Kostenlos und inklusive Kinderbetreuung

Zusammen ist man weniger allein: Neues Angebot für Alleinerziehende in Kassel

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In Kassel bisher einzigartig: Nach Ostern startet in Wehlheiden und Rothenditmold das Beratungs- und Betreuungsprogramm „wir2“ für alleinerziehende Mütter und Väter. Unser Symbolbild zeigt den Schatten eines Vaters mit seinen zwei Kindern. 

Kassel. Das Beratungs- und Betreuungsangebot für alleinerziehende Mütter und Väter in Kassel ist überschaubar. nach Ostern startet mit "wir2" ein neues Programm für Eltern mit Kindern zwischen drei und zehn Jahren.

Wer alleinerziehend ist, muss häufig doppelt so viel schultern wie Eltern, die noch zusammen sind. Dabei können sowohl die eigenen Bedürfnisse als auch die des Kindes auf der Strecke bleiben. Um die Herausforderungen des Alltags bewältigen zu können, bietet der Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) ein neues Programm an, dass sich ausschließlich an alleinerziehende Mütter und Väter mit Kindern zwischen drei und zehn Jahren richtet – und zwar kostenlos.

Nach Ostern soll in Wehlheiden und Rothenditmold der Startschuss für „wir2“ fallen. In wöchentlichen Gruppentreffen wollen die Sozialarbeiter Yvonne Gronau-Lonic und Thomas Heinz (Wehlheiden) sowie Thomas Hirth und Maite van Eick (Rothenditmold) die Beziehung der Mütter und Väter zu ihren Kindern stärken und den Alleinerziehenden helfen, ihr Selbstvertrauen hinsichtlich ihrer Elternrolle zu stärken. Gleichzeitig bietet der AKGG für die Zeit während der Treffen eine Kinderbetreuung durch Erzieher und Sozialassistenten in Ausbildung vor Ort an.

Thomas Heinz

In den 20 jeweils 90-minütigen Sitzungen werden vier verschiedene Themenkomplexe á fünf Sitzungen behandelt. Selbstwahrnehmung: Hier geht es vor allem um die Mütter und Väter selbst. Ziel sei unter anderem, sich in Gesprächen und gemeinsamen Übungen in die eigene Kindheit zurückzuversetzen, sich mit Problemen und Ängsten, die man hatte, auseinanderzusetzen, aber auch die eigenen Stärken zu erkennen, erklärt Heinz (47).

Yvonne Gronau-Lonic

Es folgt die Situation des Kindes. „Viele Alleinerziehende nehmen ihre Kinder als stressig wahr, weil sie so viel alleine managen müssen“, sagt Heinz. Eine Überlastung der Eltern wirke sich häufig auf die Entwicklung der Kinder aus. Deshalb sei es wichtig, das Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder zu stärken und nachvollziehen zu können, wie es zu verschiedenen Verhaltensweise von Kindern kommt, sagt Gronau-Lonic (41). Dazu würden die Eltern etwa in Impro- und Rollenspielen die Perspektive ihres Kindes einnehmen. 

Im dritten Teil geht es um die Gesamtsituation der Familie, also auch das Leben mit einem neuen Partner und das Verhältnis zum Ex-Partner. Abschließend sollen gemeinsam Lösungen für Alltagsprobleme erarbeitet werden, wie den Umgang mit Regeln für die Kinder und das Lösen von Konflikten, wenn es niemanden gibt, mit dem man darüber Rücksprache halten kann.

Am Ende jeder Sitzung bekommen die Eltern eine kleine Wochenübung, wie ein positives Tagebuch über ihr Kind zu führen oder einen Brief an den Ex-Partner zu formulieren, um sich über ihre Gefühle klar zu werden.

Weil es eine sehr persönliche und intime Angelegenheit sei, sich in einer Gruppe derart zu öffnen, gebe es die zwei Standorte für „wir2“ in Wehlheiden und Rothenditmold, sagt Gronau-Lonic. Wer also bei den Treffen nicht dem Nachbarn begegnen wolle, könne sich am weiter entfernten Standort anmelden. Wer sich nach einem telefonischen Vorgespräch mit den Sozialarbeitern aber entscheide, an dem Programm teilzunehmen, tue dies verbindlich. Denn nur durch Zuverlässigkeit in der Teilnahme könnten die Gespräche und Übungen auch Früchte tragen, sagen die Projektleiter.

Sowohl für Wehlheiden, wo die Treffen im Familienkompetenzzentrum stattfinden, als auch für Rothenditmold im Familienzentrum sind noch Plätze frei. In Wehlheiden soll es mit dem von der der Walter-Blüchert-Stiftung geförderten Programm „wir2“ am 16. April mit wöchentlichen Treffen am Montagnachmittag losgehen, entweder ab 14.30 oder 15 Uhr. In Rothenditmold finden die Treffen jeweils freitagvormittags zwischen 10 und 11.30 Uhr statt.

Weitere Infos gibt es auf der Homepage von "wir2".

Kontakt 

Wehlheiden, AKGG Familienkompetenzzentrum Wehlheiden, Wehlheider Straße 8: Yvonne-Gronau Lonic und Thomas Heinz, Tel.: 0561/816 44 300, E-Mail: beratungszentrum@akgg.de

Rothenditmold, Familienzentrum, Wolfhager Straße 170: Thomas Hirth und Maite van Eick, Tel.: 0561/68 226, E-Mail: familienzentrum@kinderschutzbund-kassel.de

Hintergrund: Angebote für Eltern in Kassel

In Kassel, dem Landkreis und dem Landkreis Waldeck-Frankenberg leben zusammengerechnet 15.300 Alleinerziehende. Genauer wird das Statistische Landesamt da nicht. Neben „wir2“ des AKGG gibt es in Kassel quasi keine Angebote, die sich ausschließlich an Alleinerziehende richten. 

Doch auch ihnen stehen andere Elternangebote offen: Unterstützung zur finanziellen Hilfe und bei Erziehungsproblemen bietet die Beratungsstelle Bewusste Elternschaft, weiter unterstützt Pro Familia unter anderem bei rechtlichen Problemen. Der Deutsche Kinderschutzbund Ortsverband Kassel gibt Erziehungsberatung und hilft bei Konfliktbewältigungen. Beratung ausschließlich für Frauen gibt es bei Frauen informieren Frauen, dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und dem Sonderfachdienst Frauenbüro (für Frauen aus dem Landkreis Kassel). Die Stadt hat auf ihrer Internetseite Angebote aufgelistet.

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