Aufruf über Facebook

250 trafen sich zum Biertrinken am Wehlheider Platz

Kassel. "Nörten saufen am Corner": 250 meist junge Menschen trafen sich Freitagabend auf dem Wehlheider Platz in Kassel, um zusammen Bier zu trinken.

„Das ist ja wie ein Happening“, sagt eine Frau am Freitagabend, die in der Nähe des Wehlheider Platzes wohnt. Sie war runter auf die Straße gekommen, in der Annahme, auf dem Platz finde eine Demonstration statt.

Mit Politik hatte das Treiben auf dem Platz aber wenig zu tun. Eher mit Geselligkeit. Bis zu 250 junge Menschen (die Mehrzahl davon männlich) waren einem Aufruf bei Facebook unter dem Motto „Nörten saufen am Corner“ gefolgt. Beim so genannten „Cornern“ treffen sich Menschen auf der Straße, um mit anderen abzuhängen.

Waren dem Aufruf bei Facebook gefolgt: Vier Jungs mit Nörten-Masken.

Janek aus Lohfelden war gegen 18 Uhr einer der ersten, der mit seinem Kumpel und einer Kiste Nörten Hardenberger auf dem Platz eintraf. „Man muss regional trinken“, sagte Janek. Der Vorteil an Nörten Hardenberg sei, dass es bei Martini in Kassel gebraut werde. So sei sein Bierkonsum quasi auch ein Beitrag zum Umweltschutz. Viele der Teilnehmer holten sich ihr Bier im benachbarten Rewe-Getränkemarkt. Nach Angaben von Geschäftsführer Tobias Berszinski gehört die Sorte zu den günstigsten Bieren im Geschäft. Eine Kiste kostet ohne Pfand 7,79 Euro.

Früher hätten bis zu 100 Personen am Freitagabend auf dem Parkplatz vor dem Markt abgehangen und getrunken, sagt Berszinski. Die Leute hab man dann weggeschickt. Die Veranstaltung auf dem Wehlheider Platz sei wohl daraus entstanden. Wenn alles im Maße bleibe, sei das ja auch in Ordnung.

Von einer „sehr friedlichen Veranstaltung“ spricht Ingo Happel-Emrich, Sprecher der Stadt Kassel. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes hätten viele Gespräche mit den Nörten-Konsumenten geführt. Wegen Grölens seien einige Verwarnungen ausgesprochen worden, die Betroffenen hätten sich aber einsichtig gezeigt. Allerdings habe es 15 Verwarnungen wegen Urinierens in der Öffentlichkeit gegeben. Die Wildpinkler mussten jeweils 35 Euro zahlen.

Die meisten Biertrinker genossen aber einfach nur den Abend. „Ich dachte zuerst, dass wäre ein gesponserter Abend von der Brauerei“, sagte des 18-jährige Sebastian. Er war aber nicht traurig darüber, dass es kein Freibier gab. Schließlich sei Nörten günstig und schmecke. „Ich finde das hier richtig chillig“, fiel Sebastians Urteil aus.

250 trafen sich zum Biertrinken am Wehlheider Platz

Richtig begeistert waren zwei Männer und eine Frau, die sich jeden Tag auf dem Platz mit ihren Hunden aufhalten und trinken. „Das ist eine Super-Überraschung, dass heute Abend hier so viele Leute sind“, sagte Tim (33). Ein Kumpel von ihm, der gerade in der Entgiftung sei, sage immer, dass der Wehlheider Platz ihr Wohnzimmer sei. „Und das sind heute Abend alles unsere Gäste“, so die 30-jährige Jenny. „Wirklich klasse“, so der 46-jährige Andy. Normalerweise bekämen sie immer Ärger, wenn sie mit zehn bis 15 Leuten auf Platz trinken würden, erzählen die drei. „Heute ist einfach nur eine tolle Atmo.“

Wehmutstropfen dieser Party: Einige Nörten-Trinker haben vergessen, ihren Müll zu entsorgen. Da mussten die Stadtreiniger am Samstagmorgen mal wieder einspringen.

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