Gutachten soll entscheiden

Todkranker Häftling darf nicht aus Kasseler Gefängnis

Kassel. Ein todkranker Häftling darf vorerst nicht aus dem Gefängnis in Kassel entlassen werden. Ein Gutachten soll entscheiden.

Der 74-Jährige sei seit Jahrzehnten in Haft, unter anderem wegen mehrerer bewaffneter Banküberfälle, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Doris Möller-Scheu, am Dienstag. Wegen einer schweren Erkrankung liege der Mann derzeit im Vollzugskrankenhaus in Kassel. "Nach Aussage des Gefängnisarztes hat er noch ein Jahr zu leben."

Deshalb stellte der Mann einen Antrag auf Haftunterbrechung. Dieser aber wurde abgelehnt. Die zuständige Staatsanwältin will zunächst ein Gutachten über die Erkrankung und die Gefährlichkeit des Mannes erstellen lassen und dann erneut entscheiden. "Das ist uns sonst zu unsicher", betonte Möller-Scheu.

Das kann Anwalt Rupert von Plottnitz nicht nachvollziehen. "Das ist doch grotesk. Der Vollzugsarzt hat festgestellt, dass er nicht haftfähig ist." Für den laut Arzt ans Bett gefesselten Häftling kämen ohnehin nur noch palliative Maßnahmen in Betracht. Von Plottnitz wirft der Staatsanwaltschaft "einen Sicherheitsfetischismus auf Kosten der Würde" vor. "Niemand sollte in Haft sein Leben beenden."

Wann das Gutachten vorliegt, sei unklar, sagte Möller-Scheu. Zuvor hatte die "Frankfurter Rundschau" über den Fall berichtet. Demnach hat die Frau des Häftlings ihren Mann seit drei Jahren nicht gesehen, weil auch sie zu krank ist, um von Wiesbaden nach Kassel zu fahren. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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