BUND: „Wir wurden nicht zur Fällung gefragt"

Streit um Rodung in Kasseler Heinrich-Heine-Straße: Naturschützer widersprechen der Stadt 

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90 von 137 Bäumen sollen gefällt werden: Durch Widersprüche wird die Abholzung aktuell blockiert.

Die Stadt Kassel hatte die Naturschutzverbände BUND und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Zusammenhang mit der geplanten Rodung der Heinrich-Heine-Straße nicht gut aussehen lassen.

Sie seien, so sagte es Stadtbaurat Christof Nolda bei einer Pressekonferenz am Dienstag, rechtzeitig über die Fällung von 90 von insgesamt 137 Bäumen informiert worden. Es seien aber keine Einwände gekommen. Der Darstellung widersprechen die Verbände.

Richtig ist, es gab zwei Sitzungen des Naturschutzbeirates im September und Dezember 2018, in denen sich das beratende Expertengremium mit der Straßensanierung beschäftigte. Der Beirat, für den auch die Naturschutzverbände jeweils einen Fachmann vorschlagen, der dann von der Stadt berufen wird, hatte aber nie über die grundsätzliche Frage der Rodung zu entscheiden.

„Die Mitglieder wurden keinesfalls dazu befragt, ob sie der Fällung zustimmen. Insofern konnten sie weder zustimmen noch widersprechen. Es ging allein um die Frage, welche neuen Bäume sich die Mitglieder an der Straße wünschen“, sagt Wilfried Bonnet, Vorstandsmitglied des BUND-Kreisverbandes Kassel. Es sei also falsch zu behaupten, sie hätten die Fällung akzeptiert. „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Es hieß, die Bäume seien krank und nicht zu retten. Die Planung war im Herbst 2018, als wir eingebunden wurden, ohnehin abgeschlossen.“ Dieser Sachverhalt gehe auch aus den Sitzungsprotokollen hervor, so Bonnet, der gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbeirates ist.

Unterdessen hat sich der BUND Kassel dem Widerspruch der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) angeschlossen. Mit diesem greifen die Verbände die Fällerlaubnis der Unteren Naturschutzbehörde an. Die Behörde hatte eine Ausnahmegenehmigung erteilt, da die Heinrich-Heine-Straße als Allee unter besonderem Schutz steht. Die Widersprüche haben aufschiebende Wirkung. Das heißt, es darf erst gefällt werden, wenn darüber entschieden ist.

Sollte dies erst auf dem Klageweg vor dem Verwaltungsgericht geschehen, was der BUND nicht ausschließt, würde sich das Bauvorhaben um Monate verschieben. Denn eine Fällung ist in der Brutzeit von März bis September nicht erlaubt.

Bei einem klärenden Gespräch zwischen SDW und Umwelt- und Gartenamt wurde am Donnerstag kein Kompromiss erzielt. „Unsere Bedenken hinsichtlich der Fällung konnten nicht ausgeräumt werden. Eine Sanierung ist aus unserer Sicht auch mit dem Erhalt der Bäume möglich“, sagt Bernhard Klug, Vorsitzender der SDW.

Das sagt die Stadt Kassel

Die Stadtverwaltung teilte auf HNA-Anfrage Folgendes mit: „Der Naturschutzbeirat wurde in seiner Sitzung vom 11. September 2019 ausführlich über die geplante grundhafte Erneuerung der Heinrich-Heine-Straße inklusive der Entfernung von 90 Bäumen informiert. Hierzu erging auch im Nachgang kein Widerspruch. Vielmehr wurde eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Beirates gebildet. Diese hat über die geplanten Baumarten beraten. Die Stellungnahme wurde in der Planung berücksichtigt. Eine Verschwiegenheitspflicht besteht für die Mitglieder im Naturschutzbeirat nicht.“

Auch am Kasseler Friedrichsplatz wurden Bäume gefällt. Dieses Vorhaben wird wurde ebenfalls stark kritisiert.

Hier befindet sich die Heinrich-Heine-Straße in Kassel:

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