen vor dem Landgericht Frankfurt zu einer lebenslangen Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt worden. Er hatte im September 2002 den elfjährigen Bankierssohn Jakob von Metzler in Frankfurt entführt und ermordet.

Darüber hinaus hatte der Fall für Schlagzeilen gesorgt, weil der damalige Frankfurter Polizeivizepräsident dem Verdächtigen Gäfgen im Verhör mit Folter gedroht hatte, um das Leben des Jungen zu retten.

Er spielt gern Tischrtennis: Das Foto von Magnus Gäfgen wurde in der Sozialtherapeutischen Anstalt (Sotha) in Kassel aufgenommen.

Die 15 Jahre Mindesthaft, die es bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe gibt, sind in diesem Fall im Herbst dieses Jahres abgelaufen. Immer wenn die Entlassungszeit nahe, wende sich die Justizvollzugsanstalt an die Strafvollstreckungskammer, erklärte ein Sprecher des Landgerichts im Sommer gegenüber der HNA. Aktuell äußert man sich dort nicht mehr zur Entlassung Gäfgens, sondern verweist auf die Staatsanwaltschaft Frankfurt.

Da im Fall des Kindsmörders bei der Verurteilung die Schwere der Schuld festgestellt wurde, prüft die Strafvollstreckungskammer nun, ob die Mindestverweildauer für den Häftling aufgestockt werden muss. Zum Beispiel auf 17 oder 20 Jahre.

Mehrere Experten vertreten die Ansicht, dass es unwahrscheinlich ist, dass der Kindsmörder bald ein freier Mann ist und das Gefängnis auf Bewährung verlassen kann.

Hier ist die JVA Wehlheiden:

Allerdings hat Gäfgen nach Informationen unserer Zeitung zwischenzeitlich Freiheit geschnuppert, auch wenn es dazu keine offizielle Bestätigung gibt. Bei der HNA ging bereits vor etwa zwei Jahren ein anonymes Schreiben ein, dass er in Begleitung die Sotha in Wehlheiden für einige Stunden verlassen darf.

Schlechte Sozialprognose

Dem Vernehmen nach hat auch Armin Meiwes unter strenger Bewachung das Gefängnis in Wehlheiden schon für kurze Zeiträume verlassen. Der 55-Jährige, der als Kannibale von Rotenburg ab Dezember 2002 weltweit für Horror-Schlagzeilen und Entsetzen sorgte, könnte Ende des Jahres das Gefängnis für immer verlassen. Zumindest theoretisch.

Meiwes, der einen Menschen getötet und Teile von ihm gegessen hat, verbüßt in Kassel eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Die Mindestverbüßungsdauer dafür beträgt 15 Jahre und wird im kommenden Monat erreicht sein. Eine besondere Schwere der Schuld, die einer Entlassung nach 15 Jahren entgegenstehen würde, wurde vom Gericht seinerzeit nicht festgestellt.

Eine Strafaussetzung zur Bewährung, also eine Entlassung nach 15 Jahren, kommt aber grundsätzlich nur dann in Betracht, wenn der Gefangene über eine geraume Zeit durch vollzugsöffnende Maßnahmen entsprechend auf die Freiheit vorbereitet wurde. Außerdem darf nach Ansicht des zuständigen Gerichts und der psychologischen Sachverständigen die in der Tat zutage getretene Gefährlichkeit nicht mehr bestehen.

Die Heimat des "Kannibalen": In diesem Haus in Rotenburg-Wüstefeld tötete und verspeiste Armin Meiwes sein Opfer. Mittlerweile ist das Haus verfallen.

Aus Justizkreisen ist allerdings zu hören, dass Meiwes, der 2012 in die Sozialtherapeutische Anstalt nach Wehlheiden verlegt wurde (vorher saß er in der benachbarten Justizvollzugsanstalt Kassel I), keine gute Sozialprognose hat. Sein Behandlungsstand wird eher kritisch gesehen, wie die HNA bereits Anfang des Jahres berichtete.

In einem ersten Verfahren war Meiwes am 30. Januar 2004 vor dem Kasseler Landgericht nur wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Gut ein Jahr später hob der Bundesgerichtshof dieses Urteil auf. Eine Verurteilung nur wegen Totschlags und nicht wegen Mordes halte einer rechtlichen Überprüfung nicht stand. Darum wurde noch einmal verhandelt: Das Urteil des Frankfurter Landgerichts wurde schließlich vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Der Vorsitzende Richter Klaus Drescher, der Meiwes am 9. Mai 2006 im Schwurgerichtssaal des Frankfurter Landgerichts wegen Mordes in Tateinheit mit Störung der Totenruhe verurteilt hatte, legte bereits damals seinen Kollegen nahe, Meiwes nach 15 Jahren nicht freizulassen. Denn der bereue seine Tat nicht, sondern sei im Gegenteil noch stolz darauf.

Der Fall in Fotos: Hier finden Sie Bilder über die Geschichte von Armin Meiwes.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.