CDU: Stadt will Bürger weichkochen

Abgesperrter Stockplatz: „Wie Guantanamo von außen“

„Wunde im Stadtbild“: Ortsvorsteher Norbert Sprafke ist mit dem derzeitigen Zustand des Georg-Stock-Platzes nicht glücklich. Er kann sich vorstellen, dass ein Teil des Platzes bebaut werden könnte. Fotos:  Pflüger-Scherb

Wehlheiden. „Es bleibt dabei: Der Stockplatz bleibt für Bürger frei!“ Dieser Satz ist auf CDU-Plakaten zu lesen, die seit einiger Zeit rund um den Georg-Stock-Platz aufgestellt worden sind.

Damit wolle man deutlich machen, dass die CDU generell gegen eine Bebauung des Platzes ist, sagt Jan Hörmann.

Der Vorsitzende der CDU Wehlheiden befürchtet, dass die „Stadt die Wehlheider Bürger weichkochen will, indem der unmögliche Zustand des Platzes noch weitere ein bis drei Jahre beibehalten wird“. Seit vergangenen Sommer ist der Platz gesperrt. Grund: Im Erdreich soll nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht werden. Wann das geschieht, ist aber noch völlig unklar. Die Stadt hat bislang noch kein Geld für die Bombensuche in den Haushalt eingestellt.

„Geld gibt es genug“, sagt Hörmann. Die Stadt warte nur, weil sie hoffe, dass die Akzeptanz für eine Bebauung wachse. „Das sieht doch jetzt wie Guantanamo von außen aus.“ Wenn dann irgendwann ein Investor komme, der den Platz kaufen und bebauen wolle, werde dieser noch als Retter gefeiert.

Die CDU beharre aber darauf, dass der Platz frei bleibt und natürlich neu gestaltet werde, weil es sich um eine der letzten Freiflächen in Wehlheiden handele. Zudem benötige die Wehlheider Kirmes die Fläche.

Für Dirk Reimann, Vorsitzender der Kirmesgemeinschaft der TG Wehlheiden, ist es wichtig, dass der Platz seinen „Kirmesplatzcharakter“ behält. „Das Schlimmste wäre für uns, wenn wir eine viergeschossige Bebauung bis zur Kohlenstraße bekommen würden.“ Für die Kirmes sei es schon wichtig, dass eine Fläche entlang der Kohlenstraße inklusive der Bäume unbebaut bleibe. „Je mehr Quadratmeter wir für die Kirmes zur Verfügung hätten, desto besser“, sagt Reimann.

Stadt hält sich bedeckt

Jan Hörmann

Was mit dem Platz nach der Bombensuche passiert, ist bislang nicht bekannt. „Die Stadt macht sich Gedanken darüber, ob eine städtebauliche Entwicklung an dieser Stelle möglich ist“, sagt Sprecher Ingo Happel-Emrich.

Christdemokrat Hörmann geht allerdings davon aus, dass es bereits Pläne gibt, das gesamte Areal zu vermarkten. Es sei „utopisch“ zu glauben, dass ein Investor sich dann darauf einlasse, einen Teil des Platzes für die Kirmes freizulassen.

Darauf setzt aber Ortsvorsteher Norbert Sprafke (SPD). Er bezeichnet den Stockplatz als „Wunde im Stadtbild“, die seit der Zerstörung der Bebauung im Krieg nicht geschlossen worden sei. „Wenn der Platz in dem jetzigen Zustand bleibt, wird sich auch kein privater Eigentümer im Umfeld veranlasst sehen, zu investieren.“ Die SPD befürworte deshalb eine städtebauliche Studie, die der Frage nachgeht, wie sich eine Teilbebauung des Platzes auf das Quartier auswirken könne. Dies geschehe aber nur in Absprache mit der Kirmesgemeinschaft und unter Einbeziehung der Bürger.

Sprafke kann sich vorstellen, dass ein Teilbereich des Platzes verkauft und bebaut wird. Mit dem Erlös könne die Stadt dann den Rest des Platzes ordentlich gestalten.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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