Verdächtiger schon als Teenager straffällig

Überwachung rund um die Uhr: Stephan E. in gesichertem Haftraum

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Die Justizvollzugsanstalt Kassel I in Wehlheiden: Seit seiner Festnahme sitzt Stephan E. in dem Kasseler Gefängnis (Luftbild). In früheren Gerichtsprozessen wurde ihm eine geringe Aggressionshemmung attestiert

Der Verdächtige im Mordfall Lübcke, Stephan E., sitzt nach Informationen unserer Zeitung in der JVA Wehlheiden in einem besonders gesicherten Haftraum.

Dort soll er rund um die Uhr mit einer Videokamera überwacht werden. Ein Sprecher des Justizministeriums wollte sich zum aktuellen Fall nicht äußern. Er erklärte aber, dass bei Suizidgefahr oder wenn der Fall von einem größeren medialen Interesse sei, dieses Vorgehen normal sei. Zu Beginn jeder Haft gäbe es eine medizinische und psychologische Begutachtung, nach der über entsprechende Maßnahmen entschieden würde.

Angefangen bei einem Haftraum, in dem die Gegenstände festgeschraubt seien, bis hin zu einer Zelle ohne Möbel nur mit beheiztem Boden. Hier würden die Häftlinge dann teilweise Papierunterwäsche bekommen, um eine Suizidmöglichkeit auszuschließen.

Ausschlaggebend für diese Maßnahmen sei, ob der Häftling eine Gefahr für sich oder andere sei. Das Vorgehen sei eine reine Schutzmaßnahme. Man müsse sehen, dass die Personen aus ihrem bisherigen Leben gerissen würden und der Haftaufenthalt emotional sehr belastend sei.

Stefan E. könne nach einem bestimmten Zeitraum durch seinen Anwalt einen Haftprüfungstermin vereinbaren, so der Sprecher. Spätestens nach sechs Monaten gebe es aber zwingend eine Haftprüfung, um zu klären, ob der Haftbefehl noch berechtigt ist.

Mittlerweile werden immer mehr Details aus der Vergangenheit von Stephan E. bekannt: Aufgewachsen ist E. im Taunus. Dorthin zog er mit seinen Eltern, als er elf Jahre alt war. „Er hat von klein auf Probleme gemacht“, äußern sich Nachbarn in verschiedenen Medien. Mit 15 verübte er erstmals einen Anschlag auf ein Mehrfamilienhaus – es sollten weitere Straftaten folgen.

Er sei mal mit einem Türken befreundet gewesen, erzählte Stephan E. bei einer Gerichtsverhandlung. Als die Freundschaft abgeflacht sei, habe er sich das Wort „Haß“ in die Hand geritzt. Er habe aus „Haß ‘auf alles und jeden’, auf Ausländer und gegen sich selbst“ gehandelt, berichten Bild und Stern.

In einem psychologischen Gutachten werden E. Fehlentwicklungen und Persönlichkeitsstörungen attestiert, was zu einer verminderten Schuldfähigkeit führt. Seine Aggressionshemmung sei „gering“, außerdem habe Stephan E. „ein auffälliges Defizit in der Urteils- und Einsichtsfähigkeit“, heißt es in Medienberichten. In dem Gerichtsprozess kommt auch die Kindheit von Stephan E. zur Sprache.

Aus Angst vor seinem Vater, der Alkoholiker war, soll Stephan E. mit einem Messer unter dem Kopfkissen geschlafen haben.

Lesen Sie dazu: Brand in Kassel: Verbindungen zu Stephan E.? - Polizei sucht Zeugen

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