Beliebt in Tuning-Szene

Nach Unfall auf Kohlenstraße: Anwohner fast schon an aufheulende Motoren gewöhnt

Kassel. Nach dem schweren Unfall auf der Kohlenstraße in der Nacht zu Samstag haben wir mit Anwohnern gesprochen. Viele von ihnen sind fast schon an aufheulende Motoren, quietschende Reifen, laute Musik und wummernde Bässe gewöhnt.

Deshalb habe er sich auch erst mal nichts dabei gedacht, als er gegen Mitternacht, als er gerade ins Bett gehen wollte, einen etwas lauteren Knall gehört habe, erzählt Gerald Schodder, der dort wohnt. Kurz danach habe ein Motor aufgeheult, es habe sich angehört, als wenn das Auto stadteinwärts unterwegs sei.

Die Kohlenstraße ist als beliebter Treffpunkt für illegale Autorennen in der Tuning-Szene bekannt. Anwohner berichten der HNA: „In den Nächten von Freitag auf Samstag ist es besonders schlimm.“ Meist zwischen 23 und 1 Uhr.

Nach Einschätzung der Polizei gibt es in der Stadt zwar keine „klassischen Rennstrecken“. Auf großen Ein- und Ausfallstraßen, darunter auch die Kohlenstraße, gebe es aber immer wieder Fahrer, die deutlich zu schnell unterwegs seien. Zuletzt hatte es an der Kohlenstraße mehrfach Kontrollen gegeben.

Erst im Sommer waren an fast dergleichen Stelle zwei junge Männer bei einem Unfall schwer verletzt worden. Das Fahrzeug war ebenfalls zu schnell unterwegs und gegen eine Verkehrsinsel geprallt.

Diesmal habe ihn erst das Blaulicht dann darauf schließen lassen, dass gut 300 Meter entfernt von seiner Wohnung etwas Schlimmeres passiert sein muss, erzählt Anwohner Gerald Schodder weiter. Seit fast zehn Jahren lebt er in Wehlheiden. Dass man durch die aufheulenden Motoren um den Schlaf gebracht werde, sei fast nebensächlich. Schodder macht sich seit Jahren Sorgen, dass irgendwann ein schlimmer Unfall wie dieser passiert.

Er hat den Eindruck, dass die Raser meist die Fast-Food-Ketten ansteuern, sich dort stärken und dann wieder zurück Richtung Stadt fahren. „Stadteinwärts klingen die Motoren aggressiver.“

Auch ein Mitarbeiter der Esso-Tankstelle an der Kohlenstraße berichtet von aufheulenden Motoren. Während der Nachtschichten sei das schon auffällig. Vom Gefühl her seien einige Fahrzeuge doppelt so schnell unterwegs, wie es erlaubt ist. Gelegentlich käme mal jemand rein und kaufe etwas, aber die Tuning-Szene würde sich nicht an der Tankstelle sammeln.

„Wenn es dunkel ist, dann wird hier schneller gefahren“, bestätigt auch ein Mitarbeiter des Restaurants Marivos gegenüber der Esso-Tankstelle. Nicht umsonst stehe die Polizei dort sehr häufig und kontrolliere die Geschwindigkeit. Aber auch auf der Friedrich-Ebert-Straße sei ihm das schon aufgefallen.

In der Kasseler Innenstadt sind außerdem zunehmend Autofahrer allein unterwegs, die mit aufheulenden Motoren ihre aufgemotzten Autos zeigen wollen. Auch wenn es sich hier nicht um ein Rennen mit direkter Konkurrenz handelt: Meist sind auch sie viel zu schnell unterwegs und gefährden damit andere Verkehrsteilnehmer.

Neues Gesetz macht Autorennen zur Straftat

Bislang waren Autorennen zwar verboten, stellten aber keine Straftat, sondern lediglich eine Ordnungswidrigkeit nach der Straßenverkehrsordnung dar. Wer an illegalen Autorennen teilnehm, musste mit einer Geldbuße von 400 Euro, zwei Punkten in der Verkehrssünderdatei und einem Monat Fahrverbot rechnen. Das hat sich jetzt geändert. Ein neues Gesetz, das Ende September in Kraft getreten ist, stuft illegale Autorennen als Straftat ein. Das gilt nicht nur für Gruppen, die Straßen zu einer Rennbahn machen, sondern auch für Einzelpersonen, die fahren, als wären sie in einem Rennen. 

Strafbar wird zudem laut Paragraf 315d des Strafgesetzbuches schon der Versuch, ein illegales Rennen zu planen, auch wenn es dann nicht stattfindet. Damit soll verhindert werden, dass Organisatoren straflos davonkommen, wenn die Polizei von dem Vorhaben erfährt und es vereitelt. Wer an einem illegalen Autorennen teilnimmt, muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen. Wer bei einem Straßenrennen einen Menschen tötet, schwer verletzt oder eine größere Anzahl von Menschen verletzt, soll bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe bekommen können.

Fünf Menschen bei Unfall auf Kohlenstraße verletzt

SAMSUNG CSC
 © Hessennews.TV
 © Hessennews.TV
 © Hessennews.TV
 © Hessennews.TV
SAMSUNG CSC
 © Hessennews.TV
SAMSUNG CSC
 © Hessennews.TV
SAMSUNG CSC
 © Hessennews.TV
SAMSUNG CSC
 © Hessennews.TV
SAMSUNG CSC
 © Hessennews.TV
SAMSUNG CSC
 © Hessennews.TV
SAMSUNG CSC
 © Hessennews.TV

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.