Widerstand gegen geplante Rodung für Straßenumbau

Baumfällung an Heinrich-Heine-Straße in Kassel: Naturschützer prüfen juristische Schritte

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Sie kämpfen für den Erhalt der Linden: Forstwirt Gunther Rausch (links) und Bernhard Klug von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald auf der Heinrich-Heine-Straße, wo 90 Linden weichen sollen.

Es regt sich Widerstand gegen die geplante Abholzung von 90 Linden an der Heinrich-Heine-Straße, die in der nächsten Woche beginnen soll.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald prüft juristische Schritte gegen den Kahlschlag, der im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Umbau der Straße steht. Der Naturschutzverband widerspricht der Darstellung des Umwelt- und Gartenamtes, dass die Bäume nicht zu erhalten seien.

Aus Sicht von Bernhard Klug, dem Landesvorsitzenden der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, wäre es eine Schande, wenn die bis zu 60 Jahre alten Linden tatsächlich in der nächsten Woche gerodet würden. Sein Kollege, der Forstwirt Gunther Rausch, ergänzt: „Die Bäume haben kleine Schäden, aber der Großteil ist sehr wohl vital. Es stimmt einfach nicht, wenn die Stadt behauptet, sie hätten wegen der schlechten Standortbedingungen maximal noch eine Lebensdauer von zehn Jahren.“

So soll die Straße später aussehen: Die Bäume werden aber in den ersten Jahren deutlich kleiner sein als auf dieser Illustration abgebildet.

Wie die HNA berichtete, will die Stadt 90 der 137 Linden an der Straße fällen lassen und anschließend 122 neue Bäume pflanzen. Das Umwelt- und Gartenamt hatte mit dem schlechten Zustand des Baumbestands argumentiert. Zudem soll der Straßenraum neu gestaltet werden. Weil die Fahrbahn schmaler wird, sollen auch die Bäume weiter in Richtung Straßenmitte rücken. Dies soll verkehrsberuhigend wirken.

„Hier werden planerische Sachzwänge konstruiert. Dabei wäre es möglich gewesen, die Bäume, die ohne Frage größere Baumscheiben benötigen, in die Neugestaltung der Straße zu integrieren. Doch die Grundtendenz der Planer ist: Der Baum stört bei der Planung“, sagt Klug.

Es werde 30 bis 40 Jahre dauern, bis die neu gepflanzten Bäume eine ansehnliche Krone entwickeln werden, ergänzt Forstwirt Rausch. Auf den geschönten Visualisierungen der Straßenbauprojekte erschienen die Bäume in der Regel deutlich größer als sie zunächst seien.

47 alte Bäume werden erhalten: Wie diese integriert werden, sieht man auf dieser Illustration.

Nach Auskunft der Stadt soll die Straße mit vier verschiedene Arten bestückt werden: Silberlinden, Eichen, Feldahorne und Blauglockenbäume. Die Sommerlinde mit der bekannten Problematik des klebenden Honigtaus ist nicht mehr vorgesehen.

Die neuen Bäume sollen einen Stammdurchmesser von 20 bis 25 Zentimetern haben. Dies entspricht der Größe der Bäume, die 2015 an der Friedrich-Ebert-Straße aufgesellt wurden. Noch größere Bäume zu pflanzen sei zu teuer. Die Stadt beziffert die Mehrkosten für Bäume mit 30 bis 35 Zentimeter Stammumfang auf 275 000 Euro. Dies übersteige die Möglichkeiten. Zudem steige bei größeren Bäumen das Risiko, dass sie nicht richtig anwachsen.

Vergleich: Neue Bäume haben Größe wie auf Friedrich-Ebert-Straße.

Es ärgert die Naturschützer, dass der Naturschutzbeirat und die Ortsbeiräte keine Einwände gegen das Vorhaben vorgebracht haben. „Es gibt da offenbar eine Amts- und Fachgläubigkeit“, sagt Klug. Die Rodung werde ökologische Folgen haben. Die Linden seien eine Hauptnahrungsquelle für die Bienen. Klug befürchtet, dass der große Aufschrei erst dann komme, wenn die Fällung vollzogen ist.

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