90 Linden in Gefahr

Abholzung soll beginnen: Protest gegen Kahlschlag in Kasseler Heinrich-Heine-Straße

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Sie sollen weg: Ab Montag sollen auf der Heinrich-Heine-Straße 90 Bäume gefällt werden. Die Stadt argumentiert damit, dass die Linden in einem schlechten Zustand seien.

Bleiben die Bäume in der Kasseler Heinrich-Heine-Straße zunächst stehen oder beginnt am Montag der Kahlschlag? Darauf darf man durchaus gespannt sein. 

Update: Am Montagmorgen war die Straße mit Halteverbotsschildern versehen, es kam zu Protesten gegen die Fällaktion. Ob die Fällaktion wirklich am Montag startet, ist unklar. 

Wie berichtet, wird die etwa ein Kilometer lange Straße saniert. Sie soll von einer holprigen Durchfahrtsstraße zu einer schmucken Anliegerstraße werden. Allerdings: Für den Umbau der Straße sollen ab dem heutigen Montag 90 Linden gefällt werden, die durch 122 neue Bäume ersetzt werden sollen. Der Haken an der Sache: Die neuen Bäume sind deutlich kleiner als die alten Linden.

Begründet wird der Kahlschlag vom Gartenamt, für das der grüne Dezernent Christof Nolda verantwortlich ist, mit dem schlechten Zustand der Linden. Sie würden, kurz gesagt, die nächsten zehn Jahre nicht überstehen.

Daran wird gezweifelt. Experten der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bezweifelten den schlechten Zustand und sprachen von „einer Schande“, wenn die bis zu 60 Jahre alten Linden tatsächlich gefällt würden. Man erwägt dagegen eine Klage. Auch viele Anwohner der Heinrich-Heine-Straße sind zwar für eine Straßensanierung, aber gegen das Abholzen von derart vielen Bäumen.

Nun meldet sich auch eine prominente Stimme aus der Spitze des Nabu Kaufungen-Lohfelden gegen den Kahlschlag: Peter Vesely, seit Jahren an herausragender Stelle des Naturschutzbundes aktiv, schickte am Samstag Mails an Kassels Stadtverordnetenvorsteher Volker Zeidler, Oberbürgermeister Christian Geselle und die Ortsvorsteher von Kassel-West und der Südstadt, auf deren Gebiet die Heinrich-Heine-Straße liegt. 

Peter Vesely, Nabu Kaufungen-Lohfelden

Nachdem er sich die Straße angesehen hat, sei er entsetzt und könne es nicht fassen, dass so mit den Bäumen umgegangen werden soll, schreibt Vesely. Ein paar kranken Bäume sollten kein Freibrief für die Planer sein, auf „einen Schlag für 90 Bäume das Todesurteil auszusprechen“.

Vesely fordert intelligente Lösungen und appelliert an die Stadt, die Bäume zu erhalten. „Alles wegmachen, ist immer das einfachste“, kritisiert er.

Der Mann muss wissen, wovon er spricht. Der heute 73-Jährige war selbst 20 Jahre lang Bauleiter im Tiefbauamt der Stadt Kassel.

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