Spartipps hinter Gittern

JVA Wehlheiden wird für mehrere Millionen saniert

Diese Fenster sind reine Energieschleudern: Die Studenten Melanie Wagner und Konstantinos Theologou haben mit vier weiteren Kommilitonen die JVA I in Wehlheiden aus energetischer Sicht unter die Lupe genommen. Foto:  Fischer

Kassel. In der Justizvollzugsanstalt Kassel I wird alles dafür getan, dass niemand einfach so entwischen kann. Klappt das bei den Inhaftierten, so gibt es allerdings große Probleme bei der Energie:

Aufgrund alter Fenster entweicht die Wärme aus dem 133 Jahre alten Knast, ohne dass sie jemand aufhalten könnte. Derzeit noch. Ab 2017/2018 soll die Anstalt für mehrere Millionen grundsaniert werden. Das kündigte Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann am Montag an. Besondere Probleme gibt es derzeit beim Brandschutz.

Anlass ihres Besuchs war die Vorstellung der Projektstudie „Solarcampus“ der Universität Kassel - Institut für Thermische Energietechnik. Sechs Studenten des Masterstudienganges „Regenerative Energien und Energieeffizienz“ haben unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Vajen den Knast unter energetischen Gesichtspunkten untersucht.

Dabei sind die Studenten unter anderem zu diesen Ergebnissen gekommen: Wenn die 69 alten undichten Fenster mit Einfachverglasung auf den Gängen der JVA durch neue ersetzt würden, dann könne die Anstalt Geld sparen. Die Studenten haben ausgerechnet, dass mit neuen Fenstern 8000 Euro an Energiekosten eingespart werden könnten. 69 neue Fenster kosteten 40.000 Euro. Allerdings haben die Studenten bei ihrer Kalkulation die nicht unerheblichen Handwerkerkosten für den Einbau nicht berücksichtigt.

Weiteres Sparbeispiel: 11.000 Euro würde es kosten (wieder ohne Kosten für Installation), die Vorschaltgeräte und Leuchtmittel der Lampen im Außenbereich der JVA und auf den Fluren auszutauschen. Dadurch würden insgesamt 46 000 Kilowattstunden pro Jahr, insgesamt rund 10.000 Euro, gespart werden.

Insgesamt würden in der JVA Kassel I pro Jahr 1,9 Millionen Kilowattstunden (Kosten 400.000 Euro) und 9,5 Millionen Kilowattstunden Fernwärme (Kosten 880.000 Euro) verbraucht, sagte Studentin Melanie Wagner.

Da es nur wenige Zähler im Gefängnis gebe, sei es unmöglich festzustellen, wo der Strom genau hinfließe und an welchen Stellen Energie eingespart werden könnte. Vor einer Grundsanierung der JVA sei es dringend erforderlich, weitere Zähler einzubauen, um diese Fakten ermitteln zu können, sagt Vajen.

Zudem schlagen der Professor und die Studenten vor, Anreize zu schaffen, damit im Knast Energie gespart wird. Bedienstete der JVA könnten zum Beispiel dazu animiert werden, wenn mit eingespartem Geld ein Betriebsausflug gesponsert würde.

Und die Gefangenen? Man könne sich zum Beispiel darüber Gedanken machen, dass Inhaftierte künftig an den Kosten beteiligt würden, wenn sie zu viel Energie verbrauchten, so JVA-Leiter Jörg-Uwe Meister.

Die Kasseler Landtagsabgeordnete Karin Müller (Grüne) ist zuversichtlich, dass viele Inhaftierte ein Interesse daran haben, Energie zu sparen. Schließlich sei die „grüne Knastgruppe“ bei einem Besuch in der Anstalt auf sie zugekommen und habe ihr mitgeteilt, dass durch die maroden Fenster und Duschen in der Anstalt Energie verschwendet werde.

Hintergrund: Ab 1873 erbaut

Die Anstalt Wehlheiden wurde 1873 bis 1882 erbaut. Im Laufe der Jahrzehnte schlossen sich verschiedene Anbauten an. 1938 wurde das sogenannte Bezirkskrankenhaus errichtet.

Als Zentralkrankenhaus ist es heute nach wie vor das zentrale Krankenhaus für den gesamten hessischen Justizvollzug. Durch die landesweite Zuständigkeit sind Gefangene aus unterschiedlichsten Vollzugsformen gemeinsam in einer Einrichtung untergebracht: Untersuchungsgefangene, Jugendliche oder Heranwachsende, Männer und Frauen, die selbstverständlich voneinander getrennt einquartiert sind.

Zudem werden hier auch Frauen aus dem Frauengefängnis Kaufungen ambulant behandelt.

Seit Januar 2010 gehören die Abteilung des offenen Vollzuges in Baunatal (101 Haftplätze) und die Abteilung in Kaufungen für den geschlossenen Vollzug für Frauen und weibliche Jugendliche der JVA Kassel I an. In ihr sitzen knapp 500 Gefangene.

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