Forderung nach klaren Regeln für Veranstaltung

Stoppt Ortsvorsteher Sprafke Saufgelage auf dem Wehlheider Platz in Kassel?

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Beliebt bei jungen Menschen: Bei den Trinkveranstaltungen in der Vergangenheit wurde der Kochtopf-Brunnen auf dem Wehlheider Platzes zur Kühlung des Bieres genutzt.

Kassel. Heidi Seliger und Brigitte Borleis sind gar nicht begeistert, als sie erfahren, dass es wieder soweit ist. Auf einer Facebook-Seite wird für den 8. September zum „Nörten saufen am Corner“ auf den Wehlheider Platz eingeladen.

Zum dritten Mal. Die beiden Frauen, die in dem Café Oliev am Wehlheider Platz arbeiten, haben gar keine guten Erinnerungen an diese Veranstaltung, zu der sich viele junge Menschen treffen.

„Am nächsten Tag ist hier alles Kraut und Rüben“, sagt Brigitte Borleis. „Dann müssen wir und alle rechtzeitig in Sicherheit bringen“, sagt ihre Kollegin. Im vergangenen Jahr seien nach der Trinkveranstaltung alle Stühle und Tische des Cafés, die draußen zusammengestellt worden waren, zerstört gewesen.

Norbert Sprafke

Auf der Facebook-Seite, auf der zu dem gemeinsamen Trinken der Billig-Biermarke eingeladen wird, ist zu lesen: „Nörten saufen am Corner geht in Runde 3! Dieses mal während der documenta. So können auch wir ein bisschen was von unserer Kultur zeigen! Also holt die Partyfahnen raus, zieht euch nen frischen Schlüpfer an, stellt ordentlich viel Nörten kalt und kommt gut gelaunt zum Nörten saufen am Corner!“ Wehlheidens Ortsvorsteher Norbert Sprafke findet das gar nicht lustig. „Ein Massenbesäufnis ist ein Massenbesäufnis und kein Beitrag zur documenta, zur Kasseler Folklore oder zur Jugendkultur.“

Er fordert deshalb den Magistrat der Stadt Kassel auf, sollte sich die angekündigte Veranstaltung nicht verhindern lassen, sie in geordnete Bahnen zu lenken und sämtliche ordnungsrechtlichen Instrumente auszupacken. Es müsse dafür gesorgt werden, dass Lärmschutz – und Jugendschutzvorschriften eingehalten werden, dass der Veranstalter genügend Toiletten bereitstellt und Verunreinigungen des Platzes und der umliegenden privaten und öffentlichen Liegenschaften verhindert und beseitigt.

Ordnungsamt vor Ort: Mitarbeiter der Stadt beobachten die Veranstaltung auf dem Wehlheider Platz.

Nach den bisherigen Veranstaltungen dieser Art habe es Beschwerden über die Verunreinigungen privaten Geländes gegeben. Auch sei es notwendig, den Veranstalter, der über Facebook einlädt, und direkt mit der Nörten-Hardenberger Brauerei beziehungsweise der Martini-Brauerei verlinkt ist, zu identifizieren, so Sprafke. „Dem Veranstalter muss deutlich werden, dass er das Kostenrisiko für Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit trägt.“ Auch müsse den umliegenden Geschäften, die Alkohol, insbesondere Nörten- Hardenberger Bier, verkaufen, ihre Mitverantwortung deutlich gemacht werden.

Das sagt die Stadt Kassel

Polizei und Ordnungsamt würden als zuständige Sicherheitsbehörden gemeinsam geeignete Maßnahmen erörtern und umsetzen, um Eskalationen anlässlich der angekündigten Veranstaltung „Nörten saufen am Corner“ zu begegnen. Nach Angaben von Sascha Stiebing, Sprecher der Stadt, konzentrierten sich im Vorfeld des Treffens die Sicherheitsbehörden zunächst darauf, einen Veranstalter zu ermitteln. 

„Wenn konkrete Personen ermittelt werden können, die zu der Veranstaltung eingeladen haben, besteht die Möglichkeit, konkrete Maßnahmen gegenüber dem oder den Veranstaltern anzuordnen, so Stiebing. Das seien zum Beispiel die Verpflichtung zum Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes vor Ort, das Aufstellen von Toilettencontainern und die Beseitigung von Verschmutzungen. Falls kein Veranstalter ermittelt werden kann, müsse geprüft werden, ob für den Wehlheider Platz ein Aufenthaltsverbot auf der Grundlage des Hessischen Polizeirechts verfügt werden könne.

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